Alte und neue Wüstenstädte

Zockt Las Vegas bald um Wasser?

Die Wüsten der Erde sind knochentrocken und glühend heiß. Trotzdem leben Menschen unter diesen unwirtlichen Bedingungen, und das nicht nur als Nomaden oder vereinzelte Siedler. Ganze Städte existieren inmitten lebensfeindlicher Ödnis, allerdings auf sehr unterschiedliche Art. Während es beispielsweise in Yazd, im Iran, die Menschen über Jahrtausende durch ausgeklügelte Architektur und ein nachhaltiges Bewässerungssystem verstanden haben, sich den Lebensbedingungen anzupassen, wirkt Las Vegas wie ein Fremdkörper, ein Energie fressendes Monster, dessen Existenz bereits nach gut 100 Jahren bedroht ist.

DieWüstenstadt Yazd im Iran.
DieWüstenstadt Yazd im Iran. Quelle: ZDF

Die Spielhölle Las Vegas ist eine der reichsten Städte der USA - und eine der heißesten zugleich. Obwohl das Thermometer im Sommer auf über 50 Grad klettert, strömen pro Jahr 40 Millionen Touristen in die Glitzermetropole und lassen sich von einer Märchenwelt verzaubern. Rund zwei Millionen Menschen leben heute in Las Vegas, doch die Zahl könnte sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, denn die Megacity wächst und wächst.

Durstige Spielerstadt

Das Eldorado wird gespeist von einer Lebensader, die unerschöpflich schien, dem längsten Fluss im Westen der USA, dem Colorado. Mehr als 2000 Kilometer fließt er von den Rocky Mountains hinab bis nach Mexiko, er ist damit Wasserquelle für sieben Bundesstaaten und deren Millionenstädte. Seine Wassermassen schufen einzigartige Landschaften wie den Grand Canyon. Diese unerschöpfliche Kraft sollte zuverlässig und dauerhaft Strom und Wasser liefern für das Leben in der Wüste.

Springbrunnen Las Vegas Text 2 Quelle: ZDF

1931 begann der Bau des Hoover-Staudamms, eine Bogengewichtsmauer mit einer Höhe von 221 Metern und einer unteren Dicke von 201 Metern. Diese gigantische Ingenieursleistung ist ein Symbol für Amerikas Traum die Wüstenhölle zu bezwingen, und der Grundstein für das Wachstum von Las Vegas, das nur 50 Kilometer entfernt liegt. Heute verbraucht die Metropole mit fast 1000 Liter Wasser pro Kopf täglich fünf Mal so viel wie eine europäische Großstadt. Doch der Wasserspiegel im größten Stausee der USA sinkt. Schon in zehn Jahren könnte er so aussehen wie das Mündungsdelta des Colorado. Der einst mächtige Strom versandet in Mexiko, bevor er den Golf von Kalifornien erreicht. Ohne neue Wasserquellen hat das in nur einem Jahrhundert geschaffene Eldorado in der Wüste keine Zukunft.

An der Kreuzung der Karawanen

Die Sorge um die knappe Ressource Wasser gehört auch in der persischen Stadt Yazd zum Alltag. Doch die Handelsstadt blickt auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurück. Eine halbe Million Menschen leben hier. Auch Yazd verdankt den Reichtum seiner besonderen Lage: Die Stadt liegt an der Kreuzung der alten Karawanenstraßen zum Arabischen Golf im Süden und nach Zentralasien im Osten.

Wüste im Iran Quelle: ,Michael Martin

Yazd liegt im iranischen Hochland umgeben von den Wüsten Lut und Kavir. Auf über 70 Grad steigen hier die Temperaturen. Es ist eine der heißesten Regionen der Erde. Eine Einöde aus Geröll und Salz, trostlos und leer. Und dennoch gelingt es Menschen seit 5000 Jahren, in dieser Hölle zu siedeln.

Air Condition auf Persisch

Ihr Geheimnis liegt in der traditionellen Baukunst: schattige schmale Gassen und wirkungsvolle natürliche Belüftungen. Typisch für die persische Wüstenarchitektur sind die Windtürme, die oben nach allen Seiten offen sind. Der kalte Nachtwind der Wüste wird in das Innere des erwärmten Gebäudes geführt und kühlt die Wände. Streicht der Luftstrom dann über ein Wasserbecken, wirkt die Verdunstungskälte und die so gekühlte Luft verteilt sich in den Räumen, während die Wärme durch den Kamineffekt nach oben steigt.

Ein Quanat im Iran.
Quanate Text 2 Quelle: ZDF


Das Wasser für Yazd kommt aus dem 4000 Meter hohen Löwengebirge. Das Bewässerungssystem ist so alt wie die Siedlung selbst. Es führt Wasser, das sich am Fuß der Berge sammelt, über 100 Kilometer bis hinab in die Stadt. Zunächst überirdisch, und dann, um es vor Verdunstung in der Hitze zu schützen, unter der Erde durch die so genannten Quanate, unbefestigte Wasserrinnen. Anders als eine Pipeline nehmen Quanate auch die Bodenfeuchte aus der Tiefe auf.

Sind die Quellen erst versiegt ...

Mehr als 20.000 Quanate werden im Iran noch unterhalten, obwohl ihre Wartung mühsam ist. Die Arbeiter müssen in die engen Schächte hinabsteigen und immer wieder Geröll und Schlamm beiseite räumen. Eine anstrengende, aber sehr angesehene Arbeit. Im modernen Iran setzt man weiter auf die traditionellen Quanate, um Wüstenstädte nachhaltig mit dem kostbaren Wasser zu versorgen. Diese Jahrtausende alte Erfahrung fehlt in Las Vegas. Hier wird die absehbare Wasserknappheit zur Bedrohung für die Wirtschaft. Und so wollen die Behörden das Problem nun mit der Macht des Geldes lösen.

Grafik: Geplante Pipeline vom Snake Valley nach Las Vegas.
CA Pipeline Text 2 Quelle: ZDF

Das Snake Valley nördlich von Las Vegas ist reich an Grundwasser. Durch eine riesige Pipeline soll es schon bald über 500 Kilometer bis nach Las Vegas fließen. Die Kosten dafür werden auf zwei Milliarden Dollar geschätzt. Noch leben die Menschen im Snake Valley von der Landwirtschaft. Wenn die fünf Autostunden entfernte Millionenmetropole ihnen das Wasser abgräbt, haben sie in dieser Gegend keine Zukunft mehr. Woher aber soll das Wasser für die gierige Glitzerwelt kommen, wenn auch diese Quelle versiegt ist?

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