Am Anfang war der Urknall

Wie steht es mit der Akzeptanz der Kirche?

Die Fragen danach, wo wir herkommen und wie alles entstanden ist, gehören zu den faszinierendsten der Menschheit. Forscher schauen mit ihren Instrumenten immer tiefer ins All. War es zunächst der Himmel über uns, den die Astronomen erkundeten, so haben sie inzwischen ferne Galaxien studiert und sich sogar aufgemacht, den Anfang des Universums zu erforschen. Georges Lemaitre, ein belgischer Mathematiker, hatte die entscheidende Idee: Am Anfang war der Urknall.

Blick in das Universum
Blick in das Universum Quelle: ZDF

Lange galt das Universum als räumlich unveränderlich. Erst das Jahr 1925 markierte die Wende. Damals beobachtete der US-amerikanische Astronom Edwin Hubble, dass Galaxien nicht starr am Himmel stehen. Nach seinen Berechnungen mussten sie sich voneinander weg bewegen. Aus dieser Erkenntnis entwickelte sich ein neues, revolutionäres Bild vom Weltall: Das Universum driftet auseinander.

Mit dem Segen der Kirche

Und Georges Lemaitre war es dann, der kurz darauf die entscheidenden Schlüsse aus den neuen Erkenntnissen zog: Wenn die Galaxien morgen weiter voneinander weg sind, das Universum also größer sein wird als heute, dann muss es gestern kleiner gewesen sein. Konsequent in die Vergangenheit gedacht, endet man beim Urknall. Dem Anfang von allem.

Überraschenderweise war Lemaitre nicht nur ein brillanter Mathematiker, sondern auch katholischer Priester. Ausgerechnet ein Mann der Kirche erklärte das Universum von seinen Anfängen an, offensichtlich ohne dafür einen Gott zu bemühen. Das Erstaunliche daran ist, dass Lemaitre damit im Einklang mit der Amtskirche stand. Papst Pius XII. sprach sich sogar offiziell für dessen Theorie aus und erklärte 1951 öffentlich den Urknall zum göttlichen Schöpfungsakt. So sah er die Naturwissenschaften mit der Kirche versöhnt. Heute erkunden Astronomen im Auftrag des Vatikans an Teleskopen rund um die Welt selbst die Tiefen des Alls. Neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse rütteln damit nun nicht mehr an den Grundfesten der Religion.

Wissenschaft ohne Grenzen

Mit dem weltweit größten Experiment sollen nun auch die letzten Rätsel des Urknalls gelöst werden. Das Ziel ist es, in dem riesigen Teilchenbeschleuniger bei Genf die Situation kurz nach dem Urknall zu simulieren. Teilchen rasen darin im Kreis auf Kollisionskurs. Stoßen sie zusammen, wird es ähnlich heiß, wie kurz nach dem Urknall. 100.000 Mal so heiß wie im Innern der Sonne. Gelingt das Vorhaben, gewinnen die Forscher Erkenntnisse über das Universum nur wenige Billionstel Sekunden nach dem Urknall. Sie erwarten, dass durch die Kollision neue Teilchen entstehen und ihr Bild vom Weltall und vom Aufbau der Materie so genauer wird.

Menschen werden nie aufhören, mit naturwissenschaftlichen Methoden die Grenzen der Erkenntnis immer weiter hinauszuschieben. Es bleibt abzuwarten, ob damit das Rätsel des Urknalls gelöst werden kann.

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