Andere Länder - andere Sitten

Von Giraffenhälsen und Lippentellern

Lange glaubte man, Schönheit sei reine Ansichtssache. Was zum Beispiel in fremden Kulturen als schön gilt, wirkt auf uns mitunter befremdlich. Doch Studien belegen, dass Menschen einen völkerübergreifenden Schönheitssinn in sich tragen. Es besteht eine universale Gemeinsamkeit, über die Schönheit eines naturbelassenen Gesichts. Aber wie können dann so verschiedene Schönheitsideale entstehen?

Giraffenfrauen aus dem Volk der Padaung.
Giraffenfrauen aus dem Volk der Padaung. Quelle: ZDF

Schönheit ist nicht nur biologisch sondern auch kulturell bedingt. Es gibt Geschmacksunterschiede und Modeerscheinungen. Aber der Schönheitssinn verschiedener Gesellschaftsschichten, Kulturen und Länder hat einen gemeinsamen Kern. Forscher glauben, dass Schönheit als Zeichen für ein gutes Immunsystem und gute Gene gilt. Dadurch wirken attraktivere Menschen noch anziehender auf das andere Geschlecht und haben mehr Erfolg bei der Partnersuche.

Aussehen ist alles

Bei den Wodaabe, Nomaden in der Wüste Nigers, spielt Schönheit eine besonders wichtige Rolle. Von Zeit zu Zeit findet ein Tanzwettbewerb statt, auf den sich die Männer mit großem Aufwand vorbereiten. Es handelt sich um eine regelrechte Schönheitskonkurrenz mit dem Ziel, Frauen zu bezaubern. Mit anmutigen Bewegungen präsentieren sich die jungen Männer den Frauen im Publikum. Jeder Tänzer versucht durch Schönheit, Charme und Ausdauer zu bestechen. Dahinter steckt auch das Signal: Ich bin gesund. Vor allem das Weiße der Augen und Zähne soll die umworbenen Frauen auf einen gesunden und schönen Männerkörper aufmerksam machen.

Solche Zusammenkünfte bieten den Nomaden die Gelegenheit, auch Frauen aus einem anderen Clan zu heiraten. Mädchen, die als besonders schön gelten, bilden die Jury. Schönheit ist ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl. Das Mädchen wird den schönsten Mann auswählen. Der Sieger hat gute Chancen, eine Frau aus einem anderen Clan für sich zu gewinnen. Die Wodaabe sprechen dabei zwar von einem "Stehlen" der Frauen, doch durch das Ritual gestaltet sich dieser "Frauenraub" friedlich.

Befremdliche Schönheitsmerkmale

Ein anderes Beispiel findet man nahe der Grenze zwischen Thailand und Birma. Hier leben die Padaung, auch Volk der Giraffenfrauen genannt. Ihr Schönheitsmerkmal sind Messingringe, die ihren Hals besonders lang erscheinen lassen. Einem Mythos nach stammen die Padaung von einem Drachen ab. Dessen langer Hals war vielleicht das Vorbild ihres Schönheitsideals. Früher glaubte man, das Abnehmen der Ringe könnte fatale Folgen haben, weil die Halsmuskulatur versagt. Laut einer Legende wurden einst untreue Frauen auf diese Weise bestraft.

Heute betrachten die Frauen die Ringe als reine Zierde. Immer mehr von ihnen wollen das Korsett ablegen. Die Muskeln können die fehlende Stütze ersetzen, doch der Hals bleibt lang. Der Schmuck kann bis zu sechs Kilo wiegen. Durch die Last haben sich Schultern und Schlüsselbeine abgesenkt. Ihr Schönheitsmerkmal hat die Padaung-Frauen weltweit berühmt gemacht, ihre Dörfer wurden zur Touristenattraktion.

Eine Surma aus Äthiopien mit Tellerlippen.
Tellerlippen, Text 3 Schönheit Quelle: ZDF

Der Wert der Braut

Zoe-Indianer mit Lippenpflock.
Lippenpflock, Text 3, Schönheit Quelle: Grave


Bei den Surma in Äthiopien gilt der Lippenteller als Schönheitsideal der Frauen. Vor ihrer Hochzeit, etwa im Alter von 20 Jahren, wird die Unterlippe durchbohrt und mit immer größeren Tontellern im Lauf von circa zwölf Monaten gedehnt. Die Größe des Tellers bemisst den Wert der Braut. Ursprünglich setzte man die Lippenteller ein, um die Frauen zu verunstalten. Dadurch wurden sie für Sklavenfänger wertlos.


Auch der Lippenpflock der Zoe-Indianer im Amazonas könnte sich aufgrund der Bedrohung durch feindliche Stämme entwickelt haben. Die so entstellten Frauen wirkten auf fremde Männer unattraktiv, für die Zoe hingegen war das schön.

Weiter mit: Schönheit in der Tierzucht

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