Aquakultur der Zukunft

Meeresfische an Land

Um den Fleischbedarf der Weltbevölkerung zu decken, werden schon lange Nutztiere im großen Stil gezüchtet. Jetzt, wo die Fischbestände in den Ozeanen dahinschwinden und der Bedarf an Speisefischen immer noch weiter steigt, rückt die Fischzucht immer mehr in den Fokus. Durch neue Techniken sollen sogar im Binnenland Meerestiere gedeihen.

Grafik: Ein Satellit über der Erde verfolgt den Weg des Fischkäfigs. Quelle: ZDF

Die Fischzucht hat eine rasante Entwicklung hinter sich. In den 1970er-Jahren begann Norwegen mit der kommerziellen Lachszucht. Seitdem ist der Boom der Branche nicht aufzuhalten. Sie ist der am stärksten wachsende Zweig der Lebensmittelproduktion.

Schwimmende Käfige

Eine der neuesten Entwicklungen von Fischzuchtexperten sind riesenhafte Sphären, sonderbare Objekte, die verborgen in den geheimnisvollen Tiefen der offenen See schweben und in deren Innerem eine kostbare Fracht zu finden ist: Millionen von Fischen. Inzwischen gibt es diese schwimmenden Käfige schon vor den Küsten Mexikos, Südkoreas, Panamas und der USA.

schwimmender Käfig Text 2 Quelle: ZDF

Die Hoffnung der Forscher ist es, mithilfe der ausgefeilten Technik die beliebtesten Speisefische inmitten der Meere wirtschaftlich und umweltfreundlich heranzuzüchten. Die Vorteile von Zuchtanlagen im offenen Meer sind vielfältig: Meeresströmungen sorgen ständig für frisches Wasser und ausreichend Nährstoffe und erledigen den Abtransport der Fäkalien weiträumig. Durch die neue Technik sollen die Küstengebiete entlastet werden, doch Kritiker sehen darin nur eine Verlagerung der Probleme.

Frisch auf den Tisch

Aber die Anwendung solcher mobiler Fischfarmen könnte noch viel weiter reichen. Einige Forscher träumen nämlich davon, die Kugelfarmen quer über die Ozeane zu schicken. Satellitenüberwacht und computergesteuert würden die Fische Monate später ihren Bestimmungsort erreichen, genau dann, wenn sie die gewünschte Größe erreicht haben.

Verseuchte Küste
Verseucht Küste Text 2 Quelle: ZDF

Schon heute werden pro Jahr 50 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte in Fischfarmen produziert. Das entspricht etwa der Hälfte des weltweiten Fischkonsums. Noch befinden sich die Fischfarmen hauptsächlich in Küstengebieten. Doch wie jede Massentierhaltung hat auch diese ihre Schattenseiten: Eine einzige Fischfarm produziert etwa so viele Fäkalien wie eine Kleinstadt. Die häufige Folge sind verseuchte Küstengewässer.

Weg vom Meer

Oft sind die Käfige auch so dicht besetzt, dass Krankheitserreger und Parasiten ein leichtes Spiel haben. Der Einsatz von Medikamenten und Pestiziden ist daher in vielen Fischfarmen nicht zu vermeiden. Ziel der Forscher ist es, nachhaltige und umweltverträgliche Methoden zu finden. Während einige nach Lösungen im offenen Meer suchen, denken andere genau entgegengesetzt: "Weg vom Meer" ist die neue Devise.

Grafik: Zuchtanlage für Meerfische im Binnenland.
Meerwasseranlage Text 2 Quelle: ZDF

500 Kilometer von der Küste entfernt fällt in einer Region, die den Dornröschenschlaf des untergegangenen Bergbauzeitalters schlief, der Startschuss für eine zukunftsweisende Technologie. Im Saarland fand im April der Spatenstich für ein ehrgeiziges Projekt statt: die weltweit erste kommerzielle Zuchtanlage für Meeresfische mitten im Binnenland.

Computergezüchtete Fische

Drei Jahre lang wurde die Technik in einer Versuchsanlage in Hannover erprobt. Die Salzwasseranlage basiert auf einem geschlossenen Kreislaufsystem, in dem alles Wasser wiederverwendet wird. Nur ein Prozent der Wassermenge muss täglich nachgefüllt werden. Die Nähe zum Meer ist dadurch nicht notwendig. Die Vorteile Anlage auf dem Festland im Gegensatz zur Züchtung im Meer ist, dass alle Parameter genau überwacht und kontrolliert werden können. Computer steuern alle Abläufe, und Fütterungsroboter erledigen die Verpflegung der zehn Tonnen Wolfsbarsche, die jährlich zu Forschungszwecken in der Testanlage heranwachsen.

Der Eintrag von Krankheitserregern ist ausgeschlossen und Medikamente sind deshalb überflüssig. Das Wasser wird gereinigt, und selbst der Abschaum der Zuchtbecken kann noch verwendet werden, zum Beispiel als Dünger in der Landwirtschaft oder las Biomasse zur Energieerzeugung. Doch wird das System auch in 50-facher Vergrößerung funktionieren? In der neuen, 15 Millionen Euro teuren Anlage sollen jährlich 500 Tonnen hochpreisige Speisefische gezüchtet werden, damit sich das Unternehmen wirtschaftlich trägt. Ein enormer Aufwand, um den steigenden Bedarf an Fisch trotz schwindender Ressourcen in den Meeren zu decken. Interview mit Professor Uwe Waller

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet