Bevölkerungsentwicklung in der Zukunft

Wie Wachstum gesteuert wird

Während der letzten 50 bis 60 Jahre hat sich die Geburtenrate weltweit halbiert. In Entwicklungs- und Schwellenländern wird sie bis 2050 nochmals um ein Drittel sinken. Grund dafür sind langfristig rückläufige Kinderzahlen, provoziert zum Teil durch politische Anreize oder gesetzlich verordnete Einschränkungen. Radikalstes Beispiel dafür ist die "Ein-Kind-Politik" Chinas.

Statistik Bevölkerungsrückgang in Deutschland.
Statistik Bevölkerungsrückgang in Deutschland. Quelle: ZDF

Kinderreichtum war in China weit verbreitet, bis sich das Land vor 40 Jahren mit einer drohenden Überbevölkerung konfrontiert sah. Um die Gefahr abzuwenden und im Vergleich zum Westen wirtschaftlich nicht zurückzufallen, verordnete China 1979 die Ein-Kind-Politik. Jede Familie durfte, mit wenigen Ausnahmen, nur noch ein Kind haben. Die hohe Wertschätzung männlicher Nachkommen in Chinas Gesellschaft veranlasste daraufhin Eltern, auf das Geschlecht des einzigen Kindes Einfluss zu nehmen. Abtreibungen oder gar Tötung von neugeborenen Mädchen waren die Folge.

"China wird dick"

Ultraschallbild auf Monitor.
Ultraschall Text 4 Quelle: ZDF


Zählte man in China 1953 knapp 600 Millionen Einwohner, waren es Ende der 1970er bereits eine Milliarde. 40 Jahre später wäre diese Zahl, Prognosen zufolge, absehbar auf zwei Milliarden angewachsen. Deshalb entschied sich die Führung zu dem radikalen Schritt, die Geburten zu begrenzen. So verhinderte Chinas Führung womöglich drohende Hungersnöte und soziale Unruhen. In der gewonnenen Atempause gelang es tatsächlich, wirtschaftlich aufzuholen.

Doch stellten sich unliebsame Begleitfolgen ein. Eine Generation von Einzelkindern wuchs heran, verwöhnt als "kleine Kaiser". Die Zahl extrem übergewichtiger Chinesen sprang auf 15 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind es zwölf Prozent. In nur zehn Jahren hat sich die Rate fettleibiger Chinesen verdoppelt: 200 Millionen Kinder in China sind zu dick und dadurch gesundheitsgefährdet. Hinzu kommt: Ein Fünftel aller Chinesen wird keine Frau finden. Experten rechnen mit einem Anstieg von Prostitution und Mädchenhandel. Folgen einer Politik, die eigentlich die Zukunft ihrer Bevölkerung sichern sollte.

Qualität statt Quantität

Auch ohne staatlich verordnete Geburtenkontrolle erleben wir in Deutschland seit einigen Generationen schon einen deutlichen Rückgang der Geburtenzahlen. Aus einer stetig ansteigenden Kurve fiel Mitte der 1960er Jahre - mit Einführung der Antibabypille - die Zahl der Geburten in Deutschland abrupt. Zuwanderungen konnten den absoluten Bevölkerungsrückgang eine Zeit lang kompensieren: bis 2003, als die Zahl der Geburten erstmals unter 700.000 im Jahr sank.

Wie kam es zu dieser Entwicklung? Experten sehen sie als das Ergebnis eines grundlegenden Strukturwandels in der Gesellschaft: Der Fortschritt und die soziale Absicherung machen Kinder zur Existenzsicherung überflüssig. Daher geht es bei der Entscheidung für Kinder nicht mehr um "Quantität", vielmehr geht es nun um die "Qualität", um umfassende Förderung und erstklassige Ausbildung des Nachwuchses.

Deutschland wird alt

Dem einzelnen Kind wird heute besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es soll für den künftigen Wettbewerb in der Schule und im späteren Berufsleben optimal vorbereitet werden, Garantie für Anerkennung, Aufstieg und wirtschaftlichen Erfolg in der Gesellschaft. So bleibt die Geburtenrate gering und die Bevölkerungszahl sinkt trotz aller Anreize für mehr Kinder, die die Politik in den vergangenen Jahren beschlossen hat.

Rein nummerisch gesehen bleibt das deutsche Beispiel natürlich ohne Effekt auf die globale Situation. Unsere Gesellschaft steht jedoch vor ganz anderen Herausforderungen angesichts der sich abzeichnenden Probleme einer demoskopisch aus dem Gleichgewicht geratenen überalternden Gesellschaft.

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