Big Data

Was die Vermessung der Welt verrät

Wissen | Leschs Kosmos - Big Data

Und wie steht's mit der Verantwortung der Wissenschaftler in Umweltfragen? Welche Werte haben wir für sinnvolles Handeln in der Arktis? Harald Lesch bringt es wieder auf den Punkt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.07.2019, 00:00

Mit Argusaugen überwacht inzwischen eine ganze Armee von Satelliten mit Sensoren und Kameras unseren blauen Planeten. Die Erdbeobachtungssysteme im Weltraum sammeln Tag für Tag enorme Mengen an Daten über Stürme, Hochwasser, Dürre oder schmelzendes Eis, sie vermessen die Erdoberfläche bis ins kleinste Detail oder bilden ihr Schwerefeld ab. Aber was lässt sich daraus lesen?

Harald Lesch begibt sich auf Spurensuche in der Datenfülle und zeigt auf, wie wir neue Erkenntnisse über die Erde gewinnen können und warum wir so manche Information lieber nicht ans Licht gebracht hätten.

Die Jahrtausendflut

Satellitenbild im Vergleich Überschwemmung
Vergleich vor und während der Flut: Risikogebiete sind gut zu erkennen.

Im Zuge des Klimawandels werden wir immer häufiger von Hochwasser heimgesucht. Wenn die Flut kommt, herrscht am Boden pures Chaos. Übersichtlich wird die Notsituation erst aus der Vogelperspektive. Das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation erstellt Hochwasserkarten für den akuten Notfall. Ihr Informant ist ein Satellit, der die Erdoberfläche abtastet. Da Wasser anders reflektiert als Land, sehen sie an den Mustern, welche Gebiete überschwemmt sind. Aus diesen Daten werden Karten erstellt.

Um herauszufinden, welche Gebiete in Zukunft besonders gefährdet sind, werden per Laserscanner dreidimensionale Geländemodelle von Risikoregionen erstellt. Solche Prognosen sind nicht nur für Anrainer, sondern auch für Versicherungen von größtem Interesse.

Die programmierte Katastrophe

Was auf unseren Feldern wächst, mag üppig erscheinen – aber es reicht nicht für alle. Zumindest nicht für die Landwirte, die wollen, dass ihre Rinder möglichst schnell an Gewicht zulegen. Kraftfutter, oft aus Übersee, ist die Lösung. Zum Beispiel aus den Great Plains, einem der größten landwirtschaftlichen Anbaugebiete der Welt. Unter der Erde dieser Region verbirgt sich ein riesiger Wasserspeicher, der Ogallala Aquifer. Das fossile Wasser, ein Überbleibsel aus der letzten Eiszeit, erstreckt sich von South Dakota bis nach Texas. Vor allem im mittleren Westen der USA, in Garden City, Kansas, ist der Wasserspeicher die Lebensgrundlage für Farmer. Sie schöpfen ihren Schatz im Untergrund mit vollen Händen aus. Aber wissen sie eigentlich, was sie an ihm haben? Und wie viel Wasser kann der Ogallala Aquifer noch liefern? Ist er irgendwann schlicht aufgebraucht?

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam macht sich auf die Suche nach Antworten. Ihre Daten dafür kommen aus dem All. Seit 2002 sammelt die Satellitenmission GRACE Daten über die Verteilung der Masse auf unserem Planeten und erfasst das Schwerefeld der Erde. Weil Wasser das Schwerefeld beeinflusst, kann GRACE damit unterirdische Wasserspeicher aufspüren und aufzeigen, was sich dort verändert. Es zeigt sich, dass die Situation inzwischen verfahren ist: Wenn Farmer aus Great Plains Wasser sparen, gehen ihre Erträge zurück, und das hebt den Maispreis auf dem gesamten Weltmarkt. Spätestens wenn die Preise für Biotreibstoffe in die Höhe schießen und das Kraftfutter unserer Rinder teurer wird, werden wir merken, dass auch wir in Deutschland auf das Wasser aus dem Ogallala Aquifer angewiesen sind. Seit der ersten Messung über dem Ogallala Aquifer 2002 ist der Wasservorrat enorm geschrumpft. Regenerieren kann sich der Wasserspeicher nicht. Dafür regnet es zu wenig. Um das Reservoir vollständig wieder aufzufüllen, bräuchte es die Regenmenge von über 1000 Jahren. Niemand weiß, wie lange der Boden noch Wasser hergibt.


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