Damoklesschwert über dem Yasuní

Schwarzes Gold contra grüne Vielfalt

Der Yasuní-Nationalpark im Nordosten Ecuadors gilt als der artenreichste Regenwald der Welt, eine biologische Schatztruhe und Rückzugsgebiet für mehrere indigene Völker. Nicht umsonst wurde die Region 1989 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Doch unter dem Wald verbirgt sich ein Schatz, der Begehrlichkeiten weckt: Öl.

Die Zukunft dieser knapp 10.000 Quadratkilometer großen Region zwischen den Anden und dem Amazonasbecken ist ungewiss, denn ausgerechnet unter dem Yasuní liegen die größten noch unerschlossenen Ölvorkommen des Landes. Schon jetzt wird in unmittelbarer Nähe des Nationalparks der kostbare Rohstoff gefördert.

Wichtige Einnahmequelle

Seit 40 Jahren verdient Ecuador, das zweitärmste Land Südamerikas, an dem schwarzen Gold. 60 Prozent seiner Exporterträge erwirtschaftet das Land mit Erdöl. Die dunkle Seite des guten Geschäfts ist die Verschmutzung der Umwelt: Abfälle der Ölförderung landen in Böden und Gewässern.

Altlasten der Erdölgewinnung verunreinigen, noch lange nachdem die Vorkommen ausgebeutet sind, große Regionen im Regenwald Ecuadors. Ein amerikanischer Ölkonzern wurde im Februar 2011 zur Zahlung von mehreren Milliarden Dollar verurteilt für die Schäden, die er durch Ölförderung in Ecuador hinterlassen hat. Es klingt wie ein Sieg, doch die Zerstörung an der Natur kann auch dadurch nicht mehr behoben werden.

Ein Tropfen auf den heißen Stein


Die Welt hängt am Tropf des Öls und verlangt nach immer mehr. Doch die Ära des Erdöls wird bald vorüber sein. Wahrscheinlich wurden weltweit bereits mehr als die Hälfte der Vorräte gefördert, die mit heutigen Techniken und bei heutigem Kostenniveau ausgebeutet werden können. Der sogenannte "Peak-Oil" wäre damit bereits erreicht. Der Wettlauf um die letzten Ölvorräte hat begonnen. Immer aufwendiger wird es, an den begehrten Stoff zu gelangen. Unberührte Ölfelder gibt es vermutlich nur noch in der Arktis, einem besonders empfindlichen Ökosystem, und in einigen Tiefseegebieten, wo die Förderung sehr teuer und mit unkalkulierbaren Risiken verbunden ist.

Vor diesem Hintergrund erscheint das vielversprechende Ölfeld im Yasuní-Nationalpark verführerisch. Unter dem Naturparadies liegen knapp eine Milliarde Barrel Öl. Doch auch diese Menge kann auf Dauer die wachsende Nachfrage des Rohstoffs nicht decken. Und wird die Region zum Fördergebiet, ist diese biologische Schatztruhe für immer verloren.

Rettung in Sicht

2007 sorgte das drohende Schicksal des Yasuní-Nationalparks weltweit für Aufsehen. Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa wandte sich mit einem überraschenden Vorschlag an die Welt: Er verzichte auf die Ausbeutung des Ölfeldes, vorausgesetzt die internationale Gemeinschaft beteilige sich finanziell am Schutz des Nationalparks und entschädige Ecuador mit der Hälfte der entgangenen Einnahmen.

2010 kam es schließlich zu einem entsprechenden Abkommen zur Rettung des Yasuní-Nationalparks mit der UNO. 2,7 Milliarden Euro müssten es der internationalen Gemeinschaft wert sein, das Naturschutzgebiet zu erhalten. Das Geld soll in einen UNO-Treuhandfonds fließen. Aber viele der potenziellen Geberländer zögern noch, in den Fonds einzuzahlen - auch Deutschland. Die Uhr tickt, denn für die sogenannte ITT-Initiative ist eine Frist bis Ende 2011 angesetzt. Sollten bis dahin nicht mindestens 100 Millionen US-Dollar, umgerechnet derzeit rund 71 Millionen Euro, eingegangen sein, rollen vielleicht schon bald die Bagger in das einzigartige Naturschutzgebiet.

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