Das Antropozän

Sind wir in einem neuen Erdzeitalter?

Städtebau, Klimawandel, Landwirtschaft - die Menschheit hinterlässt so deutliche Spuren auf der Erde, dass Wissenschaftler sie noch in Jahrmillionen werden lesen können. Die Veränderungen unseres Planeten sind so drastisch, dass manche Geologen bereits von einem neuen erdgeschichtlichen Zeitalter sprechen: dem Zeitalter des Menschen, dem Anthropozän.

Die rote Linie zwischen t und p markiert in diesen Gesteinsschichten aus Meishan in China die Grenze zwischen den Erdzeitaltern des Perm und Trias und damit den Zeitpunkt des größten Massenaussterbens der Erdgeschichte.
Die rote Linie zwischen t und p markiert in diesen Gesteinsschichten aus Meishan in China die Grenze zwischen den Erdzeitaltern des Perm und Trias und damit den Zeitpunkt des größten Massenaussterbens der Erdgeschichte. Quelle: dapd,Shuzhong Shen

Geologen können über Gesteinsschichten die unterschiedlichen Erdzeitalter herauslesen. Heute nehmen Kulturlandschaften bereits drei Viertel der Kontinente ein. Menschen und ihre Nutztiere machen 90 Prozent des Gesamtgewichts aller Wirbeltiere aus. Unser Einfluss auf die Erde ist so groß, dass nach Meinung von Geologen, Ökologen und Biologen auch wir eine eigene Signatur im Gestein hinterlassen werden. Viele Wissenschaftler sehen das als Wendepunkt, also einen Übergang in der Geschichte der Erde auf einen neuen geologischen Zeitraum. Doch ob das Anthropozän formal als geologischer Zeitabschnitt definiert wird, ist noch nicht gesichert. Eine Anerkennung kann sich lange hinziehen. Geologische Vorgänge brauchen eben Zeit. Fest steht, dass wir gravierende Spuren auf der Erde hinterlassen.

Der Weg zu den Hochkulturen

Im Jahr 2011 leben sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Wie war dieser Erfolg möglich? Beginnen wir mit einem Blick zurück in die Steinzeit. Der Mensch hat damals seine Umwelt kaum verändert. Über Jahrtausende ist die Bevölkerungszahl nur langsam gestiegen. Am Ende der Steinzeit gab es rund fünf Millionen Menschen. So viele leben heute allein in Norwegen.

Bevölkerungswachstum auf der Erde bis zum Ende der Steinzeit, etwa 9000 v. Chr.

Die Idee, Pflanzen anzubauen, veränderte vor rund 11.000 Jahren das Leben. Als Bauern konnten sich unsere Ahnen eine gesicherte Lebensgrundlage schaffen. In der Folge konnten sie immer mehr Kinder ernähren, und die Kinder halfen wiederum bei der Bewirtschaftung der Felder und Versorgung der Tiere. Hochkulturen entstanden, und die Bevölkerung wuchs. Zu Beginn der Moderne war die erste Milliarde geknackt.

Bevölkerungswachstum auf der Erde bis Anfang des 19. Jahrhunderts

Die magische Zahl

Den nächsten großen Schritt der Menschheitsgeschichte brachte die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert. Technische Innovationen erleichterten das Leben und erschlossen neue Ressourcen.

Bevölkerungswachstum auf der Erde bis heute: sieben Millarden Menschen leben auf der Erde.

Der industriellen folgte die medizinische Revolution. Hygiene und neue Medikamente verbesserten die Überlebenschancen. Die Population stieg zunächst in Europa, dann im Rest der Welt. Nach rund 200 Jahren war die magische Zahl erreicht: sieben Milliarden. Das Anthropozän, das vor rund 11.000 Jahren mit der Erfindung der Pflanzenzucht begann, hat die Erde verändert.

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