Das begehrte Element

Warum Gold für uns immer wichtiger wird

Gold - ein magisches Wort. Seit Generationen beflügelt das glänzende Edelmetall die Fantasie der Menschen. Es ist äußerst selten, sehr beständig, dabei hervorragend zu verarbeiten - und in den vergangenen Jahrzehnten immer wertvoller geworden. Seine technischen Eigenschaften, zum Beispiel als elektrischer Leiter, machen das Gold aber auch in der digitalen Welt unverzichtbar.

Dass wir überhaupt Gold aus der Erdkruste gewinnen können, verdanken wir einer kosmischen Katastrophe: Gewaltige Explosionen großer Sterne setzten vor etwa 4,6 Milliarden Jahren mit Gold durchsetzten Sternenstaub frei. Durch die Wirkung der Schwerkraft begann der goldhaltige Staub zu rotieren und ballte sich zusammen.

Von den Sternen auf die Erde

Als die Erde entstand, sanken in der noch glühend heißen Kugel schwere Elemente wie Eisen und Gold hinab in den Erdkern. Das Gold im Erdkern ist bis heute unerreichbar. Als der Planet abgekühlt war, kam es zu Kollisionen mit Asteroiden, die ebenfalls aus goldhaltigem Sternenstaub entstanden. Vulkanische Aktivitäten und die Verschiebung der Kontinentalplatten verteilten dieses Gold auf dem Erdball.

In Australien, China, Russland, Afrika sowie Nord- und Südamerika finden sich heute die bedeutendsten Lagerstätten. Das größte Goldvorkommen der Erde liegt in Südafrika, in den Minen von Witwatersrand. Seit 1886 wird dort nach Gold gegraben. Die Hälfte allen Goldes, das in der Geschichte der Menschheit aus der Erde geholt wurde, stammt aus dieser Region.

Gold in der Erdkruste

Heute liegt die goldführende Schicht 4.000 Meter unter der Erde. Mit jedem Meter, den die Bergleute tiefer schürfen, steigt die Temperatur. Die Arbeiter schuften inzwischen bei fast 50 Grad Celsius. Ohne die riesigen Klimaanlagen, die unter enormem Energieverbrauch Eis produzieren und kühle Luft nach unten fördern, wäre das Arbeiten in der Tiefe nicht möglich. Der Gewinn aus diesem Knochenjob ist dürftig: Einer Tonne Gestein werden letztlich weniger als fünf Gramm Gold entrissen.

Unterseeische Goldlagerstätten Quelle: ZDF

Gemessen an anderen Goldlagerstätten ist das aber immer noch eine gute Ausbeute. Denn die geologischen Bedingungen im Süden Afrikas sind ideal. Hier brachten chemische Prozesse das Gold in die Reichweite des Menschen: Wasser sickert in vulkanischen Gebieten in die Erdkruste ein und wird von den Magmakammern im Untergrund aufgeheizt. Bei hohem Druck löst sich das Gold aus dem Gestein, paart sich mit Schwefelwasserstoff und wird mit dem erhitzten Wasser nach oben gespült. Mit nachlassendem Druck und steigender Abkühlung des Wassers fällt das Gold aus und sammelt sich in hydrothermalen Lagerstätten. Durch die fortwährenden Wasserbewegungen formen sich im Lauf von Jahrmillionen immer größere Goldnuggets.

Aufwändige Gewinnung

Um das Gold aus dem unscheinbaren Geröll herauszulösen, werden energie- und arbeitsaufwändige Verfahrensschritte durchgeführt: Zunächst müssen die goldhaltigen Erzbrocken zu Staub zerkleinert werden. Mit giftiger Zyanidlösung laugt man dann die kleinen Körnchen aus. Aus der Lauge lässt sich das Gold zusammen mit anderen metallischen Bestandteilen herausfiltern. In einer Scheideanstalt wird das Rohgold schließlich noch von Verunreinigungen getrennt und in Barren gegossen.

Dieses Endprodukt, das zu 99,9 Prozent reine Gold, ist sehr begehrt. Sein Preis steigt auf dem Weltmarkt seit einigen Jahren kontinuierlich an. Die bisherige Rekordmarke wurde am 17. März 2008 erreicht, als die Feinunze Gold - etwa 31 Gramm - an der Börse auf über 1000 Dollar notiert wurde. Und die Tendenz ist weiter steigend, vergleichbar mit der Preisentwicklung beim Rohöl.

Goldene Reserve

Natürlich wird es dadurch auch für Investoren und Privatanleger immer interessanter. Der größte Teil des weltweit geförderten Goldes dient jedoch den Staaten als Währungsreserve. So verfügt Deutschland über 3.417 Tonnen schwere Goldreserven als Wertanlage für Krisenzeiten - der Großteil davon sicher verwahrt in US-amerikanischen Safes.

Die Preisentwicklung auf dem Rohstoffmarkt macht inzwischen die Goldförderung auch unter schwierigeren Bedingungen lukrativ. So beteiligen sich spezialisierte Geologen an der Erkundung einer ziemlich entlegenen Lagerstätte: der Tiefsee. Interessant für den neuartigen Unterwasser-Bergbau sind vor allem heiße, schwefelhaltige Quellen am Meeresgrund, die so genannten Schwarzen Raucher. Sie sind der Lebensraum für einzigartige Artengemeinschaften. An ihren unterseeischen Schloten sammeln sich Goldpartikel aus der Erdkruste, die im heißen Wasser nach oben steigen.

Goldgrube Ozean?

Die Wissenschaftler prüfen bereits Möglichkeiten, der Tiefsee ihre Bodenschätze zu entreißen. Expeditionsteams schicken Roboter hinunter zum Meeresboden. Wie viel Gold, wie viel wertvolles Material ließe sich dort gewinnen? Welche anderen Rohstoffe fördern die Schwarzen Raucher aus der Tiefe? Noch werden nur einzelne Brocken für Forschungszwecke aus der Tiefe nach oben geholt, und die wirtschaftliche Erschließung des Meeresgrundes liegt noch in weiter Ferne.

Doch irgendwann wird wohl die Gier nach Rohstoffen auch vor dem fragilen Ökosystem der Schwarzen Raucher nicht mehr Halt machen. Denn von jeher war der Goldabbau mit enormem Aufwand und massiven Eingriffen in die Natur verbunden. Die Flurschäden, die riesige Abraumhalden und giftige Sickerwässer bei der Goldgewinnung verursachen, sind der sichtbare ökologische Preis, den der Mensch bisher für das Gold zu zahlen bereit war.

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