Das blaue Gold: Schatzsuche in der Wüste

Wasser ist eines unserer wertvollsten Güter. Mit Kometen aus dem All kam es einst auf die Erde und machte unsere Heimat zum Blauen Planeten. Obwohl die Erdoberfläche zu fast drei Vierteln von Wasser bedeckt ist, entspricht das für uns nutzbare Süßwasser nur 0,3 Prozent allen Wassers. Und es ist ungleich verteilt: In vielen Regionen der Erde ist das kostbare Nass Mangelware – Interessenskonflikte und Verteilungskämpfe sind die Folge.

Sammelte man alles Wasser der Welt in einer Kugel, entspräche deren Volumen nicht einmal einem 700stel des Erdvolumens. Nur 2,6 Prozent des gesamten Wassers auf der Erde sind Süßwasser. Drei Viertel davon sind im ewigen Eis gebunden. Für den Menschen nutzbare Wasserquellen wie Flüsse und Seen machen weniger als ein Prozent des irdischen Süßwassers aus. Das mächtigste Vorkommen liegt unter der Erde – mitunter in unerreichbaren Tiefen. Mehr dazu Lebenselixier aus dem All

Las Vegas: Glitzermetropole in der Wüste

Von den Süßwasservorräten der Erde ist nur ein Bruchteil leicht zugänglich. Und diese Vorkommen sind weltweit ungleich verteilt. Der Grund dafür erscheint einleuchtend: Wo es besonders warm ist und wenig regnet, da gibt es wenig Wasser. Doch oft entstehen genau dort, wo es am trockensten ist, nämlich mitten in der Wüste, Ballungszentren, die immer mehr Menschen anziehen und sich stetig vergrößern.

Zum Beispiel Las Vegas:Die Traumwelt aus Luxus und Überfluss lässt nichts ahnen von der Wüste, die sie umgibt. In der Nachbarschaft der Glitzerstadt liegt das Death Valley, eine der trockensten Gegenden der USA mit Sommertemperaturen von über 50 °C. Doch Las Vegas wächst und wächst. Anfang der 1930er-Jahre, mit der Legalisierung des Glücksspiels im US-Bundesstaat Nevada, erlebte die kleine Eisenbahnstation einen rasanten Aufschwung zum gigantischen Spielerparadies. Heute lockt die Metropole in der Wüste jedes Jahr 30 Millionen Touristen an. Zwei Millionen Einwohner leben in Las Vegas samt Randbezirken. Ihre Zahl könnte sich in etwa zehn Jahren verdoppeln.

Eine Staumauer für den Colorado

Die Lebensader der Glitzermetropole ist der Colorado River. Nach den Vorstellungen der Pioniere sollte der größte Fluss im Westen der USA das Spielerparadies zuverlässig mit Wasser und Strom versorgen. 1931 starteten sie ein wagemutiges Projekt: den Bau der mächtigen Hoover-Talsperre. Das Vorhaben lockte Tausende Arbeiter in die Region. Sie brachten die Bars und Casinos im 50 Kilometer entfernten Las Vegas zum Boomen. Die 221 Meter hohe Betonmauer, die 1935 schließlich fertiggestellt wurde und bis 1946 das höchste Absperrbauwerk der Erde war, staut den Colorado zum größten Stausee der USA auf, dem Lake Mead.

Der Lake Mead war als Lebensversicherung für Las Vegas gedacht. Doch die hellen Ränder, die der sinkende Wasserspiegel an den steilen Ufern des Stausees bereits hinterlassen hat, sind Zeichen einer schleichenden Bedrohung: Die Niederschläge, die den Colorado speisen, nehmen seit Jahren ab. Der Fluss versandet 150 Kilometer vor seiner einstigen Mündung in Mexiko. Er speist Felder in Gegenden, in denen der Niederschlag für die Landwirtschaft nicht ausreicht. Kurz vor der mexikanischen Grenze zweigt ein Kanal noch Wasser ab für eines der wichtigsten Gemüseanbaugebiete der USA. Er sorgt dafür, dass vom Colorado River in Mexiko nur noch ein Rinnsal ankommt.

Neue Quellen anzapfen

Las Vegas scheint von der Entwicklung kaum beeindruckt. Der Wasserverbrauch ist etwa sieben Mal so hoch wie der in einer deutschen Großstadt: 840 Liter Wasser pro Kopf täglich. Aber wie lange sich die Stadt in der Wüste noch als üppiges Paradies präsentieren kann, ist fraglich. Inzwischen beginnt ein zaghaftes Umdenken. Die Bewohner sind aufgefordert, Wasser zu sparen. Sie werden von „Water Cops“ kontrolliert, Verschwendung wird mit einem Bußgeld geahndet. Außerdem erhalten Bürger einen Zuschuss von der Stadt, wenn sie ihren Rasen durch genügsame Steingärten ersetzen.

Dennoch braucht die Stadt in der Wüste dringend zusätzliche Wasserquellen. 500 Kilometer weiter nördlich sind die Behörden sind fündig geworden: im Snake Valley, einer niederschlagsreichen Region, deren Bewohner von Vieh- und Landwirtschaft leben. Von dort soll Wasser durch eine riesige Pipeline nach Las Vegas geleitet werden. Das Projekt stößt auf heftige Gegenwehr, die Farmer im Snake Valley fürchten um ihre Existenzgrundlage, sollte ihnen das Spielerparadies das Wasser abgraben. Doch die Würfel sind bereits gefallen: Wasser aus dem Snake Valley soll schon bald nach Las Vegas fließen. Aber was, wenn irgendwann auch diese Quelle aufgebraucht sein wird?

Israel: prekäre Lage

Mit Wasserknappheit haben Menschen weltweit in warmen Gebieten mit wenig Niederschlag zu kämpfen. Im Nahen Osten aber ist die Lage besonders prekär: Israels Bevölkerung wächst stark und wird sich vermutlich in 20 Jahren verdoppelt haben. Das kleine Mittelmeerland sitzt zunehmend auf dem Trockenen - gemeinsam mit seinen Nachbarn. Die Hälfte des Landes ist  Wüste, und selbst dort siedeln Menschen. Die Wüste zu begrünen ist die einzige Möglichkeit, zusätzliche Flächen für die Landwirtschaft zu gewinnen. So werden etwa in der Negev-Wüste Plantagen angelegt, auch im Jordantal gibt es genug Wasser für den Ackerbau.

Salzkruste im Toten Meer
Salzverkrusteter Ast im Toten Meer

Am Toten Meer zeigt sich hingegen, wie knapp das Wasser in der Region tatsächlich ist: Der Salzsee trocknet allmählich aus. Er verliert mehr Wasser durch Verdunstung, als ihm zuläuft. Sein Wasserspiegel sinkt jedes Jahr um über einen Meter. Zurück bleibt das Salz, das sich anreichert und dicke Krusten bildet. Seit den 1960er-Jahren ist die Seeoberfläche um ein Viertel geschrumpft. Forscher befürchten, dass in 50 Jahren von dem See nicht mehr viel übrig sein könnte. Die Ursache: Sein Hauptzufluss, der Jordan, kommt nur noch als Rinnsal an.

Aderlass am Jordan

Der Jordan entspringt im Hermongebirge an der Grenze zwischen Syrien und Libanon. Um einen seiner Quellflüsse kämpfte Israel vor 48 Jahren mit Syrien und sicherte sich im Sechstagekrieg 1967 die Kontrolle darüber. Die Quellflüsse vereinigen sich zum größten Fluss Israels und speisen wiederum den See Genezareth, den größten Süßwasserspeicher des Nahen Ostens. Kaum hat der Jordan den See wieder verlassen, wird ihm fast all sein Wasser abgezapft. Etwa die Hälfte des gesamten verfügbaren Frischwassers, das Israel beansprucht, verbraucht die Landwirtschaft. Israel leitet rund 500 Millionen Kubikmeter Jordanwasser pro Jahr an die dicht besiedelte Küste und bis in die Wüste. Dort werden Pflanzen angebaut, die trotz der Hitze gedeihen.

Trick: Wasserabflüsse des Jordan in Israel
Jordanwasser wird bis in die Wüstengebiete Israels geleitet.

Im Nachbarland Jordanien herrscht in über 90 Prozent des Landes wüstenhaftes Klima. In der Region um die Hauptstadt Amman, in der 2,3 Millionen Menschen leben, fließt das Leitungswasser nur stundenweise. Im Sommer kaufen Bürger notgedrungen Wasser dazu, das per Tanklaster kommt. Fast die Hälfte des in Amman benötigten Wassers wird über einen Kanal aus dem größten Nebenfluss des Jordan abgezapft. Da der Jordan als Grenzfluss zwischen Jordanien und Israel verläuft, regeln Verträge, wie viel Jordanwasser jedem Land zusteht. Dennoch ist die Aufteilung ein dauernder Streitpunkt. Alle Anrainer brauchen mehr Wasser, als ihnen zur Verfügung steht.

Wassermangel und ungerechte Verteilung

Neben dem Süßwasser an der Oberfläche verfügt die Region auch über Grundwasser. Ein großes Vorkommen liegt unter dem Westjordanland und wird von den Niederschlägen im Bergland gespeist. Das Grundwasser wird fast ausschließlich von Israel angezapft. Ein weiteres Vorkommen erstreckt sich entlang der Küste bis in den Gazastreifen. Hier ist das Wasser besonders knapp, weil es wenig regnet und das Gebiet überbevölkert ist. Die ungleiche Verteilung des Wassers verschärft die Krise um das knappe Gut in dieser Region und birgt Konfliktpotenzial.

Nicht nur im Nahen Osten, auch in Südeuropa verschärft sich in manchen Ländern bereits die Wasserversorgungslage. In Spanien beispielsweise übersteigt in vielen Regionen der Wasserverbrauch die natürlichen Reserven. Die Tourismusbranche, aber vor allem auch der bewässerungsintensive Obst- und Gemüseanbau in Südspanien zehren an den Reserven  Und die Zeichen für Spaniens Klima stehen nicht günstig. Infolge der Erderwärmung, so schätzen Experten, könnten in 50 bis 100 Jahren große Teile des Landes der Sahara gleichen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet