Das Geheimnis der Terra Preta

Holzkohle sorgt für fruchtbare Böden

Für den Fortschritt in der Klimafrage sind technisch aufwendige und kostenintensive Maßnahmen nicht die einzige Lösung. Erfolg versprechen oft auch kleine, dezentrale und kostengünstige Initiativen, die vor Ort umsetzbar sind. Ein Beispiel dafür ist ein neues Forschungsprojekt zur Düngung nährstoffarmer Böden mit Holzkohle - ein Verfahren, das am Amazonas (wieder-)entdeckt wurde.

Amazonien ist einer der artenreichsten Lebensräume unserer Erde. Paradox scheint, dass er sich auf einem der schlechtesten Böden entwickelt hat. Denn Regenwaldböden sind sehr nährstoffarm. Unter den tropischen Bedingungen gelangt die Biomasse so schnell wieder zurück in den Kreislauf, dass sich kaum eine Humusschicht aufbauen kann.

Das Wunder im Regenwald

Regenwald in Brasilien Quelle: dpa


Weil die Böden rasch ausgelaugt sind, roden die Farmer immer neue Anbauflächen. Sie brennen jedes Jahr 10.000 Quadratkilometer Wald nieder und setzen dabei 1,3 Milliarden Tonnen CO2 frei. Doch in manchen Gegenden Amazoniens scheinen andere Gesetze zu herrschen. Seit Jahrzehnten gedeihen dort inmitten des Tropenwaldes die üppigsten Früchte, ohne zusätzliche Düngung. Was ist das Geheimnis dieser außergewöhnlich fruchtbaren Erde?

Forscher haben im Amazonasbecken lokale Vorkommen von schwarzer, nährstoffreicher Erde gefunden - Terra Preta wird sie von den Brasilianern genannt. Ihre Entstehung war lange ein Rätsel. Heute weiß man: Die "schwarze Erde" wurde vor einem halben Jahrtausend von Menschen gemacht. Das Besondere an ihr ist, dass sie Holzkohle enthält - verkohlte Pflanzenreste, die den Boden so ertragreich machen. Wie das genau vor sich geht, ist trotz intensiver Untersuchungen noch nicht ganz geklärt.

Erfolgreiche Freilandversuche

Möglicherweise funktioniert das kleine Wunder im Regenwald so: Die Kohle selbst ist nährstoffarm, aber ihre poröse Struktur hält Nährstoffe fest wie ein Schwamm. So kann sie der Tropenregen nicht auswaschen. In Freilandversuchen wurde getestet, ob sich auch andere magere Böden fruchtbar machen lassen. Dabei zeigte sich, dass die Erträge von Hirsepflanzen, deren Erde mit einem Prozent Holzkohle versetzt wurde, bis um das 900-Fache höher waren, als die von Pflanzen, welche nach herkömmlichen Methoden unter Verwendung von Kunstdünger angebaut wurden.

Doch die Wundererde kann noch mehr. Organische Holzkohle - englisch "biochar" - verwittert nicht und bindet so den in ihr enthaltenen Kohlenstoff. Würde man alle weltweit anfallenden landwirtschaftlichen Abfälle zu Kohle verarbeiten und in die Böden einbringen, könnten so jährlich 9,5 Milliarden Tonnen CO2 "weggesperrt" werden.

Altes Wissen neu entdeckt

Die Terra Preta mit dem außergewöhnlichen Potenzial ist ein Vermächtnis der Ureinwohner Amazoniens. Immer mehr deutet darauf hin, dass vor 500 Jahren über fünf Millionen Menschen in Amazonien lebten. Inmitten der Grünen Hölle gab es blühende Städte, deren Bewohner den Regenwald über viele Jahrhunderte nachhaltig nutzten. Sie verbesserten den mageren Tropenboden mit Holzkohle und konnten auf dieser Basis eine ergiebige Landwirtschaft entwickeln. Mit dem Untergang dieser Kulturen - vermutlich durch Krankheiten, die die Europäer einschleppten - geriet das wertvolle Wissen in Vergessenheit.

Feuer im Tropenwald
Tropenwald brennt Quelle: ZDF

Heute könnte die schwarze Erde der Ureinwohner eine Renaissance erleben. Die Vereinten Nationen prüfen derzeit den Einsatz von Biokohle als Maßnahme zur CO2-Reduktion. Im Rahmen des Emissionshandels könnten die Farmer auch finanziell von der neuen Methode profitieren. Hinzu kämen steigende Erträge, während gleichzeitig weniger in Dünger investiert werden müsste. Und schließlich ließen sich zwölf Prozent der weltweiten CO2-Emissionen einsparen, würden die Bauern in den Tropen auf die Biochar-Methode umstellen, statt weiter brandzuroden. Weniger Regenwald gingen verloren, und Milliarden Tonnen an Kohlendioxid würden in den Böden gespeichert und so aus der Atmosphäre verschwinden. Das alte Wissen bekäme ganz neue Bedeutung.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet