Das Out-of-Body-Phänomen

Wie uns unser Gehirn austricksen kann

Zugegeben, Berichte über außerkörperliche Erfahrungen klingen schon etwas befremdlich. Immer wieder behaupten Menschen, sie seien von fremden Wesen entführt worden. Betroffene schildern, wie sie nachts aufwachen, hellwach sind, doch vollkommen gelähmt. Manche spüren, wie sie emporschweben. Raum und Zeit können sie nicht mehr beeinflussen. Sie haben das Empfinden, sich außerhalb des eigenen Körpers zu befinden und sich selbst von außen zu betrachten.

Montage: Gehirn und Testperson
Montage: Gehirn und Testperson Quelle: ZDF

Das Phänomen der so genannten außerkörperlichen Erfahrungen ist nicht neu und zieht sich durch alle Kulturen. Es ist kein Traum, aber was ist es dann? Mit neuen Methoden versuchen Wissenschaftler, das Rätsel zu lösen.

Kampfpiloten als Testpersonen

Ausgerechnet Kampfpiloten sollen nun das Geheimnis dieser mysteriösen Erfahrungen lüften. In wendigen Flugmanövern werden sie mit dem Neunfachen ihres eigenen Körpergewichts herumgewirbelt. Manche Piloten haben in diesen Extremsituationen tatsächlich das Gefühl, aus ihrem Körper herauszutreten oder sich im eigenen Körper zu drehen. Was hinter diesen Wahrnehmungen steckt, wollen die Forscher in einer Zentrifuge näher untersuchen. Dort können sie die Hirn- und Körperfunktionen von Testpersonen genau überwachen.

Und das spielt sich im Körper ab: Das Blut wird aus dem Kopf in die Beine gedrückt und kann nicht mehr nach oben gepumpt werden. Dadurch bekommen Gehirn und Augen nicht genug Sauerstoff. Kurze Zeit später verliert die Testperson den Gleichgewichtssinn und fällt in Ohnmacht. Manchmal kommt es vor, dass Piloten dann das Gefühl haben, aus sich herauszutreten. Sie meinen zu schweben und auf den eigenen Körper herabzublicken.

Pilot während eines Experiments.
Experiment Pilot Quelle: ZDF

Konflikt zwischen zwei Reizen

Die Ursache für diese so genannte Out-of-Body-Erfahrung liegt also offensichtlich im Gehirn. Was dort genau passiert, testen Wissenschaftler der Universität Lausanne. Sie filmen Probanden von hinten und zeigen ihnen in einer virtuellen Brille das Bild von sich selbst. Dann streichen die Forscher ihnen über den Rücken. Gleichzeitig zur gefühlten Berührung sieht die Testperson sich selbst zu, wie sie berührt wird. Dieses Experiment löste bei einigen Probanden das Gefühl aus, sie schauten von außen auf sich. Das Gesehene und Gefühlte passt nicht zusammen. Ein irritierendes Erlebnis, das das Gehirn irgendwie versucht zusammenzufügen.

Experiment: Probandin mit virtueller Brille.
Test Frau Text 6 Quelle: ZDF

Durch den Konflikt zwischen den zwei Reizen wird das außerkörperliche Erlebnis ausgelöst. Der optische Reiz teilt mit, dass eine fremde Person gestreichelt wird. Im Widerspruch dazu steht der gefühlte Reiz. An einem bestimmten Bereich im Gehirn werden die beiden Informationen normalerweise sinnvoll zusammengesetzt. Können sie allerdings nicht in Einklang gebracht werden, führt das zu einem Out-of-Body-Erlebnis.

Trugbilder unseres Gehirns

Unser Gehirn steuert auch während der Nachtruhe wichtige Abläufe in unserem Körper. Etwa zwei Stunden der Schlafdauer verbringt der Mensch im REM-Schlaf. Diese Phasen des Tiefschlafs sind eng mit dem Träumen verbunden. Um zu verhindern, dass wir Träume aktiv ausleben, sorgt das Gehirn dafür, dass die Muskeln des Körpers vollkommen gelähmt sind. Wissenschaftler nennen diesen Zustand Schlafparalyse.

Out-of-Body-Erlebnis: Körper schwebt über dem Bett.
Out of Body Text 6 Quelle: ZDF

Wacht man mitten während eines REM-Zustands plötzlich auf, kann es sein, dass das Gehirn diese Schlaflähmung noch nicht wieder ausgeschaltet hat. Der Mensch nimmt dann zwar die Umgebung wahr, kann sich jedoch nicht bewegen. Reale Bilder, Erinnerungen und Träume vermischen sich. So glauben manche Menschen, fremde Wesen, Außerirdische zu sehen. Das Erlebnis ist nach wenigen Sekunden vorbei, die Starre vergeht und man findet sich im eigenen Bett wieder. Und die Außerirdischen? Sie sind und bleiben Trugbilder unseres Gehirns.

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