Das Phänomen der Angst

Vom ursprünglichen Gefühl zum Daueralarm

Im Grunde ist das Gefühl der Angst für uns lebenswichtig, ein uralter Schutzmechanismus gegen Bedrohungen und Gefahren. Allerdings treten heutzutage auch immer häufiger so genannte Angststörungen auf, die Betroffene beeinträchtigen und belasten.

Babyschwimmen

Viele Ängste entwickeln sich erst im Laufe des Lebens, zum Beispiel die Angst vor Wasser. Ein einziges erschreckendes Erlebnis wie ein plötzlicher Stoß ins tiefe Becken, und schon können unauslöschliche Spuren entstehen. Ist die Angst erst einmal da, lässt sie sich nur noch schwer überwinden. Andere Ängste schlummern tief in uns. So erscheint grundsätzlich den Menschen die Nacht als gefährlich. Selbst wenn heute die Lichter eine Stadt nachts erhellen, bleibt das Unbehagen aus der Zeit, als es noch keine künstliche Beleuchtung gab, und die Gefahren tatsächlich oft im Dunkeln lauerten.

Sinnlose Ängste

Doch wie "funktioniert" Angst, und wozu ist sie da? Angst entsteht in einer zentralen Hirnregion: dem "Mandelkern". Er spielt eine wichtige Rolle bei der Wiedererkennung und der Bewertung von Situationen. Der Mandelkern ist eine Art Gefahrendetektor und schlägt Alarm, wenn uns etwas bedrohlich erscheint. Dann kommt es zu lebenswichtigen Warn- und Abwehrreaktionen.

Mandelkern Hirn Text 3 Quelle: ZDF

Ängste können aber auch scheinbar sinnlos entstehen, uns alarmieren, ohne dass wir tatsächlich einer Gefahr ausgesetzt sind. Nicht nur Erfahrungen, auch schon Berichte von schrecklichen Unglücken bleiben in unsere Erinnerung eingebrannt. Kommen wir dann in eine ähnliche Situation, spielen sich in unserem Kopf Horrorszenarien ab. Die Vorstellung genügt, und wir bekommen Angst.

Ein Leben in Angst und Schrecken

Haben wir keine Kontrolle über eine Situation, fühlen wir uns ohnmächtig. Die drohende Ölkrise macht uns Angst vor der Zukunft, der Geburtenschwund ängstigt uns beim Blick auf unsere Rente. Wir fühlen uns dem Schicksal ausgeliefert. Schon ein Bericht kann dann in unserem Gehirn schlechte Erinnerungen wecken und Alarm auslösen.

Nachrichten, die millionenfach kommuniziert werden, können das Gefühl der Bedrohung verstärken, es entsteht kollektive Angst. Dauert der Alarm lange, verliert das Thema allerdings für uns an Bedeutung. Unsere Aufmerksamkeit ist nun frei für den nächsten Einschlag, einen neuen "Katastrophenblitz", vielleicht eine neue Angst.

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