Das Pima-Phänomen

Wechselspiel zwischen Erbgut und Umwelt

Das Humane Genomforschungsprojekt soll Antworten geben auf die dringendsten Fragen der Medizin. Mit der Entschlüsselung des Erbguts wollen Wissenschaftler die Ursachen von Krankheiten aufdecken, darunter auch Leiden, die weltweit auf dem Vormarsch sind: Fettleibigkeit und Diabetes. Eine große Rolle bei Studien zu den Ursachen der häufigsten chronischen Stoffwechselstörungen spielen die Pima-Indianer.

Eine Pima-Indianerin aus Arizona. Quelle: ZDF

Der Stamm war einst über die Beringastraße von Asien eingewandert. Ein Teil lebt heute in Arizona, ein anderer im Hochland von Mexiko. Die einen leiden auffallend häufig unter Fettleibigkeit und Diabetes, die anderen nicht. Die Forscher erhoffen sich, mithilfe von Untersuchungen über die Pima-Indianer herauszufinden, welche Rolle die Umwelt und welche die Gene bei Diabetes und Fettleibigkeit spielen.

Dickmachende Gene?

Pima-Indianer Text 3 Quelle: ZDF


Dass so viele Menschen gegen Übergewicht ankämpfen, hat mit ihren Ernährungsgewohnheiten zu tun, so viel ist sicher. Welche Rolle aber spielen die Erbanlagen? Sie steuern, wie der Körper die Nahrung verarbeitet. Und wie groß ist ihr Einfluss? Lässt sich ein einzelnes Gen finden, das entscheidet, ob uns eine Modelfigur garantiert ist, oder ob wir ein Leben lang mit Übergewicht zu kämpfen haben?

Seit Jahren suchen Forscher weltweit fieberhaft nach diesen Erbanlagen. In den USA, dem Land mit den meisten Übergewichtigen stießen sie in Arizona auf eine Volksgruppe, die noch dicker und vor allem noch kränker ist, als alle anderen Amerikaner. Die Pima-Indianer essen seit Jahrzehnten dasselbe wie ihre weißen Nachbarn und teilen deren Lebensstil. Die Folgen für sie aber sind fatal. Die Hälfte der erwachsenen Pima leiden an Diabetes, so viele wie sonst nirgendwo auf der Welt. Haben sie ein spezielles Gen, das dafür verantwortlich ist?

Gesunde Tradition

Ganz so einfach ist es nicht, wie ein Blick über die Grenze zeigt. Nur einige Hundert Kilometer südlich, im Hochland von Mexiko, leben auch Pima Indianer. Sie haben ihre alten Lebens- und Essgewohnheiten weitgehend beibehalten. Das Leben im Gebirge ist mühsam und voller Entbehrungen. Für sie gehört schwere körperliche Arbeit zum Alltag.

Pima in Mexiko Text 3 Quelle: ZDF

Obwohl die Pima-Indianer aus Mexiko und ihre nahen Verwandten aus Arizona den gleichen Genpool haben, könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Die Gesichter der Pima in Mexiko sind schmal und wirken fast asketisch. Übergewichtige findet man hier nicht, und die Diabetesrate ist verschwindend gering.

Es bleibt ein Rätsel

Möglicherweise können die Pima, die über Jahrhunderte in kargen, wüstenähnlichen Regionen überlebt haben, die Nahrung besonders effektiv verwerten. Dieser Selektionsvorteil hätte sich dann unter den Lebensbedingungen in den USA in einen gefährlichen Nachteil gewandelt.


Seit Jahren untersuchen Forscher das Erbgut der Indianer, ohne einen Beweis für diese Hypothese zu finden. Sie vermuten inzwischen, dass nicht ein einzelnes, sondern bis zu 100 Gene die Nahrungsverwertung steuern. Das komplexe Wechselspiel zwischen Erbgut und Umwelt aber konnten sie noch nicht entschlüsseln.

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