Das Restrisiko von BSE

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Anfang der 1990er Jahre zeigen in Großbritannien Rinder Symptome einer erschreckenden Krankheit: BSE. Mit dem ersten erkrankten deutschen Rind im Jahr 2000 brach die Panik vor der geheimnisvollen Seuche auch bei uns aus. Zehn Jahre später ist es still geworden, aber ist die Gefahr auch wirklich vorbei? Wissenschaftler sind dem Erreger noch immer auf der Spur.

Verschiedene Fleischproben von BSE infizierten Rindern. Quelle: ZDF

Erst Ende des Jahres 2000 entlarvt ein neues Testverfahren den Erreger der "Bovine Spongiforme Enzephalopathie" selbst dann, wenn die Tiere zuvor keinerlei Symptome zeigten. Das alarmierende Ergebnis zeigt, dass auch Rinder, die völlig gesund scheinen, BSE-infiziert sein können. Und das womöglich schon seit Jahren!

Degeneration des Gehirns

Röntgenaufnahme Gehirne Text 4 Quelle: ZDF


Bereits 1996 hatte manherausgefunden, dass die Krankheit auch auf den Menschen übertragen werden kann. Zehn Jahre, nachdem man BSE erstmals bei Kühen diagnostiziert hatte, traten Fälle einer neuen Variante der Creutzfeld-Jacob-Krankheit auf: ein Todesurteil für die Betroffenen.


Als wahrscheinliche Ursache gilt kontaminiertes Rindfleisch. Das Gehirn der Patienten zeigt die gleichen Veränderungen wie die Gehirne von BSE-Rindern: Es ist schwammartig mit einer durchlöcherten Struktur. Aus Angst vor der neuen, tödlichen Krankheit mieden Hunderttausende den Verzehr von Rindfleisch.

Folgen der Rinderseuche

Inzwischen scheint die Seuche vergessen. Der Rindfleischkonsum hat längst wieder sein früheres Niveau erreicht. Ist die Gefahr gebannt oder nur verdrängt? Die Aufregung um BSE hatte jedenfalls Folgen: Da das Tiermehl im Futter als Infektionsherd ausgemacht wurde, gilt seit Ende 2001 europaweit ein Verbot von Tiermehl für Rinder und andere Wiederkäuer. Proben aller geschlachteten Rinder, die sich noch vor dem Jahr 2001 infiziert haben könnten, werden auf den BSE-Erreger hin untersucht.

Kuhstall Text 4

Die EU-weiten Maßnahmen zeigten Erfolg. Die BSE-Fälle gingen rapide zurück. Gab es im Jahr 2001 noch 125 BSE-Fälle in Deutschland, so waren es 2009 nur noch zwei Tiere. Und diese waren alte Tiere, die sich noch vor dem Verbot angesteckt hatten. Das Fazit der Wissenschaftler: Neuinfektionen durch kontaminiertes Fleisch sind inzwischen auszuschließen. Doch über Jahrzehnte gelangte Fleisch BSE-positiver Rinder, wenn auch nur in geringen Mengen, auf den Tisch. Ob Infektionen noch unentdeckt sind und welches Risiko davon ausgehen könnte, ist ungewiss.

Ähnliche Symptome

Ein Schlüssel zum Verständnis der rätselhaften Krankheit liegt in Papua Neuguinea. Forscher studieren schon seit Jahrzehnten den Volksstamm der Fore. Mitte der 1950er Jahre entdeckten sie hier eine neue Krankheit, die "Kuru" genannt wird. Die Symptome ähneln denen der neuen Creutzfeld-Jacob-Variante.

Die Fore aßen früher traditionell die Gehirne ihrer Verstorbenen und damit wohl auch den mysteriösen Kuru-Erreger. Wissenschaftler fanden heraus, dass die Inkubationszeit bis zu 40 Jahre betragen kann. Aufgrund der Ähnlichkeit von Kuru zu der neuen Creutzfeld-Jacob-Krankheit, befürchtet man nun, dass auch hier die Inkubationszeit ähnlich lang sein könnte.

Unter dem Zwang der falschen Prionen

Forscherin mit Blutkonserven Text 4


Eine Verbreitung von Erregern der Creutzfeld-Jakob-Krankheit könnte in unserer westlichen Gesellschaft vor allem über Bluttransfusionen erfolgen. Forscher sind dabei, dieses Infektionsrisiko auszuschalten. Dazu müssen sie einen verlässlichen Bluttest entwickeln. Der ungewöhnliche Mechanismus der BSE-Erreger soll ihnen dabei helfen.

Der Erreger ist ein Eiweiß, "Prion"genannt, und im Vergleich zu körpereigenen Prionen nur falsch gefaltet. Die krankheitserregenden, abnormal gefalteten Prionen, wandern ins Gehirn. Dort zwingen sie normale, körpereigene Prionen ebenfalls in eine falsche Form: Eine rasante Kettenreaktion entsteht, in der die gesunden Prionen in kranke umgewandelt werden.

Mit den eigenen Waffen geschlagen

Genau diesen Vorgang wollen Forscher nun für ihren Bluttest nutzen: Sie nehmen richtig gefaltete Prionen und geben einen Tropfen der zu testenden Blutprobe hinzu. Ist darin der Erreger, so wird er alle anderen, richtig gefalteten Prionen in kurzer Zeit umfalten. Die Umfaltung wird im Labor sichtbar. Auf diese Weise können Forscher zumindest theoretisch schon kleine Mengen des Erregers im Blut nachweisen.

In Zukunft soll der Test jedes noch so kleine Risiko für eine Neuinfektion ausschließen. Das Thema BSE mag aus den Medien verschwunden sein, ganz abgeschlossen ist es noch nicht.

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