Den Hormonen auf der Spur

Warum Mann und Frau unterschiedlich ticken

Was macht eine Frau zur Frau, was lässt einen Mann männlich erscheinen und was entscheidet eigentlich darüber, welchem Geschlecht man sich zugehörig fühlt: Sind es die Gene oder ist es die Umwelt? In den 1960er Jahren glaubten Forscher, die Erziehung bestimme die Geschlechtsidentität eines Menschen, nicht sein Erbgut. Für manche hatte diese Überzeugung dramatische Folgen.

Mann und Frau stehen sich gegenüber. Quelle: ZDF

1965 kamen die Zwillinge Bruce und Brian Reimer auf die Welt. Bruce verlor bei einer missglückten Beschneidung seinen Penis. Auf den Rat eines angesehenen Sexualforschers wurde der knapp zweijährige Junge zum Mädchen umoperiert. Der Experte ging davon aus, dass das Kind sich in der Folge zum Mädchen umerziehen lasse.

Vom Jungen zum Mädchen

So wurde aus Bruce Brenda. Sie wuchs als Mädchen auf, zeigte jedoch oft ein jungenhaftes Verhalten. Von Mitschülern gemieden, fühlte sie sich nicht wohl in der ihr zugedachten Rolle und wurde immer unglücklicher. Schließlich sahen sich die Eltern gezwungen, der Jugendlichen die Wahrheit zu sagen. In der Pubertät entschied sich Brenda in "sein" wahres Geschlecht zurückzukehren.

Um auch äußerlich wie ein Mann auszusehen, ließ er sich operieren. Dabei wurde durch plastische Chirurgie ein neuer Penis gestaltet. Das Kind, aus dem man im festen Glauben an die prägende Kraft der Erziehung ein Mädchen mache wollte, war trotz allem ein Junge geblieben. Als David will er seine männliche Geschlechtsidentität leben. Mit Anfang 20 lernt David eine Frau kennen, die bereits drei Kinder hat. Die beiden heiraten.

Angeboren oder Anerzogen?

Davids Fall sorgt für Furore, nicht nur in der Fachwelt. Ein Film wird über ihn gedreht. Doch die Idylle trügt. David hat es nicht geschafft, eine Ausbildung abzuschließen. Er verliert seine Arbeit, findet keinen neuen Job. Im Alter von 38 Jahren nimmt er sich das Leben. Ob aufgrund seiner schwierigen Lebensgeschichte oder aus anderen Gründen, ist unklar.

Inzwischen gehen die meisten Forscher davon aus, dass sich schon im Mutterleib entscheidet, welchem Geschlecht sich ein Kind zugehörig fühlt. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt stellen Hormone die Weichen in Richtung männlich oder weiblich. Aber es gibt auch Verhaltensweisen, in denen sich beide Geschlechter schon früh unterscheiden. Ist der Unterschied tatsächlich schon "in die Wiege gelegt" oder spielt nicht doch die Umwelt eine Rolle bei der Entwicklung des Rollenverhaltens?

Die Antennen der Frauen

Um rollenspezifisches Verhalten unbeeinflusst zu untersuchen, studieren Forscher Affen. Mit Meerkatzen machen sie ein ungewöhnliches Experiment. Sie bieten ihnen einen Spielzeugbagger und eine Puppe an. Tatsächlich interessieren sich die Männchen für den Bagger, die Weibchen für die Puppe. Die Forscher schließen daraus, dass sich die unterschiedlichen Vorlieben bereits früh in der Evolution entwickelt haben und auch wir davon bestimmt sind.

Versuch Meerkatzen Quelle: ZDF

Männer und Frauen "ticken" offensichtlich von Natur aus unterschiedlich. Untersuchungen zeigen: Frauen haben feinere Antennen für Mimik und Gestik ihres Gegenübers. Außerdem können sie in ihren Gesichtern viel mehr Gefühlsregungen zum Ausdruck bringen. Zudem können Frauen offensichtlich besser über ihr Gesicht, über ihre differenzierte Mimik kommunizieren.

Spuren der Evolution

Forscher erklären das so: Mütter verständigen sich über die Mimik mit ihrem Kind. Es ist vom ersten Tag an auf das Gesicht der Mutter fixiert. Die Frau muss dem hilflosen Kleinen am Gesicht ablesen, was es gerade braucht. Das war vermutlich schon seit Anbeginn der Menschheit so.


Unsere Vorfahren haben über viele Jahrtausende in Arbeitsteilung gelebt: Die Männer gingen zur Jagd, die Frauen versorgten die Kinder. Die unterschiedlichen Verhaltensrollen haben sich über einen langen Zeitraum, über viele Generationen als erfolgreich erwiesen. In unserem Erbe sind sie noch immer tief verwurzelt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet