Der Griff zur Nadel

Das heilsame Wissen des Fernen Osten

In China blickt man auf Jahrtausende Erfahrung mit einer besonderen Heilmethode:  der Akupunktur. Weiß die Schulmedizin nicht mehr weiter, suchen viele Menschen nach Alternativen und finden Hilfe in der Nadeltechnik der fernöstlichen Heilkunst. Doch worauf beruhen die Heilerfolge? Die Wissenschaft versucht mit modernen Meßmethoden das alte Heilverfahren zu erforschen.

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Akupunktur gehört zur traditionellen chinesischen Medizin.

Im Einklang mit der Natur

Nach einer über 2.000 Jahre alten chinesischen Lehre ist Gesundheit der Einklang des Menschen mit sich und der Natur. Die Heiler damals hatten nur ungenaue anatomische Kenntnisse, da es ihnen aus religiösen Gründen verboten war, Leichen zu sezieren. Sie entwickelten ihre eigene Lehre über die Ursachen von Krankheiten.

Große Bedeutung hat demnach das sogenannte Qi, eine Art universeller Kraft, die in bestimmten Bahnen durch den Körper fließt. Bei Krankheit ist der Energiefluss gestört, so die Theorie. Um ihn wieder zu normalisieren, wird der Körper an bestimmten Punkten, entlang sogenannter Meridiane, gereizt.  Für diese Meridiane gibt es im Körper jedoch keine entsprechenden organischen Strukturen. Ihre Bedeutung beruht allein auf einem uralten Schatz an Erfahrungen und Überlieferungen.

Die Suche nach der Wirkung

forscher beobachtet die Gehirnaktivität
Was passiert während einer Akupunktur in unserem Gehirn?

Lassen sich Anhaltspunkte für einen Wirkmechanismus der Akupunktur finden? Forscher haben eine denkbare Erklärung: Die Reizung empfindlicher Bereiche führt zur Irritation von Nervenbahnen. Schmerzsignale werden womöglich nicht weitergeleitet, sie gelangen bei Patienten nicht ins Bewusstsein. Sogar während Operationen können theoretisch Patienten so vom Schmerz verschont bleiben. Wissenschaftler interessiert, welchen Einfluss das Stechen auf die Bereiche im Gehirn hat, in denen Schmerz verarbeitet wird. Für ihre Studie benutzen sie einerseits echte Akupunkturnadeln – andererseits sogenannte Tricknadeln, die sich teleskopisch verkürzen und nicht durch die Haut dringen.

Nun beobachten sie, wie sich die Gehirnaktivität während einer Behandlung verändert: im Magnetresonanztomografen eine Versuchsperson, die gemäß der chinesischen Lehre akupunktiert wird. Und tatsächlich weisen die Forscher Effekte nach, die mit der Schmerzregulation in Verbindung stehen: Die Nadelstiche wirken vermutlich auf Hirnareale, die für die Schmerzhemmung zuständig sind. Es werden auch Bereiche aktiviert, die körpereigene Botenstoffe ausschütten, sogenannte Endorphine. Diese „Glückshormone“ hemmen die Reitweiterleitung auf den Nervenbahnen und unterdrücken das Schmerzempfinden.

Versuch mit Teleskopnadeln

Grafik: Gehirn mit Endorfinausschüttung
Durch Akupunktur werden Endorphine freigesetzt.

Was passiert dagegen, wenn Patienten nur scheinbar gepiekst werden, die Nadeln zwar zu spüren sind, aber gar nicht in die Haut dringen? Das Ergebnis ist für die Forscher überraschend: Auch bei scheinakupunktierten Patienten kommt es zu einer – wenn auch verminderten – Ausschüttung der körpereigenen „Schmerzmittel“, der Endorphine.

Vieles deutet darauf hin, dass Akupunktur bei bestimmten Schmerzformen  tatsächlich Wirkungen zeigt, womöglich selbst bei operativen Eingriffen. Schon die Erwartung einer Akupunkturwirkung scheint einen schmerzlindernden Effekt zu haben. Beim Verständnis der jahrtausendelang geübten Methode steht die Forschung aber erst am Anfang.

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