Der Platz Gottes in der modernen Welt

Das Verhältnis von Naturwissenschaft und Religion

In der Geschichte der Menschheit wurden unerklärbare Phänomene in unterschiedlichsten Kulturkreisen meist einer übernatürlichen Kraft zugeschrieben. Doch im Laufe der Zeit lieferten dafür die Naturwissenschaften immer mehr Erklärungen. Notgedrungen kam es zum Konflikt zwischen Kirche und Naturwissenschaft. Für Gott blieb immer weniger Platz in einer Welt, in der das naturwissenschaftliche Wissen immer weiter zunahm.

Weltbild des Mittelalters: Die Erde im Zentrum des Universums Quelle: ZDF

Schon im alten Ägypten wurde das Unerklärliche den Göttern zugeschrieben. Die Pyramiden sind Zeugen einer Zeit, als die Menschen ihr Schicksal im Diesseits und Jenseits in den Händen höherer Mächte sahen. Ob Sklave, Bürger oder Pharao, alle richteten im alten Ägypten ihr Leben nach den Göttern aus.

Rituale der alten Ägypter

Da der Tod nicht das Ende jeder Form von Existenz bedeuten durfte, entstanden komplexe Bestattungsriten und die Monumentalbauten der Pharaonen. Nach ägyptischer Vorstellung lag es auch in der Hand der Götter, nach dem Tod über das Leben der Herrscher zu richten. Sie wogen das Herz gegen eine Feder. Bei guten Menschen würde das Herz leichter sein und der Weg ins Jenseits wäre frei, so der Glaube. Mithilfe der Religion fanden die Ägypter einen Weg, den geheimnisvollen Schrecken des Todes zu überwinden.

Grabmal Ägypten Quelle: ZDF

Auch das Schicksal im Diesseits lag in den Händen höherer Mächte. So bestimmten sie etwa über den Lauf der Sonne. Den Menschen im alten Ägypten war bereits klar, dass es ohne Sonne kein Leben gibt. Doch der Wechsel von Tag und Nacht blieb ihnen ein Rätsel. Wie konnte es sein, dass an jedem Abend die Sonne verschwand und am nächsten Morgen auf der anderen Seite des Horizontes wieder erschien?

Sinnstifter Religion

In der Götterwelt der Ägypter hatte Sonnengott Ra die Aufgabe, den Feuerball jeden Abend sicher durch die Unterwelt zu bringen. Ra mussten die Ägypter daher besondere Ehre erweisen. Nur so waren sie sicher, dass die Sonne auch am folgenden Tag wieder mit neuer Kraft erstrahlte. Das Verlangen, dem Geschehen in der Welt Sinn zu geben, erzeugte religiöse Weltbilder. Das Unerklärliche wurde göttlichen Mächten zugeschrieben. Und als Sitz der Götter galt der Himmel. So wurden ungewöhnliche Erscheinungen am Himmel als Götterboten gedeutet. Natur- und Weltbild waren eins.

Mönch vor Globus Text 1 Quelle: ZDF

Bis zum Ende des Mittelalters gab es im westlichen Europa keine Wissenschaft, die solche Himmelsphänomene losgelöst von der Religion erklärte. Die Deutungshoheit lag in den Händen der Kirche. Ihr Weltbild, in dem die Erde das Zentrum des Universums darstellte, galt als unumstößliche Wahrheit. Die anderen Planeten und die Sonne waren darin nur Trabanten, die um die Erde kreisten. Galileo Galilei brachte diese Weltsicht ins Wanken. Mit Fernrohren beobachte er, dass nicht die Erde, sondern die Sonne im Zentrum steht.

Bleibt noch Raum für Gott?

Linse Fernrohr Text 1 Quelle: ZDF


Das neue Bild vom Kosmos war nicht allein das Ergebnis abstrakter Berechnungen. Ihm lagen objektive und nachvollziehbare Beobachtungen zugrunde. Es war offensichtlich, dass das heliozentrische Weltbild der Realität entsprach und nun zum wahren Bild des Kosmos werden musste. Der Konflikt war unausweichlich. Schnell konnten Freidenker bei der Kirche in Ungnade fallen.

Auch Galileo stieß an die Grenzen des damals Erklärbaren: Wie waren die Planeten auf ihre Umlaufbahnen um die Sonne gekommen? Vielleicht hat Gott sie einst in das Universum fallen lassen, mutmaßte Galileo und legte seinen Berechnungen die Fallgesetze zugrunde. In den folgenden Jahrhunderten haben die Naturwissenschaften die Grenzen der Erkenntnis immer weiter hinausgeschoben. Lassen sie überhaupt noch Raum für Gott? Bis heute sind Gläubige besorgt, sie könnten vor einem unauflösbaren Konflikt stehen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet