Der Vergleich

Tschernobyl und Fukoshima

Im April 1986 geschieht das Unvorstellbare: Bei der Explosion des Reaktors in Tschernobyl werden gewaltige Mengen radioaktiven Materials in die Atmosphäre geschleudert. Unter den Spaltprodukten verseucht vor allem das langlebige Cäsium die Böden der Region. Auch in Fukushima wurde bereits Cäsium freigesetzt.

Heute ist die Region um Tschernobyl eine Geisterwelt. Die Orte sind verlassen, die Natur hat die Städte zurückerobert. 30 Jahre wird es dauern, bis die Hälfte des Cäsiums wieder verschwunden ist. Das Gebiet ist seit dem Unglück für unbewohnbar erklärt.

Mangelhafter Schutz

Vor allem in unmittelbarer Nähe des Reaktors in Tschernobyl waren die Gefahren beträchtlich. Schutz- und Aufräumarbeiten sollten die weitere Freisetzung gefährlicher Spaltprodukte verhindern. Die Arbeiter, sogenannte Liquidatoren, traf die Belastung mit voller Wucht. Zehntausende starben an den Folgen - genau weiß es niemand. Der Schutz in Tschernobyl war mangelhaft.

In Japan sind heute die Arbeiter mit geschlossenen Ganzkörperanzügen ausgestattet. Ein Teil der Strahlung lässt sich so aufhalten. Gegen die gefährliche Gamma-Strahlung helfen aber nur die exakte Kontrolle der Belastung und eine strikte Begrenzung der Arbeitszeit.

Die radioaktive Wolke

Tschernobyl
Tschernobyl - Typical Quelle: imago


Die Atomkatastrophe in Tschernobyl lässt sich nur begrenzt mit Fukushima vergleichen. In Tschernobyl wurden die Brennstäbe mit Graphit gesteuert, eine veraltete Technik. Das Graphit nährte über acht Tage den verheerenden Brand. Die Partikel wurden zusätzlich Träger der Spaltprodukte. Die Explosion schleuderte sie über sieben Kilometer hoch.

Die radioaktive Wolke hatte eine enorme Ausdehnung. Spuren davon sollen damals sogar in Japan gemessen worden sein. Die Anlage in Fukushima hat einen anderen Reaktortyp. Eine Katastrophe mit einer vergleichbaren Ausdehnung der Wolke gilt im Fall Fukoshima als ausgeschlossen. Deutschland wäre bei einer Explosion eines Reaktors nicht bedroht.

Gefährlicher Regen


Nach der Katastrophe in Tschernobyl war die Verseuchung regional sehr unterschiedlich. Ein Grund dafür war der Regen. Regen konzentriert die radioaktive Belastung, denn die Stoffe werden aus der Luft gewaschen. Dort wo Regen fiel konzentrierte sich die Belastung. Nur konkrete kleinräumige Messungen können über die tatsächliche Gefahr Auskunft geben.

Für die Gefahreneinschätzung in Japan sind diese Vorgänge entscheidend. Bislang sind selbst die kurzfristigen Spitzenwerte um den Reaktor um ein Vielfaches geringer als unmittelbar nach der Explosion in Tschernobyl. Die Wetterprognose ist noch günstig. Der Wind treibt die Wolken über den Pazifik, nennenswerte Niederschläge sind erst am Wochenende zu erwarten.

Belastung jenseits der kritischen Zone

Vorsorgende Maßnahmen sollen die Bevölkerung schützen. Im Umkreis von 20 Kilometern sind die Menschen evakuiert worden. In einer Zone von 30 Kilometern sollen die Bewohner in den Häusern bleiben, um nicht von einer radioaktiven Wolke verseucht zu werden. Noch gilt die Belastung jenseits der Zone als gesundheitlich unbedenklich.

Käme es aber zu einer Kernschmelze in Verbindung mit weiteren Explosionen, wären die Folgen dramatisch. Das Ausmaß der Verseuchung um den Reaktor könnte den Grad von Tschernobyl erreichen - so die Befürchtungen. Lebensgefährliche Verstrahlungen sind zwar nur um das Reaktorgebäude selbst zu erwarten. Doch die Wirkung auch geringerer Mengen radioaktiver Strahlung ist tückisch. Sie zerstören unsere Erbsubstanz.

Die Kraft der Strahlen


Unser Körper verfügt über einen effizienten Reparaturmechanismus. Enzyme sorgen für eine Wiederherstellung der gesunden Struktur der Erbsubstanz. Doch der Dauerbeschuss langlebiger Strahlung überfordert das Reperatursystem. Das Gleichgewicht in der Zelle, das ein unkontrolliertes Wachstum verhindert, wird gestört. Die Folge ist Krebs. Die Krankheit zeigt sich aber erst viele Jahre später - wenn unser Reparatursystem letztlich versagt. Die direkte Ursache für die Erkrankung lässt sich aber nur schwer zurückverfolgen, denn Krebs kann durch viele Faktoren beeinflusst werden.

So gehen die Bewertungen der Strahlenschäden durch den Tschernobyl-Gau weit auseinander. Sicher ist, dass viele Kinder an Schilddrüsenkrebs erkrankten. Radioaktives Jod hat sich eingelagert und das Gewebe verstrahlt. Der sprunghafte Anstieg dieser Krebsart belegt den Zusammenhang. Andere Krebserkrankungen lassen sich auch 25 Jahre später nicht eindeutig auf eine Verstrahlung zurückführen. Ein Umstand, der beruhigen könnte, bliebe nicht der Zweifel. Denn die Kraft der Strahlen ist zerstörerisch.

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