Der wandernde Nordpol

Magnetfeld im Kopfstand

Der Nordpol ist der Schnittpunkt aller Längengrade und die Stelle, von wo aus sich jeder Blick nach Süden richtet. Im Gegensatz zu der festen geografischen Lage des Nordpols steht der Magnetpol des Nordens. Dieser wandert mit zunehmendem Tempo Richtung Sibirien. Seit seiner Entdeckung bereits mehr als 1000 Kilometer. Könnte der arktische Magnetpol eines Tages ganz im Süden ankommen?

Entdecker früherer Zeiten waren versessen darauf, den geografischen Nordpol als Erste zu finden. Sie lieferten sich tödliche Wettrennen in einer eisigen, unbekannten Wüste. Und noch heute zieht die Arktis Wissenschaftler an. Jedes Jahr im Frühjahr startet eine Expedition zum Pol, immer mit demselben Ziel. Die Forscher suchen den Magnetpol, die Ursache dafür, dass alle Kompassnadeln nach Norden zeigen.

Ein unsteter Fixpunkt

Anders als der geografische Pol ist der Magnetpol ständig in Bewegung und muss jedes Jahr wieder neu gefunden werden. Ein Kompass hilft den Forschern dabei nicht. Fündig werden sie nur mit einem Magnetometer, einem Messinstrument, mit dem sie die Feldlinien des Erdmagneten aufspüren können. Der Magnetpol zieht seine Bahnen mehrere Hundert Kilometer vom geografischen Pol entfernt. Die Forscher finden ihn an der Stelle, an der die Feldlinien des Erdmagnetfeldes nahezu senkrecht aus der Erde stoßen.

Die Untersuchungen lassen keinen Zweifel: Der Pol wandert und das immer schneller. Inzwischen bewegt er sich jährlich rund 50 Kilometer, das ist fünf Mal so schnell wie noch vor 30 Jahren. Schon bald werden die Wissenschaftler ihre jährliche Suchaktion aufgeben müssen. Es wird immer gefährlicher, in der Nähe des Magnetpols zu landen. Denn der Pol wandert inzwischen auf dünnem Eis.

Modell des Erdinneren

Die geografischen Grenzbezirke im Norden und im Süden der Erdkugel waren auch für frühe Entdecker schon immer besonders faszinierend. Die Suche nach dem Magnetpol begann mit dem englischen Seefahrer James Clark Ross. Er hat den Magnetpol im Jahre 1831 in Kanada entdeckt. Seither hat sich der Pol mehr als 1000 Kilometer über den Globus bewegt. Schon im Jahr 2050 könnte er in Sibirien ankommen. Wissenschaftler vermuten, dass der Magnetpol eines Tages noch viel, viel weiter wandern könnte - bis zum Südpol.

Ein Experiment soll die Annahme der Forscher bestätigen: Im Labor bauen sie ein Modell des Erdinneren. Sie wollen damit die Vorgänge simulieren, die das Magnetfeld hervorrufen. Der Erdkern besteht aus mehreren Schichten. Den harten Kern in der Mitte umströmt eine flüssige Masse aus Eisen und Nickel. Angetrieben von Hitzeunterschieden und der Rotation der Erde verwirbeln sich hier heiße Wellen aus Metall. Es entstehen elektrische Ströme und mit ihnen das Magnetfeld der Erde.

Pinguine am Nordpol

Im Labor können die Forscher ihren Mini-Erdkern jedoch nicht mit einem Eisen-Nickel-Gemisch nachbilden, denn dieses ist nur bei Extremtemperaturen flüssig. Stattdessen nutzen sie Natrium - ein hochentzündliches Teufelszeug. Natrium hat, wenn es bei 120 Grad Celsius in Bewegung gerät, ähnliche Eigenschaften wie das rund 4000 Grad heiße Eisen-Nickel-Gemisch im Erdinneren.

Im Experiment passiert Erstaunliches mit der Labor-Erde: Das Magnetfeld stellt sich ohne jede Vorwarnung immer wieder auf den Kopf. Mit unserer Erde könnte das Gleiche passieren, vermuten die Forscher. Spontan könnte das Magnetfeld kippen. Aus Nord würde Süd. Die Kompassnadel würde plötzlich nach Süden zeigen. Forscher müssten den Magnetpol, der derzeit noch im hohen Norden seine Bahnen zieht, weit unten im Süden bei den Pinguinen suchen.

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