Die Desertec-Initiative

Kommt unser Strom bald aus Afrika?

Innerhalb von nur sechs Stunden empfangen die Wüsten der Erde mehr Energie, als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht. Allein im Norden Afrikas würde eine Fläche von der Größe Thüringens ausreichen, um Europas gesamten Strombedarf mit Solarenergie zu decken. Und tatsächlich gibt es Überlegungen, die Energie, die die Sonne hier zur Verfügung stellt, zu nutzen. Die "Desertec-Initiative" hat sich zum Ziel gesetzt, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Technisch ist das ambitionierte Projekt machbar. Dies zeigt das bisher größte kommerzielle Solarkraftwerk der Welt, Andasol, im Süden Spaniens: Parabolspiegel fangen die Wärme der Sonne ein. Öl in den Rohren heizt sich auf 400 Grad auf. Vom heißen Öl erwärmte Luft treibt eine Turbine an, die Strom erzeugt. Genau wie in konventionellen Kraftwerken, nur dass hier die Sonne den Brennstoff liefert - praktisch zum Nulltarif.

Salz als Wärmespeicher

Die Parabolspiegeltechnik ist ein funktionierendes klimafreundliches Verfahren, solange ausreichend Platz zur Verfügung steht - und die Sonne scheint. Um den Strombedarf auch nachts abdecken zu können, hat man inzwischen aber auch schon eine Lösung gefunden: Salz. Salz gibt es im Überfluss. Es wird bei Temperaturen von mehr als 250 Grad flüssig und eignet sich hervorragend als Wärmespeicher.

Im Kraftwerk Andasol hat sich ein Salzgemisch aus Natrium- und Kaliumnitrat als idealer Wärmespeicher erwiesen. Der Hitze des 400 Grad heißen Öls hält das Salz problemlos stand. Das flüssige Salz zirkuliert zwischen den Tanks. Die Wärme des Tages gibt sie in der Nacht wieder ab. So liefert das Kraftwerk auch ohne Sonne fast acht Stunden lang Strom. In der afrikanischen Wüste könnte ein solches Kraftwerk rund um die Uhr Energie bereitstellen. Und auch der Transport ist im Prinzip bereits technisch machbar. Denn neue, effiziente Hochspannungsleitungen transportieren Strom selbst über weite Strecken mit nur wenig Verlust.

Strom aus der Wüste

Die Realisierung ist dennoch für manche ein Albtraum. Denn, so die Experten, es müssten zahlreiche Umspannwerke und neue Trassen, Schneisen von einigen Hundert Metern Breite, für den Transport von Strom entstehen. (Kritiker befürchten dadurch Elektrosmog und eine Verunstaltung von Landschaften.) Doch trotz der zu erwartenden Widerstände plant die Desertec-Initiative ein erstes Referenz-Kraftwerk in Marokko. Es soll zeigen, dass das Konzept aufgeht und der Stromtransfer von Marokko nach Europa funktionieren kann.

Die Vermessung geeigneter Areale soll in den nächsten paar Monaten erfolgen und spätestens im Jahr 2016 soll Strom aus dem Kraftwerk fließen. Auch Tunesien und Ägypten haben Interesse an der Desertec-Initiative. Und auch Libyen verfügt über geeignete Standorte für Solarkraftwerke. Die aktuelle politische Lage lässt die Zukunft der Desertec-Initiative jedoch ungewiss erscheinen.

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