Die Ess-Lüge

Die verborgene Macht der Natur

Wissen | Leschs Kosmos - Die Ess-Lüge

Harald Lesch nimmt die Entwicklung unserer Ernährung unter die Lupe. Was dürfen wir in Zukunft noch Essen?

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.05.2019, 00:00

Ohne die Zähmung des Feuers wären wir heute nicht die, die wir sind. Eroberer des Supermarkts und Versuchsobjekte der Nahrungsmittelindustrie. Die Industrie produziert perfekte Nahrungsmittel: Alles ist jederzeit verfügbar und mundgerecht zubereitet, der Geschmack nach Wunsch, die Inhaltsstoffe nach Bedarf. Eine perfekte Lebensmittelwelt. Scheinbar. Aber, haben wir unser Essen noch im Griff?

Noch nie zuvor wussten wir so viel über gesunde Ernährung. Noch nie konnten wir uns so gut und ausgewogen ernähren wie heute. Und doch: Übergewicht und Diabetes nehmen stetig zu. Harald Lesch zeigt, weshalb „gut gemeint“ noch lange nicht „gut gemacht“ bedeuten muss. Und er geht der Frage nach, ob Schlemmen ohne Reue unsere Zukunft sein wird.

Die Vernichtung der Wandertaube

Wandertaube Martha
Ein Frankenstein-Projekt: Die Züchtung von ausgestorbenen Tauben.

Der moderne Mensch eroberte die Welt, und was ihm schmeckte, nahm er sich – ohne Rücksicht auf Verluste. Die Wandertaube könnte davon ein Lied singen, gäbe es sie denn noch. Bis hinein ins 19. Jahrhundert war sie der am häufigsten vorkommende Vogel in Nordamerika. Doch die Siedler in der neuen Welt jagten das Tier gnadenlos, da es leicht zu schießen und das Fleisch der Jungtiere sehr schmackhaft war. Als die Siedler begannen, Getreide anzubauen, wurden die großen Schwärme der Wandertauben zur Plage. Die Vögel pickten das mühsam ausgebrachte Saatgut gleich wieder von den Feldern. Praktisch über Nacht wurde die Wandertaube vom beliebten Jagdobjekt auch noch zum erbitterten Feind. Es begann ein Vernichtungsfeldzug.

An guten Tagen erlegten die Jäger mehr als zehntausende von Tieren. Die Schwärme wurden immer kleiner, bis irgendwann die Population einbrach. Die letzte Wandertaube starb 1914 im Zoo von Cincinnati. Ihr Name war Martha. Martha soll aber nicht die letzte gewesen sein. Wissenschaftler wollen mithilfe von Erbgut die Wandertaube wieder zum Leben erwecken, wie in „Jurassic Park“ die Dinos. Das Genom ist schon entschlüsselt, die Vorbereitungen laufen. Aber könnte man die Wandertaube einfach so wieder ins heutige Ökosystem einsetzen? Denn: Das Einsetzen einer Spezies ist nicht ohne Risiko.

Fremde Arten in neuem Habitat

Wenn dem Menschen in seiner neuen Heimat das Nahrungsangebot nicht mundete, schleppte er kurzerhand sein gewohntes Essen ein. Auf diesem Weg kamen Ziegen auf die Galapagosinseln, Nilbarsche in den ostafrikanischen Viktoriasee und Königskrabben bis vor die Küste Norwegens. Heimisch sind die Krabben mehr als 7.000 Kilometer entfernt im Nordpazifik. Wie also kommen sie nach Norwegen?

Die Königskrabbe wurde in den 1960ern in der Barentssee ausgesetzt, von wo aus sie sich inzwischen bis vor die norwegische Küste ausgebreitet hat. Norwegische Fischer freuen sich wegen der guten Verdienstmöglichkeiten, doch die Krabbe frisst sich gnadenlos durchs Ökosystem und hat kaum Feinde. Es wird ein Kahlschlag anderer Arten befürchtet. Könnte die Invasion der „Monsterkrabben“ weitergehen und könnten die Einwanderer auch die Nordsee erobern? Wissenschaftler halten das bisher für unrealistisch. Zwar würden sich die Krabben hier durchaus wohlfühlen. Ihren Larven allerdings wäre das Nordseewasser zu warm. Norwegische Forscher haben jedoch entdeckt, dass einige Larven selbst in bis zu 14°C warmem Wasser überleben können. Einer Ausbreitung in die Nordsee stünde dann nichts mehr im Wege.

Der Mensch perfektioniert die für ihn nützlichen Tiere mit gezielter Zucht. Natürlich ist an diesen Kreaturen allerdings nicht mehr viel. Wohin die Reise geht, ist ungewiss.

Labor statt Schlachthof

Gezüchtetes Retortenfleisch
Der erste Hamburger aus dem Labor kostete 250.000 Euro.

Wird in Zukunft unser Fleisch aus dem Labor kommen? Die Tierzucht könnte eingeschränkt werden und dennoch hätten wir Fleisch im Überfluss - gezüchtet in der Petrischale.

Wissenschaftler sind inzwischen in der Lage, tatsächlich Fleisch im Labor zu züchten. Dafür nehmen sie tierische Stammzellen und lassen sie in einer Nährlösung wachsen. Für das Wachstum müssen die Muskelzellen trainiert werden: entweder mechanisch oder durch elektrische Impulse. Dicke Steaks können mit dieser Methode noch nicht erzeugt werden, aber die Füllung für Würstchen oder hackfleischartige Masse für einen Hamburger wären bereits möglich. Doch das Verfahren ist noch sehr teuer: ein Laborhamburger kostet in der Herstellung etwa 250.000 Euro.

Die DNA-Diät

DNA-Kit
Bis jetzt noch Science Fiction: ein Körperscan zur Ernährungsberatung.

Entsprechen die Gelüste und verborgenen Wünsche auf bestimmtes Essen auch den tatsächlichen Bedürfnissen unseres Körpers? Das lässt sich anscheinend ganz einfach feststellen – mit einem DNA-Kit. Man muss einen Abstrich von der Mundschleimhaut an ein Labor schicken. Die Genanalyse zeigt dann, was genau der Körper verlangt. Per E-Mail bekommt man anschließend sein individuelles Ess-Gen-Profil zugesendet. Zusammen mit genauen Anweisungen, von was man sich in Zukunft ernähren sollte, um gesund und schlank zu bleiben.

Kann der Blick ins Erbgut vielleicht sogar den Traum von einem längeren Leben wahr werden lassen, wenn man sich nur strickt an die Ernährungsempfehlung hält? Die Studien zu DNA-Diäten laufen. Doch es ist umstritten, was diese „medizinische Ernährung“ bisher tatsächlich bewirkt und ob sie in Zukunft ausreichen wird, um tatsächlich Krankheiten vorzubeugen.

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