Die geheime Macht der Farben

Frauengesicht im Spiegel

Wissen | Leschs Kosmos - Die geheime Macht der Farben

Ob beim ersten Date, beim Vorstellungsgespräch oder einem neuen Firmenlogo – auf die richtige Farbe kommt es an. Und hier kann die Wissenschaft helfen. Harald Lesch zeigt, wie Farben Karriere machen und ihre manipulative Wirkung entfalten.

Datum:
Sendungsinformationen:
Im TV: ZDF, 06.12.2016, 23:15 - 23:45
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Unsere Welt ist bunt. Doch das war nicht immer so. Vor drei Milliarden Jahren war das Meer grau, der Himmel trüb, eine Welt in Schwarzweiß. Ein Blick in die Evolution zeigt, erst die Entwicklung des Lebens machte unsere Erde zum blauen Planeten. Und als das Leben seinen Siegeszug begann, war es der Startschuss für die Entwicklung unserer bunten Welt. Und diese farbige Welt, in der wir leben, hat nicht nur visuelle Reize – unterschiedliche Farben, können auch unterschiedliche Gefühle provozieren. Wissenschaftler sind diesem Phänomen auf der Spur.

Warum hat Rot so eine große Bedeutung für uns?

Primate frisst grüne Frucht
Wer reife Früchte entdecken kann, ist klar im Vorteil.

Die Mehrzahl der Säugetiere sieht kein Rot. Selbst bei unseren nahen Verwandten, den Affen, gibt es Arten, die keinen Rezeptor für diese Farbe haben. Irgendwann in der Geschichte des Lebens muss sich die Farbwahrnehmung dramatisch verändert haben. Viele Primaten nämlich können Rot sehen. Die Entwicklung begann vor etwa 30 Millionen Jahren: bei Affen, die sich überwiegend von Früchten ernähren. Bäume tragen nur zu bestimmten Zeiten Früchte und stehen weit verstreut. Ist endlich ein Futterbaum gefunden, wird er geplündert - selbst wenn die Früchte noch unreif sind. Manche Früchte aber lassen an ihrer Farbe erkennen, wann sie reif sind. Affen, die dank einer Genmutation Rot sehen können, sind im Vorteil. Sie entdecken die Früchte schon von Weitem an der Farbe und ergattern die süße, nahrhafte Kost schneller.

Wir Menschen stammen von einer Primatenlinie ab, die Rot sehen konnte. Die Reife von Früchten beurteilen zu können, war schon für unsere frühen Vorfahren vorteilhaft. Doch Rot bedeutet für uns Menschen viel mehr als nur süße Früchte. Rot hat auch eine erotisierende Wirkung auf uns. Das evolutionäre Erbe hat uns im Griff. In der Natur ist Rot ein Sexsignal: Pavianweibchen zeigen beispielsweise mit rötlichen Schwellungen am Hinterteil ihre Empfängnisbereitschaft. Auch bei Menschen spielen optische sexuelle Schlüsselreize eine wichtige Rolle. Menschen erröten, wenn sie flirten. Wangen und Lippen werden dann stärker durchblutet und färben sich rot – das wirkt attraktiv. Andererseits funktioniert die Farbe Rot auch bestens als Warnsignal. Wenn wir Blut sehen, wittern wir Gefahr, ebenso bei Feuer. Beides ist rot. Daher die alarmierende Wirkung von Rot. Tatsächlich ist Rot für den Menschen die Signalfarbe schlechthin.

Wie die Farbe in die Welt kam

Unsere Welt war nicht immer so bunt. Vor drei Milliarden Jahren war alles Grau in Grau. Das Meer war grau, der Himmel trüb. Der Siegeszug der Farben beginnt unter Wasser. Die ersten Bakterien, mikroskopisch kleine Strukturen, betreten die Bühne des Lebens. Ihre Energie beziehen sie aus chemischen Prozessen im Wasser. Vor zweieinhalb Milliarden Jahren nutzen die ersten Lebewesen das Sonnenlicht zur Energieversorgung. Cyanobakterien sind die „Erfinder“ der Photosynthese. Sie verfügen über einen neuen Farbstoff, Chlorophyll. Damit können sie mit Sonnenlicht aus Kohlendioxid und Wasser Zucker bilden. Dieser Prozess setzt ein Abfallprodukt frei – Sauerstoff. Die Lufthülle der Erde ist zu dieser Zeit milchig, trüb. Sichtbares Licht erreicht kaum den Erdboden, nur die schädliche, energiereiche UV-Strahlung durchdringt die Atmosphäre und macht Leben an Land unmöglich.

Landschaft mit Berg und Fluss
Heute sind etwa dreißig Prozent der Landmassen mit Pflanzen bedeckt. Quelle: bbc

Milliarden Jahre lang ist der Himmel trüb, die Atmosphäre sehr dicht. Immer mehr Sauerstoff tritt aus dem Meer aus. Zeitgleich klart die Atmosphäre auf. Jetzt wird das kurzwellige, das blaue Licht in der dünner gewordenen Atmosphäre gestreut. Die Folge: Der Himmel erstrahlt immer blauer und spiegelt sich im Meer. Die Sauerstoffbildner im Meer sind die unscheinbaren Helden, denn ihnen ist die Ozonschicht zu verdanken, die den Schritt des Lebens an Land überhaupt erst möglich gemacht hat. Die ersten Landpflanzen waren Moose. Vor zweieinhalb Milliarden Jahren waren sie der Startschuss für die Erfolgsfarbe Grün auf unserer Erde und erobern seither jeden Winkel des Planeten. Heute sind rund dreißig Prozent der Landmassen mit Pflanzen bedeckt. Und sie sind die Grundlage für den Siegeszug des Lebens auf der Erde. Ihr Sauerstoff gibt uns die Luft zum Atmen, sie sind die Nahrung für Tiere und für Menschen. Das erste Grün und die Photosynthese waren Zündfunken für die bunte Welt von heute.

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