Die Kunst des Gedankenlesens

Fernwahrnehmung als Spionage-Instrument

Können Menschen gedanklich Botschaften senden und empfangen? Seit mehr als 30 Jahren sind Psychologen dem Phänomen auf der Spur. Im Kalten Krieg setzte der Geheimdienst jedes Mittel ein, um an militärische Informationen des Klassenfeindes zu kommen. So versuchten die Amerikaner auch, den Feind durch Agenten mit angeblich paranormalen Fähigkeiten in die Knie zu zwingen.

Der US-Soldat Joseph Mac Moneagle wurde der Erste Superagent. Er fiel seinen Vorgesetzten im Vietnamkrieg auf, da er Gefahren und Hinterhalte instinktiv zu spüren schien, als verfüge er über einen "Sechsten Sinn". Beim Geheimdienst vermutete man, Mac Moneagle habe telepathische Fähigkeiten. Die CIA machte ihn zum "Remote-viewer 001", einem so genannten PSI-Spion. Das war der Startschuss des Projekts "Star Gate".

Erfolgreiche Telepathie?

Aus dem Luftbild aus Feindesland und den geografischen Koordinaten sollte der Spion streng Geheimes lesen. Im Visier der Star-Gate-Gruppe war ein Stützpunkt der sowjetischen Marine, Sewerodwinsk. Die Amerikaner vermuteten hier ein geheimes militärisches Projekt. Tausende Kilometer entfernt begann Mac Moneagle zu zeichnen, was er telepathisch zu ergründen glaubte.


Er schilderte mehrere runde Konstruktionen und Schweißarbeiten. Schließlich beschrieb er ein U-Boot mit gigantischen Ausmaßen. Seine Größenangaben machten amerikanische Militärs skeptisch. Doch nur wenige Monate später war klar: In jenen Hallen war tatsächlich das erste U-Boot der Typhoon-Reihe entstanden, bis heute eines der größten U-Boote der Welt. Ist "Star Gate" eine wundersame Erfolgsgeschichte?

Ein Blick ins Gehirn

Wie lässt sich Mac Moneagles treffende Beschreibung erklären, hatte er wirklich übersinnliche, paranormale Fähigkeiten? In Vietnam war er aufgefallen, weil er einen "Sechsten Sinn" zu haben schien, eine besondere Sensibilität für Gefahren. Vielleicht gehört er zu den Menschen, bei denen viel mehr Details aus der Umwelt ins Bewusstsein dringen als bei anderen.

Der so genannte Mandelkern im Gehirn spielt dabei vermutlich eine wichtige Rolle. Er ist beteiligt an der Analyse von Gefahrensituationen und löst unwillkürliche Warn- und Abwehrreaktionen aus. Hellseherische Fähigkeiten lassen sich mit dem Blick ins Gehirn allerdings nicht erklären. Im Lauf der Zeit hatte sich Joseph Mac Moneagle militärisches Fachwissen angeeignet. Er war mit dem, was der Geheimdienst schon über Produktionsstätten in der Sowjetunion wusste, vertraut. Möglich, dass ihn schlicht Schlussfolgerungen daraus auf die richtige Fährte geführt haben.

Probe für den Remote-viewer 001

Als im Jahr 1981 ein amerikanischer NATO-Offizier in Italien entführt wurde, stellte man die besonderen Fähigkeiten auf eine weitere Probe. Ein Bekennerschreiben der Roten Brigaden legte eine erste Spur zu den Entführern, doch die unmittelbar gestarteten Polizeiaktionen blieben erfolglos. Die Hoffnungen ruhten nun auf Mac Moneagle und den anderen PSI-Spionen von "Star Gate".

Von den USA aus lotsten sie die italienische Polizei dorthin, wo sie das Opfer vermuteten. Das war jedoch eine Fehlanzeige. In den Folgetagen immer neue Hinweise und neue Fehlschläge. Endlich, nach 42 Tagen, wurde der Offizier befreit. Doch die PSI-Spione hatten daran keinen Anteil. Die Akte über diesen Fall ist bei der CIA bis heute unter Verschluss. Für die Verantwortlichen im Pentagon waren die Erfahrungen mit den PSI-Spionen unbefriedigend. Nach fast 25 Jahren Laufzeit stellten sie das Projekt "Star Gate" ein.

Zufall oder Telepathie?

Ist überhaupt etwas dran an Telepathie? Können Menschen gedanklich Botschaften senden und empfangen? Seit mehr als 30 Jahren sind Psychologen dem Phänomen mit Experimenten auf der Spur. In einem Versuch sieht eine Probandin einen vom Computer zufällig ausgewählten Film. Sie soll sich auf die Bilder konzentrieren und an eine zweite Versuchsperson gedanklich übermitteln.

Was hat die Empfängerin, die von äußeren Einflüssen abgeschottet ist, vom Film "gesehen"? Sie beschreibt rote Häuser im Hintergrund einer Szene. Handelt es sich um Zufall oder Telepathie? In einigen Fällen liegt die Trefferquote knapp über der Zufallserwartung. Dafür haben Forscher bisher keine stichhaltige Erklärung.

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