Die letzten ihrer Art

Zoos als einzige Chance

Der destruktive Einfluss des Menschen auf natürliche Habiate und Artenvielfalt macht es zukünftig immer notwendiger, Tiere zu schützen und zu bewahren. Vernichtet der Mensch die Vielfalt der Arten, wird er sich seiner Lebensgrundlage berauben, da er selbst Teil der Natur ist und auf den Reichtum der Arten in vielfältiger Weise angewiesen ist.

Ein Takhi
Drei Takhis rennen über die Steppe.

Es gibt viele Tierarten, die nur durch ein erfolgreiches Zuchtprogramm auf unserem Planeten überlebt haben. Beispiele dafür sind der Davidhirsch, der Kalifornische Kondor und auch eine Unterart des Wildpferds, das Takhi.

Rettung der Wildpferde

Auch das Wildpferd glaubte man schon verloren. Die Vorfahren unserer Hauspferde waren in der Steinzeit über weite Teile Europas und Asiens verbreitet. Nur das Takhi oder auch Przewalski-Pferd genannt, überlebte in den Weiten der mongolischen Steppe, am Rande der Wüste Gobi. Seit Ende der 1960er Jahre gilt es in freier Wildbahn als ausgestorben.

Felszeichnung eines Wildpferdes.
Felszeichnung Wildpferd

Die Rettung dieser Tierart ist vorwiegend einem Zoodirektor zu verdanken: Carl Hagenbeck. Sein zoologischer Garten in Hamburg war ein beliebtes Ausflugsziel und bot Unterhaltung für jedermann. Hagenbeck war jedoch vor allem Tierhändler. Im Zuge aufwendiger Fangexpeditionen in Asien um die Jahrhundertwende wurden auch Takhis in seinem Auftrag nach Europa eingeführt und anschließend verkauft. Von den insgesamt 54 Fohlen, die in mehreren Jahren verschifft wurden, überlebten letztlich zwölf Tiere. Sie sind die Ahnen aller Wildpferde, die heute existieren. Anfang der 1990er-Jahre war der Bestand auf 1400 Tiere angewachsen. Ein einmaliges Beispiel für die Rettung einer Art, die es ohne das Engagement von Zoos nicht mehr gäbe.

Zurück zur Natur

In den 1990er-Jahren begann man, das Takhi wieder in seine ursprüngliche Heimat, der Mongolei, einzuführen. Das war ein wichtiger Schritt, um die Zukunft der Wildpferde zu sichern. Die Ankunft von Takis, die sich in der Heimat ihrer Ahnen wieder einfinden sollen, ist jedes Mal ein Festtag für die Bevölkerung. Ein Stück Kulturgut kehrt für die Mongolen zurück. Weltweit ist der Bestand inzwischen auf fast 2000 Pferde angewachsen. Das Takhi dient als Paradebeispiel für die Rettung eines Wildtieres, das ohne zoologische Gärten nicht überlebt hätte.

Mongolen lassen Wildpferde frei.
ankunft Pferde Text 4

Der Erfolg des ambitionierten Vorhabens ist keineswegs sicher. Die Zoos müssen akribisch darauf achten, dass die Tiere nicht zu nah miteinander verwandt sind, also aus unterschiedlichen Zuchtlinien stammen. Das ist eine Voraussetzung für die Entwicklung einer gesunden Population. Hinzu kommt: Die Pferde finden in ihrer alten Heimat nicht mehr die unberührte Natur ihrer Vorfahren vor. In der Zwischenzeit haben sich die Nutztiere der Menschen die Region zu eigen gemacht. Nun konkurrieren sie alle um die spärliche Vegetation. Es wird sich zeigen, ob die Takhis auf Dauer in ihrer alten Heimat überleben können.

Komplizierte Befruchtung

Inzwischen ist die Forschung zum Erhalt bedrohter Tierarten zu einer wichtigen Aufgabe großer Zoos geworden. Von manchen Arten leben heute nur noch einzelne Exemplare in Tierparks. Vom nördlichen Breitmaulnashorn beispielsweise gibt es weltweit nur noch zwei Weibchen und fünf Männchen, verteilt in verschiedenen Zoos. In Gefangenschaft zeigen die Tiere keinerlei sexuelles Interesse, daher kann es nur mithilfe von Experten gelingen, die Nashörner zu vermehren.

Künstliche Befruchtung eines nördlichen Breitmaulnashorns.
Künstl Befruchtung Nashorn, Text 4

Es gibt Spezialistenteams, die den Bullen Samen für eine künstliche Befruchtung entlocken. Das ist ein riskantes Unternehmen, das nur unter Narkose möglich ist, denn die Tiere sind angriffslustig. Mit den gewonnen Spermien kann dann eine künstliche Befruchtung bei den Nashornkühen vorgenommen werden. Die Wissenschaftler haben dafür spezielle Instrumente entwickelt, denn der Genitaltrakt der Weibchen ist stark gefaltet, und bis zur Gebärmutter sind es rund eineinhalb Meter. Bis heute war die Vermehrung beim nördlichen Breitmaulnashorn erfolglos, und die Zeit drängt.

Hoffnung auf Nachwuchs

Die Forscher erhoffen sich nun Fortschritte durch Untersuchungen an nahen Verwandten in Südafrika. Im Hku-Hkluwe-Umfolozi Nationalpark, einem Schutzgebiet für viele bedrohte Tiere, lebt das südliche Breitmaulnashorn. Die Forscher versuchen, die Techniken zur künstlichen Befruchtung an den Verwandten ihrer "Sorgenkinder" zu verbessern. Außerdem können sie mit dem Samen der frei lebenden Tiere auch deren Nachzucht in den Zoos schon einmal sichern. Eine Vorsorge für den Tag, dass auch das südliche Breitmaulnashorn eine Zufluchtsstätte braucht.

Bei der Samenentnahme muss alles sehr schnell gehen, um das Risiko der Narkose für das Tier zu minimieren. Das kostbare Gut wird tiefgefroren versandt und soll weltweit in den Zoos für Nachwuchs sorgen. Die Chancen stehen gut. Denn die Methode mit Gefriersperma hat beim südlichen Breitmaulnashorn im Zoo schon funktioniert. Nun hoffen die Wissenschaftler, aus den Erfahrungen auch für die Fortpflanzung der bedrohten nördlichen Unterart zu lernen. Sie haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die letzten sieben Exemplare doch noch Nachwuchs bekommen.

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