Die Macht des Mondes

Mythen, Kult und Fakten

Mit dem Anblick des Mondes verbinden sich große Gefühle und Sehnsüchte. Vor allem dem Vollmond wird ein bedeutsamer Einfluss auf den Menschen nachgesagt. So sollen sich in Vollmondnächten mehr Unfälle und Gewaltverbrechen ereignen, und Geburten sollen sich häufen. Mythos oder Wirklichkeit?

Vollmondnacht mit Bergkette im Hintergrund Quelle: ZDF

Der Erdtrabant hat Menschen seit jeher fasziniert - davon zeugen von Menschen gemachte Gesteinsformationen wie die auf der Insel Isle of Lewis vor Schottland. Die Anlage Callanish ist etwa 5.000 Jahre alt.

Kultstätten des Mondes

Archäologen gehen davon aus, dass die Steine auf ein Phänomen ausgerichtet sind, das etwa alle 19 Jahre auftritt. Dabei wandert der Mond an einer Bergsilhouette am Horizont entlang. Vermutlich galt dies einst als Zeichen für eine besonders innige Beziehung zwischen Mond und Erde zu diesem Zeitpunkt. Die Steine markieren besondere Positionen des Mondes am Horizont.

Steine Callanish Quelle: ZDF

In den Mythen vieler Kulturen weltweit spielt der Mond eine bedeutende Rolle. So soll nach der Überzeugung der Seneca-Indianer in Nordamerika ein Wolf durch sein Geheul den Mond an seinen Platz am Himmel gebracht haben. Dies sei der Grund dafür, dass auch heute noch Wölfe den Mond anheulen.

Tod und Wiedergeburt

In Australien erzählt man sich in manchen Aborigine-Gruppen, der Mond beeinflusse die weibliche Fruchtbarkeit. In diesem Mythos gilt der Erdtrabant als Mann aller Frauen. Bei anderen Aborigine-Gruppen ist die Vorstellung verbreitet, dass der Mond am Ende seines Zyklus stirbt, um daraufhin neu geboren zu werden - aus einer Nautilus-Schale. Auch der Begriff "Neumond" bringt die Vorstellung zum Ausdruck, dass es immer wieder ein neuer Mond sei, der sich auf seinen Weg am Himmel macht.

Dass der Mond durchaus einen nachweisbaren Einfluss auf Vorgänge des Lebens hat, lässt sich im Tierreich beobachten. Vor allem Meeresbewohner orientieren sich am Rhythmus des Erdtrabanten, zum Beispiel Korallen. Einige Arten synchronisieren ihre Vermehrung anhand der Mondphasen: Sie stoßen einmal im Jahr, kurz nach einem Vollmond, ihre Eier und Spermien gleichzeitig massenhaft aus. Der Vorteil: Durch die gewaltigen Schwärme von Fortpflanzungszellen entkommen viele ihren Fressfeinden. Der Mond als Auslöser der Massenhochzeit sorgt so für das Überleben der Korallen.

Taktgeber für die Fortpflanzung

Für viele Meeresbewohner ist das Licht des Mondes oder die von ihm verursachte Gezeitenströmung wichtiger Taktgeber. Einige Meeresschildkröten legen ihre Eier zeitlich koordiniert ab, vermutlich ebenfalls nach dem Rhythmus des Mondes. Die Jungen schlüpfen nachts. Sie müssen das Meer möglichst schnell erreichen, um ihren Feinden zu entgehen. Dabei orientieren sie sich in Richtung des vom Mond erleuchteten Wassers.

Zahlreiche solcher Phänomene lassen sich mit wissenschaftlichen Methoden beobachten und mit dem Mond in Verbindung bringen. Aber beeinflusst der Erdtrabant auch uns Menschen? Kommt es bei Vollmond tatsächlich zu mehr Unfällen, Verbrechen oder Geburten? Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Studie, die einen solchen Zusammenhang belegt. Doch das mindert nicht die Faszination, die der Mond für viele hat.

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