Die Magie im Gehirn

Grenzen der Wahrnehmung

Während Hirnforscher verstehen wollen, wie unsere Wahrnehmung funktioniert, tüfteln große Magier aus, wie sie sich in die Irre führen lässt. Und das ist gar nicht so schwer. Selbst auf schlichte Zaubertricks fallen wir herein, weil uns das Gehirn einen Streich spielt. Das stellt eine Herausforderung für Hirnforscher dar. Mithilfe von Zaubertricks untersuchen sie das menschliche Bewusstsein.

Ein Zauberer wirft zweimal einen Ball in die Luft und fängt ihn wieder auf. Beim dritten Mal sind wir überzeugt, dass es genauso wieder geschieht. Die Zuschauer sind so sehr auf den Blick des Magiers konzentriert, dass sie glauben zu sehen, wie der Ball in der Luft verschwindet. Dabei hat der Magier den Ball gar nicht mehr geworfen. Unser Gehirn zieht lediglich Schlüsse aus der gemachten Erfahrung.

Fluch der Inselbegabung

Auch ein anderes Experiment verrät etwas von den Grenzen unserer Wahrnehmung: Lockvogel ist ein Mann mit Stadtplan, der sich bei Passanten nach dem Weg erkundigt. Das Gespräch wird kurz unterbrochen, um ein großes Bild genau zwischen den beiden zu transportieren. In dieser kurzen Zeit wird der Hilfesuchende durch eine andere Person ausgetauscht. Die hilfsbereiten Gefragten sind so auf die Sache konzentriert, dass sie selbst ihren Gesprächspartner nicht wirklich wahrnehmen und nicht bemerken, dass sie mit einer anderen Person sprechen. Nur selten fliegt der Trick auf.

Dem Briten Stephan Wiltshire würde so etwas nie passieren, denn er ist einer von etwa 100 Menschen weltweit, die zu den so genannten Inselbegabten zählen. Ihm brennt sich in kürzester Zeit jedes Detail seiner Umgebung ein. Selbst Tage nach dem Flug über London kann er die Stadtsilhouette präzise wiedergeben. Alle Details sind in seinem Gehirn gespeichert und abrufbar - genial. Doch für den Künstler hat diese besondere Begabung eine Kehrseite: Inselbegabte wie er drohen im Alltag in der Flut von Informationen unterzugehen. Es fehlt ihnen ein Wahrnehmungsfilter, der Wesentliches von Unwesentlichem trennt.

Verblüffende Effekte

Ein australischer Hirnforscher vermutet die Ursache dafür in einer Unterfunktion der linken Gehirnhälfte. Seine These ist, dass Inselbegabungen in jedem von uns verborgen sind. Durch Experimente mit normal Begabten will er das belegen: Ein Proband soll schätzen, wie viele Punkte er auf einem Bildschirm sieht. Er darf maximal fünf Punkte daneben liegen. In etwa jedem zehnten Versuch schätzt er richtig. Dann setzt der Forscher die linke Gehirnhälfte 15 Minuten lang schwachen Magnetpulsen aus.

Seine Vermutung ist, dass die rechte Gehirnhälfte für eine Weile das Kommando übernimmt und den Wahrnehmungsfilter dämpft, der uns normalerweise vor Reizüberflutung schützt. Es folgen dieselben Aufgaben wie zuvor. Jetzt schätzt die Versuchsperson die Zahl der Punkte fast jedes zweite Mal richtig - ein unglaubliches Ergebnis.

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