Die Nonstop-Gesellschaft

Ein Leben gegen den natürlichen Zyklus

Kaum zu glauben: Noch vor 100 Jahren wurde insbesondere auf dem Land der Tagesablauf von der auf- und untergehenden Sonne bestimmt. Im Rhythmus der Jahreszeiten veränderte sich das Tagwerk. Der Sonnenstand war Orientierung genug, aus ihm ließ sich die Zeit lesen. Die Zeitmessung spielte vor wenigen Generationen noch keine entscheidende Rolle.

Sommerbaum - Winterbaum
Sommerbaum - Winterbaum Quelle: ZDF

Entsprechend waren die ersten Uhren auch Sonnenuhren. Mit der Entwicklung der Technik vollzog sich ein dramatischer Wandel, dessen Ausmaß damals wohl niemand ahnte. Die ersten mechanischen Uhren wurden im 13. Jahrhundert entwickelt. Über Jahrhunderte blieben es wertvolle Kunstwerke. Nur wenige konnten sich einen solchen Zeitmesser leisten.

Im Takt der Maschinen

Stechuhr
Arbeitszeit Quelle: dpa


Schließlich wurden die Uhren immer kleiner, genauer und billiger. Die Zeit wurde mit der Industrialisierung zu einem wichtigen Faktor. Schließlich begann die Arbeit nicht mehr mit Sonnenaufgang, sondern um sechs Uhr in der Früh, ganz gleich ob Sommer oder Winter. Stechuhren wurden zum Sinnbild von Pünktlichkeit und Kontrolle.

Der Mensch hatte jetzt im Takt der Maschinen zu funktionieren, sich ihrem Rhythmus anzupassen. Dieser Konflikt wurde auch zum Thema in Spielfilmen, wie in dem Klassiker "Moderne Zeiten" aus den 1930er-Jahren mit Charlie Chaplin. Der Star des Stummfilms fungierte in der Figur des "Tramps", eines Wanderarbeiters, der unter dem permanenten Zeitdruck seine Individualität verliert und Teil der monoton arbeitenden Maschinen wird.

Ist die Gesellschaft noch zu bremsen?

Bis heute spitzt sich die Entwicklung des Zeitdrucks immer weiter zu. Inzwischen sind die Produktionsprozesse weltweit ineinander verflochten. Fällt ein Glied der Kette aus, können enorme Kosten entstehen. Durch die Globalisierung verschärft sich das Problem zusätzlich. Nie wird es Nacht auf dem gesamten Planeten. In der Hightech-Welt laufen Produktionsstätten und Kraftwerke rund um die Uhr. Tag und Nacht werden Waren transportiert, und Manager reisen um den Globus.

Die Menschen bewegen sich in einem enormen Tempo, ungeachtet der körperlichen Folgen. Stillstand wird mit Langeweile und Erfolglosigkeit assoziiert. Doch dieses Nonstop-Leben geht auf Dauer auf Kollisionskurs mit unserer inneren Uhr. Der natürliche Zyklus des Menschen unterliegt einem Wechsel von Ruhe und Aktivität. Chronobiologen, Erforscher von Zeitrhythmen, warnen davor, die innere Uhr zu missachten. Die Folgen seien fatal: das Krankheitsrisiko steigt und die sozialen Konflikte nehmen zu.

Weiter mit: Wenn die Nacht zum Tag wird

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet