Die Rätsel der Tiefsee

Leben in ewiger Finsternis

Die Ozeane bilden den größten Lebensraum der Erde - denn etwa drei Viertel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Alles Leben hat hier seinen Ursprung. Seit Milliarden Jahren entwickelt sich in den Weiten der Ozeane eine unglaubliche Vielfalt an Lebewesen. Und dennoch scheint die Meeresoberfläche die Grenze zu einer anderen Welt zu sein.

Ein Gespensterfisch aus der Tiefsee. Quelle: ,ZDF

Die Tiefseeforschung war lange Zeit ein Stiefkind der Wissenschaft. Es flossen mehr Gelder in die Erforschung des Weltraums als in die Erkundung der Ozeane.

Entdeckung einer "neuen Welt"

Einst war jede Überquerung der Ozeane ein Aufbruch ins Ungewisse. Nur besonders Wagemutige begaben sich aufs Meer, um zu erkunden, Handel zu treiben oder zu erobern. Lange galten die Ozeane ab einer Tiefe von 500 Metern als unbelebte Welt.


Das änderte sich als 1872 ein britisches Forschungsschiff zu einer Expedition aufbrach. Das Ergebnis war eine Sensation. Was die Wissenschaftler mit Schleppnetzen aus der Tiefe beförderten, übertraf alle Erwartungen. Während der dreieinhalb Jahre dauernden Reise entdeckten sie über 4.000 neue Arten von Lebewesen. Die Schätze dieser ersten Meeresforschungsreise wurden in Formalin eingelegt, doch bis heute sind sie nicht gänzlich ausgewertet.

Jagd nach dem Tiefenrekord

Knapp 60 Jahre später bauten Professor Charles William Beebe und Ingenieur Frederick Otis Barton die Bathysphäre, eine bemannte Tauchkugel. Die Forscher ließen sich, über ein Kabel mit dem Mutterschiff verbunden, in der Stahlkugel hinunter in die Dunkelheit gleiten. 1934 erreichten sie mit der Bathysphäre den damaligen Tauchrekord von 923 Metern.

Bathyscaphe Trieste, Tiefsee Quelle: U.S. Naval Historical Center

1960 startete dann das Tauchboot "Trieste" zu einem neuen Tiefenrekord in die tiefste Schlucht am Meeresgrund - den Marianengraben im Pazifischen Ozean. Die "Trieste", ein zigarrenförmiger Auftriebskörper, an dem eine druckfeste Stahlkugel für die Besatzung hängt, wurde von dem Schweizer Physiker Auguste Piccard konstruiert. Das Abtauchen bis zum Meeresboden in knapp 11.000 Metern Tiefe dauerte viereinhalb Stunden. Es ist der bis heute unübertroffene Tiefen-Weltrekord. Eine weitere Sensation: die Besatzung der "Trieste" entdeckte Leben, selbst in dieser Tiefe!

Wunderwelt in der Tiefe

Auch heute noch sind Reisen in die unendlichen Weiten der Tiefsee ein Abenteuer, ein Vorstoß in eine Welt, deren Bewohner wie von einem anderen Stern anmuten. Ein Lebensraum in völliger Dunkelheit mit Temperaturen um vier Grad Celsius und einem extrem hohen Druck, verlangt von den Bewohnern besondere Überlebensstrategien.

Ein Beispiel dafür: die Partnersuche der männlichen Anglerfische. Hat das wesentlich kleinere Männchen eine Partnerin gefunden, verbeißt es sich in ihren Bauch. Hier bleibt es für den Rest seines Lebens. Es verwächst mit dem Weibchen und wird durch ihren Blutkreislauf mit versorgt. Als Gegenleistung sichert sich der weibliche Anglerfisch die Versorgung mit Spermien, praktisch lebenslang.

Licht ins Dunkel

Leuchtende Qualle, Tiefsee Quelle: ,ZDF


Doch die Tiefen der Ozeane sind nicht so dunkel, wie man sie sich vorstellt. Denn viele Bewohner der Tiefsee verfügen über einen besonderen Trick: Sie erzeugen Licht mithilfe von Bakterien und nutzen es für verschiedene Zwecke. Kleinkrebse beispielsweise sondern eine Flüssigkeit ab und umgeben sich mit ihr wie mit einem leuchtenden Schleier. Dadurch fällt es ihren Feinden schwer, sie als Beute zu orten.

Doch bisher gelingen Forschern nur wenige, zufällige Einblicke in die sonderbare Welt der Tiefe. Mit ins Meer hinabgelassenen Kameras erhaschen sie gelegentlich einen Blick - wie durch ein Schlüsselloch - in ein noch fremdes, faszinierendes Universum.

Unentdeckte Geheimnisse

Die Wissenschaftler wollen jetzt eine Bestandsaufnahme machen. Was gibt es wo und wie zahlreich? Dafür sammeln sie Tiere in der Tiefe mit Saugtrichtern ein und holen sie in Boxen nach oben. Immer wieder entdecken sie dabei noch völlig unbekannte Arten. Aber der niedriger werdende Druck beim Auftauchen wird den Tieren zum Verhängnis. Die meisten sind verendet, bevor die Forscher sie zu Gesicht bekommen.

Ob die Tiefsee noch eine Million unentdeckte Arten beherbergt oder 30 Millionen vermag niemand zu sagen. Allein das zeigt, welche Rätsel das dunkle Universum bis heute aufgibt.

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