Die Sache mit der Fortpflanzung

Immer der Nase nach

Kaum jemand fragt sich, warum Sex die schönste Nebensache der Welt ist. Das geschlechtliche Verlangen erscheint uns selbstverständlich. Dabei ist es eigentlich nur ein Trick der Evolution, um die Nachkommenschaft zu sichern. Denn ohne den mächtigsten aller animalischen Triebe würden wir aussterben.

Pipette in einer der genetischen Proben. Quelle: ZDF

In der Tierwelt hat nur der Sieger eine Chance, sich fortzupflanzen. Diese Chance zu wahren kostet viel Energie. Ein besonderes Beispiel für den Aufwand, den Männchen dabei betreiben, ist der australische Laubenvogel. Er wagt sich in unsicheres Gebiet vor, einzig um dem Weibchen Geschenke zu beschaffen. Aufwendig drapiert das Männchen die gesammelten Gegenstände in einer Art Laube, die das Weibchen begutachtet. Dann trifft es seine Entscheidung.

Fortpflanzung ohne Sex

rotrückenspinne Text 4 Quelle: ZDF


Manche Tiere bringen für Sex scheinbar sinnlose Opfer. Das Männchen der australischen Rotrückenspinne führt für die Fortpflanzung seine mit Sperma beladenen Fühler in die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein. Doch dann passiert etwas Unerwartetes. Mit einem Ruck klappt das Männchen seinen Körper um, direkt in die Fänge des Weibchens. Während sie ihn auffrisst, pumpt er weiter Samen in ihren Körper. Zwei Jahre lang wird das Weibchen Eipakete mit seinen Nachkommen ablegen. Das sind etwa 3000 Jungtiere. Der gesamte Aufwand nur für Sex. Lohnt sich das? Könnte es nicht viel einfacher sein?

Für den Jungferngecko schon. Er braucht keinen Partner, weil er sich asexuell fortpflanzt. Alle zwei bis acht Wochen legt ein Gecko zwei Eier. Nach einiger Zeit schlüpfen daraus Jungtiere, identische Klone des Elterntiers. So kann ein einzelner Jungferngecko schnell eine neue Population gründen. Die asexuelle Vermehrung ist bei niederen Tieren weit verbreitet. Sie erzeugt schnell zahlreiche Nachkommen. Doch die ungeschlechtliche Vermehrung hat einen entscheidenden Nachteil, der sich bei dem australischen Binoes Gecko zeigt. Ihm machen Milben zu schaffen. Sie sitzen in seinen Augen, saugen Blut und übertragen Krankheiten. Alle Tiere der Population sind genetisch identisch und daher gleich anfällig für Parasiten. Ein einzelner Erreger kann daher die ganze Sippe ausrotten.

Immun dank genetischer Vielfalt

Menschenmasse
Menschenmasse, Text 1 Quelle: ZDF


Andere Populationen des Binoes Gecko vermehren sich hingegen sexuell. Jeder Gecko besitzt daher eine andere Gen- Kombination. Erreger können nun zwar einzelne Tiere treffen, die gesamte Population aber ist nicht in Gefahr. Ihre genetische Vielfalt macht sie wehrhaft. Beim Menschen ist es nicht anders. Auch wir werden unablässig von unzähligen verschiedenen Krankheitserregern heimgesucht. Eine genetische Ausstattung, mit der wir uns gegen möglichst viele von ihnen zur Wehr setzen können, ist lebensnotwendig. Sex sorgt dafür, dass unsere Kinder mit einem vielfältigen Immunsystem ausgestattet werden. Diese Vielfalt beeinflusst sogar die Partnerwahl.

Österreichische Wissenschaftler machten dazu folgendes Experiment: 44 junge Männer schliefen zwei Nächte lang im selben T-Shirt. Ein Deodorant durften sie nicht benutzen. An diesen verschwitzten T-Shirts durften junge Frauen riechen. Sie sollten beurteilen, welche der Männergerüche sie anziehend fanden und welche eher nicht. Anhand von Blutproben ermittelten die Wissenschaftler die genetischen Fingerabdrücke wichtiger Immunfaktoren der Versuchspersonen.

Die Rolle des Körpergeruchs

Doch was hat der Schweißgeruch mit dem Immunsystem zu tun? Das Ergebnis ist aufschlussreich, und der Spruch "Ich kann dich nicht riechen" hat seither eine ganz neue Bedeutung. Dahinter steckt ein komplexes Geschehen: Infiziert man sich mit einem Krankheitserreger, dringt er in Zellen ein. Die befallenen Zellen präsentieren Teile des Erregers auf der Oberfläche. Verantwortlich dafür ist ein wichtiges Eiweiß, der sogenannte MHC-Komplex. Es hilft, dass die Abwehrzellen den Erreger erkennen und bekämpfen können.

Jeder Mensch hat ein individuelles Repertoire zur Immunabwehr. Dies führt zu einem spezifischen Körpergeruch. Wir können im wahrsten Sinne des Wortes denjenigen "gut riechen", dessen Immunsystem sich mit unserem am besten ergänzt, und wählen ihn zum Partner. So ist sichergestellt, dass wir unserem Nachwuchs eine vielfältige und damit starke Abwehr ermöglichen.

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