Die schlummernde Ölpest

Bedrohung für die Naturwerte der Ozeane

Die Konstrukteure der Deepwater Horizon hatten Neuland betreten. In über zehn Kilometern Tiefe wollten sie den Meeresboden erkunden, um neue Ölvorkommen aufzuspüren. Das Ergebnis war die größte Ölkatastrophe aller Zeiten.
Schaffen wir es noch, den einzigartigen Lebensraum unter Wasser zu erforschen, bevor er für immer zerstört wird?

Am 20. April explodiert die Plattform der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko, zwei Tage später versinkt sie im Meer. Ein riesiger Ölteppich, flächenmäßig so groß wie die Schweiz, breitete sich auf der Wasseroberfläche aus. Die Folgen für das Leben im Meer lassen sich kaum abschätzen.

Unbekannte Welten


Die Meere bilden den bei weitem größten Lebensraum der Erde, und dennoch waren die Ozeane bis vor kurzem ein unbekanntes Universum. Inzwischen sind verschiedene Expeditionen zur Erforschung der Unterwasserwelt und ihrer Bewohner im Gange. Im Oktober kam eine zehnjährige Volkszählung unter Wasser zum Abschluss. Für die Inventur waren die Forscher in Regionen vorgedrungen, die noch nie ein Mensch gesehen hatte. Sie entdeckten mehr als 6000 neue Arten.

Ein Reichtum, der deutlich macht, was auf dem Spiel steht, wenn die Meere nicht geschützt werden. Je mehr Bewohner der Ozeane wir kennen, umso besser können wir die Folgen von Katastrophen abschätzen und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen beurteilen. Und noch immer gibt es unbekanntes Leben in der Tiefe: Etwa 80 Prozent der fünf Weltmeere hat man für die Bestandsaufnahme erkundet.

Ein schmutziges Erbe

Doch während weitere Pläne zur Erforschung der Tiefe geschmiedet werden, tickt eine Zeitbombe auf dem Meeresgrund: Schiffswracks. Zwar sieht es auf den ersten Blick so aus, als ob die Natur die alten Kähne vereinnahmt hat. Seit Jahrzehnten lassen Korallen darauf neuen Lebensraum entstehen. Doch die Idylle trügt. Die Schiffe auf dem Grund rosten. Eisenfressende Bakterien arbeiten mit daran, die Hüllen allmählich aufzulösen. Und irgendwann wird die ölige Fracht aus den Tanks die Meere vergiften.

Schätzungen gehen von über 8000 Wracks mit gefährlichem Inhalt aus. Viele der Wracks sind Tanker, die im Zweiten Weltkrieg versenkt wurden. Die Ölmenge, die hier schlummert, könnte 20 Mal größer sein als die Menge, die dieses Jahr in den Golf von Mexiko floss. Wie lange bleiben die Wracks noch stabil? Experten hoffen, dass die Hüllen der meisten Tanker noch 150 Jahre durchhalten. Wie sich die dann drohende Katastrophe abwenden lässt, weiß bis jetzt noch niemand.

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