Drill von Anfang an

Wege zum Meister und Genie

In vielen Ländern Asiens stehen Fleiß, Drill und Disziplin im Mittelpunkt der schulischen Förderung. Eine erfolgreiche Strategie, wenn man internationalen Vergleichstests Glauben schenkt. In der PISA-Studie belegen die asiatischen Schulen Spitzenplätze. Ist unsere liberale Erziehung eine Sackgasse in der globalisierten Welt?

Chinesische Schüler beim Yoga
Chinesische Schüler beim Yoga Quelle: dpa

Wie, fragen sich Eltern, sollen sie ihren Goldschatz denn fordern, damit sie ihn richtig fördern? Wie lässt sich Erfolg garantieren auf der großen Bühne des Lebens? Die wenigsten Eltern wollen der Entwicklung ihrer Kinder einfach freien Lauf lassen.

Übung macht den Meister

Deutschlands Schüler schneiden in der PISA-Studie überwiegend mittelmäßig ab. Fehlt ihnen der Drill? An der Berliner Musikhochschule gingen Forscher dieser Frage nach. Sie untersuchten, wie viel Zeit die Studenten schon früher mit Üben verbracht hatten. Dazu studierten sie drei verschiedene Gruppen: Lehramtsstudenten, mittelmäßige Orchestermusiker und Topsolisten. Die Lehramtsstudenten hatten vor ihrem Studium durchschnittlich 3.400 Übungsstunden angesammelt, die mittelmäßigen Orchestermusiker kamen auf 5.300 Stunden und die Topsolisten auf 7.400 Stunden.

Mancher Forscher bringt es auf den Punkt: Auch ein Genie wie Mozart ist das Ergebnis von Drill und ausdauernder Übung. Wolfgang Amadeus Mozart war Sohn eines Musikers. Sein Vater, Leopold Mozart, hatte von Anfang an eine musikalische Karriere für seinen Sohn vorgesehen und sogar ein Standardwerk über Musikerziehung geschrieben. So musste schon der kleine Wolfgang Amadeus täglich viele Stunden üben.

Alles eine Frage des Talents?

Doch dass allein Übung den Meister macht, ist eine umstrittene These: Die Gehirne von Topmusikern würden sich von denen "normaler" Menschen unterscheiden, heißt es. Eine Untersuchung von Organisten scheint diese These zu bestätigen: Die Bewegungen des Menschen werden vom Kleinhirn gesteuert. Bei Musikern ist die Vernetzung der Nervenzellen dort dichter. Für die Koordination der linken und der rechten Körperhälfte sorgt der sogenannte Gehirnbalken, der auch die beiden Gehirnhälften verbindet. Er ist bei den Organisten deutlich vergrößert, was die schwierige Koordination der beiden Hände erleichtert. Die Grundlage für ein besonderes Talent - oder das Ergebnis intensiven Übens?

Ein Jahr lang studierten Forscher eine Gruppe junger Musiker. Ihr Ergebnis ist aufschlussreich: Tatsächlich breiteten sich durch das stete Üben die Gehirnbereiche, die beim Musizieren aktiv sind, weiter und weiter aus. Das Musikerhirn scheint zu belegen: Wer viel übt, baut sogar sein Gehirn um.

Warum Mozart ein Genie war


Durch Drill ist aus Mozart ein erstklassiger Musiker geworden, und das Üben hat ganz sicher auch Spuren in seinem Gehirn hinterlassen. Doch was machte ihn zu einem genialen Komponisten? Eine Antwort sehen viele Experten in der dreieinhalbjährigen Konzerttournee, die der Vater mit der Familie durch ganz Europa unternahm. Dabei zeigte der junge Mozart zwei entscheidende Dinge: Spiellust und Improvisation. Während seine Schwester Nannerl treu bei den Noten blieb, unternahm er häufig musikalische "Ausflüge".

Ohne die eigene Begeisterung hätte der Drill des Vaters einen guten "Handwerker" am Klavier herangezogen. Genie lässt sich jedoch nicht einüben. Dass gute Leistungen kaum ohne Üben zu erzielen sind, hat die Wissenschaft belegt. Doch die wichtigste Frage hat sie den Eltern nicht beantwortet: Wie viel Kindheit braucht ein Kind für eine gesunde Entwicklung?

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