Ebola

Virus außer Kontrolle?

Wissen | Leschs Kosmos - Ebola

Harald Lesch erklärt warum die Probleme Afrikas, die Probleme der ganzen Menschheit sind.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.10.2019, 00:00

Das Ebola-Virus hält die ganze Welt in Atem. Alle früheren Ebola-Ausbrüche in Zentralafrika waren räumlich begrenzt und flauten nach ein paar Wochen wieder ab. Das Virus verschwand genauso plötzlich, wie es aufgetaucht war. Aber jetzt breitet es sich seit Monaten aus und hat sogar den Sprung nach Amerika und Europa geschafft.

Vogelgrippe, SARS – und jetzt Ebola: Krankheitserreger reisen innerhalb weniger Stunden um die Welt. Die Zahl der Toten steigt kontinuierlich. Ab Dezember werden sich laut Weltgesundheitsorganisation pro Woche 10.000 Menschen in Westafrika anstecken. Harald Lesch geht der Frage nach, wie groß die Seuchengefahr bei uns ist.

Das Pandemiepotenzial von Ebola

Qrantänetation für Ebola-Erkrankte in Hamburg
Eine Quarntäne-Station für Ebola-Infizierte in Hamburg

Ebola fehlt zum Glück eine Fähigkeit, die andere Viren haben: Grippeviren schaffen den Sprung durch die Luft und können über mehrere Meter hinweg Menschen anstecken. Für Ebola dagegen braucht es einen Schmierkontakt. Auf glatten Oberflächen kann das Virus einige Stunden überstehen. Das heißt aber nicht, dass man im Falle einer Epidemie nichts mehr anfassen darf. Eine gesunde Haut schützt uns zuverlässig vor Eindringlingen.

Noch eine Eigenschaft bremst die Verbreitung des Virus: Man findet es nicht im Schweiß von Infizierten – zumindest nicht, solange sie noch mobil sind. Ohne eine blutende Wunde können sie alles anfassen, ohne zum Risiko für andere zu werden. Ansteckend wird die Krankheit erst, wenn es dem Patienten richtig schlecht geht, also die Krankheit schon fortgeschritten ist. Vorher lässt sich das Ebola-Virus in den Körperflüssigkeiten kaum nachweisen. Ebola hat eigentlich eine geringe Ansteckungsrate, nur ca. 1,5 Neuinfizierte pro Erkranktem. Masern und Grippe sind acht- bis zehnmal ansteckender. Trotzdem kein Grund, sich zurückzulehnen. Afrika erlebt gerade die schlimmste Epidemie seit der Entdeckung des Ebola-Virus.

Der aktuelle Ausbruch

In den Ländern Zentralafrikas kennt man Ebola-Ausbrüche seit Jahrzehnten. In Westafrika hatte es dagegen bisher noch nie einen Ebola-Ausbruch gegeben. Die Menschen hielten Ebola daher zunächst für ein Gerücht. Immer wieder stießen die Seuchenteams bei ihrer Arbeit auf Widerstand. Die Menschen wollen ihre Riten beibehalten, ihre Toten in gewohntem Ritual beerdigen. Doch die Verabschiedung von den Toten, bei dem die Angehörigen die Leiche waschen und berühren, begünstigt die Verbreitung des Virus.

Ein weiterer Grund für die verheerende Ausbreitung der Seuche ist die räumliche Lage. Frühere Ausbrüche haben in dünn besiedelten, tief im Urwald abgeschieden gelegenen Dörfern stattgefunden. Die Hütten waren häufig nur per Boot zu erreichen. Ganz anders dieses Mal. Die Grenzregion zwischen Guinea, Sierra Leone und Nigeria ist ein Umschlagsort für die Waren der drei Länder. Von hier führen Straßen in die Hauptstädte, allen voran Monrovia. Die Millionenstadt, in der es nur sechs Krankenfahrzeuge gibt, war schnell überfordert mit der Epidemie.

Wo versteckt sich die Seuche zwischen den Ausbrüchen?

Jägr mit erlegtem Affen in Dschungel
Affen als Beute sind ein Lotterie-Spiel für den Jäger.

Forscher suchen nach dem Virus in den Tiefen des Dschungels. Denn jeder Ausbruch beginnt hier. Was die Bewohner des Urwalds von den Menschen in größeren Siedlungen unterscheidet, ist zuallererst ihr Speiseplan. Affen gelten als Delikatesse. Doch kein Tier teilt so viele tödliche Krankheiten mit dem Menschen wie die Affen. Tausende von ihnen verenden jedes Jahr im Dschungel an Viren, die auch für Menschen gefährlich sind: Lassafieber, Gelbfieber, HIV und – Ebola. Das Problem dabei ist, dass die gefundenen Affen nicht entsorgt, sondern auf den Marktplätzen der Dörfer gehandelt werden. Doch außer den Jägern und Schlachtern droht kaum jemandem Gefahr. Mangels Kühlmöglichkeiten erreicht das Buschfleisch den Markt überwiegend geräuchert oder gekocht. Die meisten Keime sind dadurch abgetötet.

Das wahre Versteck des Virus verbirgt sich an einem ganz anderen Ort. Flughunde stehen schon länger im Verdacht, als Wirt für das Ebola-Virus zu dienen. Sie wandern weite Strecken über den afrikanischen Kontinent. Das erklärt das überraschende Auftauchen des Virus an neuen Orten. Flughunde leben in dichten Kolonien. Einerseits haben Viren dort ein leichtes Spiel bei der Verbreitung. Andererseits verursacht Ebola bei ihnen kaum Symptome. Der Sprung auf Affen erfolgt meist durch schwer erreichbare Früchte, die von den Flughunden nur ausgelutscht werden. An den Resten klebt noch Speichel. Darüber nehmen die Affen den Virenmix der Fledertiere auf. Dass die Jäger nicht viel häufiger an Ebola erkranken, hat einen einfachen Grund. Unter Millionen Wildtieren ist das Virus immer noch selten. Doch es macht frisches Buschfleisch zu einer tödlichen Lotterie.

Therapie und Impfung

Untersuchungen mit Tabakpflanze im Labor
Die große Hoffnung: Impfstoff aus Tabakpflanzen

Bereits 1995 erprobte man in Zaire eine Therapie gegen Ebola. Einer Infizierten wurde mittels Bluttransfusion das Plasma eines geheilten Patienten verabreicht. Der Plan der Ärzte: Die Antikörper sollten im Körper der Empfängerin gleichfalls gegen Ebola wirken. Die Patientin wurde tatsächlich geheilt. Ausgehend von solchen Erfolgen hat man sich auf die Suche nach einer ergiebigen Quelle zur Herstellung von Antikörpern begeben. Fündig wurde man bei Tabakpflanzen. Tabak lässt sich gut manipulieren, und die Pflanze kann in ihrem Stoffwechsel menschliche Antikörper herstellen. Es ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer quantitativ nennenswerten Herstellung eines wirksamen Medikaments.

ZMapp heißt die experimentelle Arznei, die in den letzten Wochen gegen Ebola zum Einsatz kam, bisher aber nur in kleinen Mengen zur Verfügung stand. Passend manipulierte Tabakpflanzen produzieren in ihren Zellen drei verschiedene Antikörper. Sie sollen einmal genau jene Andockstellen blockieren, die das Virus nutzt, um in die Wirtszellen einzudringen. Funktioniert es, ist ihm der Weg zur Vermehrung versperrt. Ob das Medikament zuverlässig wirkt, kann man noch nicht sagen. Die Fallzahlen sind noch zu klein. Doch die Wissenschaft setzt große Hoffnungen in das Produkt aus der Tabakpflanze – und auch anderweitig werden ähnliche Wirkstoffe erprobt, beispielsweise in Russland und China.

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