Endlager Ozean

Wie viel Plastik können die Meere noch schlucken?

Wir leben in einer Welt voller Plastik: Die extreme Haltbarkeit von Kunststoffen, die wir als positive Eigenschaft des Materials sehr schätzen, entpuppt sich bei der Entsorgung als Fluch. Plastikmüll, der nicht verbrannt oder recycelt wird, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später in den Ozeanen. Welche Folgen das auf Dauer haben kann, ist noch nicht abzuschätzen.

Grausames Vogelsterben

Der Großteil des Abfalls im Meer stammt vom Festland, der Rest von Schiffen und Plattformen im Meer. In der Bucht von Long Beach in Kalifornien versucht man mit Hilfe von schwimmenden Barrikaden, die Müllflut aufzuhalten, bevor sie das Meer erreicht. Bei der Größe der weltweiten Plastiklawine ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Plastikmüll im Meer ist nicht nur hässlich, sondern er bedroht auch massiv die Tierwelt. Die Midway-Inseln im Pazifik, auf halbem Weg zwischen Kalifornien und Japan, dienen Hunderttausenden von Seevögeln als Brutstätte, darunter auch Albatrosse. Auf den ersten Blick scheint es ein Paradies für Vögel. Aber gerade auf Midway machen Wissenschaftler einen grausigen Fund: ein verendeter Albatros mit jeder Menge Plastik im Magen.

Forscher untersuchen auf dem Midway-Atoll daraufhin Tausende junger Albatrosse und finden heraus, dass alle von den Eltern mit Abfall gefüttert wurden. Das Problem ist, dass die Küken, bevor sie flügge werden, Nahrung nicht wieder herauswürgen können. Die "Plastiknahrung" ist unverdaulich und lässt im Magen der Tiere dann wenig Platz für andere Nahrung. Zudem decken die Tiere normalerweise ihren Flüssigkeitsbedarf über die Nahrungsaufnahme. Die Todesursache ist deshalb meist Verdursten, oft Mangelernährung und manchmal auch innere Verletzungen. Die Überlebenschancen der Jungtiere sinkt durch das Verschlucken von Plastik um etwa sechs Prozent.

Futtersuche der Albatrosse

Aber warum fressen Albatrosse das unverdauliche Material? Auf der Suche nach einer Antwort beobachten Wissenschaftler die Tiere bei ihren Jagdzügen. Albatrosse sind ausdauernd. Sie fliegen tagelang über das Meer und jagen im Flug normalerweise Fische oder Krebse. Dabei zieht sie alles an, was an der Wasseroberfläche aufblitzt, auch Plastikmüll. Das vermeintliche Futter gelangt so auch zu den Jungtieren.

Vorsichtig fangen die Forscher mehrere Albatrosse und versehen sie mit einem Sender. Mit dessen Hilfe können sie später die Flugroute der Vögel verfolgen. Tatsächlich überfliegen 70 Prozent mit Sender versehen die Albatrosse ausgerechnet ein Meeresgebiet, in dem besonders viel Plastikmüll gefunden wurde - den sogenannten Nordpazifischen Müllstrudel.

Meeresforschung in Sachen Müll

Weltweit gibt es vermutlich fünf große Müllstrudel, in denen sich Plastik sammelt. Schwache Winde und stabile Strömungen sorgen dafür, dass Müll unaufhörlich ins Zentrum der Wirbel befördert wird. Für wie viel Kunststoff ist das Meer schon heute "Endlager"? Um das herauszufinden, durchkämmen Forscher den Nordpazifischen Müllstrudel nach Plastikteilen.

Sie ziehen ein feinmaschiges Netz hinter dem Boot her. Normalerweise sammeln sie damit Plankton, jene Kleinstlebewesen, die für die Ernährung der Meeresbewohner eine entscheidende Rolle spielen. Das Ergebnis: Im Netz landet zwar eine Menge Plankton - doch noch deutlich mehr Plastik. Wenn man das Gewicht betrachtet, schwimmt hier sechs Mal mehr Kunststoff als Plankton. Der Kunststoff-Müll wird zu einer unkontrollierbaren Zeitbombe. Denn wenn er spröde wird und zerbröselt, kann er giftige Zusatzstoffe freisetzen.

Ein Magnet für Umweltgifte

Ein japanisches Forscherteam suchte die Strände in der Nähe von Tokio ab und sammelte angeschwemmtes Plastik. Außerdem riefen die Wissenschaftler in einer internationalen Aktion Freiwillige dazu auf, überall auf der Welt solche Kunststoffteilchen an Stränden zu sammeln und ihnen zuzuschicken. Die Analyse im Labor brachte Alarmierendes zutage: Mit Hilfe hochempfindlicher Analysegeräte wiesen die Forscher auf der Oberfläche der Plastikteile überraschend hohe Schadstoffkonzentrationen nach. Sie fanden das Pflanzenschutzmittel DDT und auch das Umweltgift PCB.

Das Beunruhigende dabei: Die Schadstoffkonzentration war auf der Plastikoberfläche bis zu eine Million Mal höher als im Meerwasser. Der Müll scheint Umweltgifte regelrecht anzuziehen. Die "Giftpillen" werden für die Tiere so zu einer doppelten Gefahr. In der Folge können sich die Umweltgifte auch in der Nahrungskette anreichern und auf diesem Weg auch irgendwann auf unseren Tisch gelangen.

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