Endzeitstimmung im Ölgeschäft?

Der Kampf um die letzten Reserven

Es ist ja nichts Neues, dass Erdöl nicht unendlich verfügbar ist. Spätestens mit den rapide ansteigenden Benzinpreisen ist diese Tatsache wieder in unser aller Bewusstsein gerückt. Eine Welt ohne Erdöl kann man sich kaum vorstellen. Und dabei geht es nicht nur um das Wohlergehen des Einzelnen, die ganze Weltwirtschaft hängt von der Verfügbarkeit des kostbaren Rohstoffs ab.

Ein Arbeiter zapft Rohöl in Glasflasche.

Weltwirtschaftskrise, Hungersnöte und Kriege um die letzten Ölreserven prognostizieren pessimistische Stimmen für das Finale des Öl-Zeitalters. Und wie weit sind wir davon noch entfernt? Wie lange reicht das "schwarze Gold" noch? In der Branche ist die Hölle los. Förderländer, Ölkonzerne und ihre Dienstleister arbeiten mit Hochdruck daran, neue Vorkommen zu entdecken und alte effizienter auszubeuten.

Preissteigerungen gelten als Alarmsignal

Ölpumpe Quelle: Getty


Erdöl deckt derzeit etwa ein Drittel des globalen Primärenenergiebedarfs. Die mobile Gesellschaft hängt am "Öl-Tropf". Immer mehr Menschen reisen rund um den Globus. Waren kommen aus aller Welt zu uns. Immer mehr Autos sind auf den Straßen unterwegs. Die Preissteigerungen für Benzin und Diesel sind ein Alarmsignal: Mobilität könnte bald zum Luxus werden. Innerhalb der vergangenen vier Jahre hat sich der Preis für Erdöl fast vervierfacht.

Aber auch als Rohstoff ist Erdöl unverzichtbar: Es ist in Kunststoffen, Pflanzenschutzmitteln und Medikamenten. Auch Kosmetikartikel wie Shampoo, Cremes und Lippenstifte bestehen zu einem großen Teil aus Erdöl. Jeder Bundesbürger verbraucht so durchschnittlich etwa fünf Liter Erdöl pro Tag. Der Jahresverbrauch von Deutschland füllt einen Öltank von einem Quadratkilometer Grundfläche und einer Höhe von rund 14 Kilometern.

Deutschland hängt am Tropf

Bohrinsel, Rohstoffe Quelle: ZDF


Die bedeutendsten Erdölfördergebiete Westeuropas liegen in Norwegen und Großbritannien. Große Lagerstätten gibt es in Nord- und Lateinamerika und auch in Afrika. Die weltweit wichtigsten Förderländer sind allerdings die Golfstaaten und Russland. Deutschlands Hauptbezugsquellen sind Russland, Großbritannien und Norwegen. 97 Prozent des Bedarfs müssen auf dem Weltmarkt eingekauft werden, nur drei Prozent kommen aus dem eigenen Land.

Das soll sich ändern: Mit großem Aufwand wollen Wissenschaftler einheimische Ölvorkommen erschließen. Aktuell entstehen in Bayern neue Förderanlagen, die sich bei dem hohen Ölpreis durchaus rechnen. Aber die Vorkommen sind verhältnismäßig gering. Die Abhängigkeit von Importen wird dadurch kaum gemindert.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Bereits in den 1970er-Jahren hatten Experten ein baldiges Ende des Ölzeitalters vorhergesagt. Der "autofreie Sonntag" sollte aus der Krise helfen. Dank neuer Techniken ließ sich die drohende Entwicklung erst einmal abwenden. Denn während vor 30 Jahren die Bohrer nur 200 Meter tief in den Meeresgrund vorstoßen konnten, erschließen die Ölgesellschaften heute Vorkommen in bis zu 4000 Metern Tiefe.

Um die Ausbeute weiter zu steigern, arbeiten Ölfirmen mit ausgeklügelten Tricks. Sie pressen Wasser, heißen Dampf oder Lösungsmittel in den Boden. Durch den Druck gelingt es, mehr Öl aus dem Gestein zu fördern als früher. Und neu entwickelte Bohrsysteme dringen nicht mehr nur senkrecht in die Erde. Der Bohrkopf kann sich wie eine Schlange durch den Meeresboden vorarbeiten. So können die Lagerstätten immer effektiver ausgebeutet werden. Der wachsende technische Aufwand macht den Rohstoff allerdings auch teurer.

Wettbewerb wird härter


Die Situation heute ist nicht vergleichbar mit der in den 1970ern. Zum einen pressen die Ölfirmen schon jetzt nahezu den letzten Tropfen aus den bekannten Lagerstätten. Zum anderen war die Nachfrage nach Öl noch nie so groß wie heute. Unberührte Ölfelder finden sich voraussichtlich nur noch in der Arktis und in einigen Tiefseegebieten. Selbst wenn es gelingt, auch diese Quellen anzuzapfen, ist das Ende des Ölzeitalters in Sicht. Eine alarmierende Botschaft.

Vor allem im Wirtschaftswunderland China ist der Ölverbrauch regelrecht explodiert. Zwar verbraucht heute jeder Chinese nur ein Fünftel so viel Öl wie ein Westeuropäer. Die Tendenz ist allerdings steil ansteigend. China ist, wie Deutschland, in hohem Maße auf Importe aus den bekannten Förderregionen angewiesen. Der Wettbewerb auf dem Weltmarkt wird härter. Die Vorkommen werden sich unter dem Durst der stetig wachsenden Weltwirtschaft schon bald erschöpfen. Was in Jahrmillionen entstand, ist dann unwiederbringlich aufgebraucht. 160.000 Liter Erdöl werden weltweit in jeder Sekunde verbrannt, lösen sich in Rauch auf. Wie lange kann das noch gut gehen?

Bis zum letzten Tropfen

Neue Fördertechniken können den kritischen Zeitpunkt hinauszögern. Verhindern können sie ihn nicht. Selbst optimistische Berechnungen gehen davon aus, dass das Fördermaximum bereits 2010 erreicht sein kann. Erdöl wird für besondere Anwendungen, wie etwa in der Pharmaindustrie, auch in den nächsten Jahrzehnten noch verfügbar sein. Billigen Treibstoff, der uns Mobilität zu günstigen Preisen sichert, wird es in Zukunft aber nicht mehr geben.

Abbau Ölsand Alberta

Weltweit wird nach Auswegen aus der Misere gesucht. Dabei macht man selbst vor unberührten Gebieten nicht Halt. In der kanadischen Provinz Alberta lagern gewaltige Vorkommen von Ölsänden. Eine zähe Masse aus Sand, Ton und Bitumen liegt hier an der Oberfläche. Daraus Öl zu gewinnen, ist aufwendig und teuer. Zudem verbrauchen die Prozesse zur Verarbeitung des klebrigen Breis ungeheure Mengen an Wasser und Energie. Trotz der geringen Ausbeute macht der hohe Ölpreis den Abbau zu einem lukrativen Geschäft. Die geschundenen Gebiete in Alberta sind heute flächenmäßig bereits so groß wie Griechenland. Die Umweltzerstörung ist gewaltig.

Die Bemühungen, mit allen technischen Tricks auch den letzten Tropfen aus der Erde zu pressen, erscheint wie die Behandlung eines Symptoms. Das Problem an sich kann es nicht lösen. Brauchen wir eine technische Revolution, um die Versorgung langfristig zu sichern?

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