Eroberer der Hölle

Leben in der Wüste

Etwa ein Drittel der Landfläche auf der Erde ist von Wüsten und Halbwüsten bedeckt, und diese Gebiete breiten sich immer weiter aus. Die extremen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und ein Minimum an verfügbarem Wasser fordern von den Wüstenbewohnern ein Höchstmaß an Anpassung, um unter diesen unbarmherzigen Lebensbedingungen bestehen zu können.

Dünenfelder in der Sahara.
Dünenfelder in der Sahara. Quelle: ZDF

Ob in der afrikanischen Sahara, im Death Valley in den USA oder in der Wüste Negev in Israel, die beherrschende Konstante in all diesen unterschiedlichen Regionen ist der Kampf um das überlebensnotwendige Wasser. Harald Lesch geht mit "Abenteuer Forschung" auf Entdeckungsreise in verschiedenen Kontinenten, von Wüste zu Wüste, und zeigt die Besonderheiten dieser extremen Lebenswelten auf.

Vielfalt in der Ödnis

Lizzard in der Wüste.
Lizard Text 3 Quelle: ZDF


Die Namib ist eine der ältesten und trockensten Wüsten der Welt. Sie erstreckt sich etwa 2000 Kilometer entlang der Atlantikküste Afrikas. Die besonderen klimatischen Bedingungen sorgen dafür, dass es trotz der Nähe des Meeres so gut wie nie regnet. Die sengende Sonne erhitzt den Sand der Namib auf bis zu 70 Grad Celsius. Dennoch gibt es in der endlosen Dünenlandschaft erstaunlich vielfältiges Leben.

Nicht nur Insekten, auch Schlangen und Eidechsen haben diese heiße Hölle erobert, dank überraschender, manchmal auch kurios wirkender Strategien. Und selbst Elefanten durchwandern die Dünen. Sie setzen ihren Rüssel als "Sensor" ein, um damit Wasser unter dem Wüstensand in bis zu zwei Metern Tiefe aufzuspüren. Die Suche nach dem Ursprung des verborgenen Lebenselixiers führt auf die Spur von faszinierendem Leben in der Wüste.

Bedrohte Wüstenstädte

Springbrunnen Las Vegas Text 2 Quelle: ZDF


Auch Menschen trotzen seit Jahrtausenden den extremen Bedingungen in Wüsten. Alte Handelswege führen durch höllisch heiße Landschaften, und glitzernde Großstädte entstehen inmitten lebensfeindlicher Wüsten. Ausgeklügelte Strategien, um mit den extremen Bedingungen zurechtzukommen, und ein gigantischer technischer Aufwand machen es möglich. Doch die Eroberung der Wüsten stößt an Grenzen. Der Raubbau an den wertvollen Wasserressourcen lässt heute schon erahnen, dass es in einigen Jahrzehnten vorbei sein könnte mit dem pulsierenden Leben in manchen Wüstenstädten.

Die Millionenstadt Las Vegas liegt inmitten einer ausgedehnten Wüstenlandschaft und ist abhängig vom Wasser des Colorado. Doch der Fluss, der einst den grandiosen Grand Canyon aus dem Gestein grub, droht zu versiegen. Die Pläne, die Las Vegas ein Überleben sichern sollen, stoßen auf heftige Widerstände. Farmer fürchten um ihre Existenz: Man plant, das Wasser abzugraben, das heute noch ihre Weiden versorgt.

Wasservorkommen in der Sahara

Grafic des Trinkwasserleitungsnetz "Great-Man-Made-River-Projekt".
Karte Trinkwassernetz Text 4 Quelle: ZDF


In der libyschen Sahara stieß man bei der Erdölsuche auf gigantische unterirdische Wasservorkommen: für Libyen, ein Land, das zu 95 Prozent aus Wüste besteht und in dem keine Flüsse dauerhaft fließen, ein wertvoller Schatz. Mithilfe des größten Kanalsystems der Welt wird das Wüstenwasser über Tausende Kilometer zu den Küstenregionen geleitet.

Auf der Suche nach dem Ursprung des Wassers stößt man auf die märchenhafte ferne Vergangenheit der Sahara. Vor Tausenden von Jahren lebten hier Krokodile und Nilpferde. Der Niederschlag jener Zeit ist die Quelle des unverhofften Reichtums dieser Tage. Doch die Vorräte sind begrenzt. Wie lange werden die kostbaren Reserven den wachsenden Bedarf befriedigen können? Forscher rechnen, dass es kaum länger als 50 Jahre reichen wird. Und dann?

Verteilungskampf am Jordan

Wasserverteilung Quelle: ZDF


Die Gefahr, dass Wasser zum Anlass für politische Konflikte wird, wächst. Schon heute ist die Situation im Nahen Osten entlang des Jordans brisant. Bevölkerungswachstum und steigender Verbrauch lassen erahnen, dass der Verteilungskampf in der Region an Schärfe zunehmen wird.

Israel wie Jordanien sind vom Jordanwasser abhängig. In Israel gibt es inzwischen Forschungsprojekte, die einen effizienteren Umgang mit Wasser zum Ziel haben. Außerdem setzt man zunehmend auf Meerwasserentsalzung, um Trinkwasser zu gewinnen. Dies ist allerdings ein energieaufwendiges Verfahren.

Energie aus der Wüste

Spiegel des Solarkraftwerk Andasol.
Parabolrinnen Text 6 Quelle: ZDF


Sonnenstrom könnte künftig eine Lösung bieten. Das Ziel deutscher Forscher und Firmen ist es, Strom aus der Wüste zu gewinnen. Sie wollen dort die Kraft der Sonne nutzen, um unsere Energieversorgung zu sichern und gleichzeitig den Ausstoß von Treibhausgasen zu vermindern. Mit der Energie der Sonne ließe sich auf nur zwei Prozent der Sahara genügend Strom produzieren, um den Bedarf der ganzen Welt zu decken.

Und das größte Problem eines solchen Unterfangens scheint inzwischen gelöst: Ein besonderes Verfahren ermöglicht den Transport des Stroms aus der Wüste über weite Strecken, auch nach Deutschland. Berechnungen zufolge würden auf der 3000 Kilometer langen Trasse nur zehn Prozent der Strommenge verloren gehen. Die Eroberung der Wüste könnte so eine ganz neue Qualität gewinnen.

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