Ersehnte Hilfe gegen die Ölpest

Nach dem Vorbild der Natur

Immer wieder lösen Ölunfälle weltweit Empörung aus und es drängt sich die Frage auf, ob sich die Natur davon je wieder erholen kann. Doch in den Ozeanen gibt es auch natürliche Austritte von Erdöl. Hier suchen Forscher nach bislang unbekannten Organismen, die Erdöl abbauen können.

Ziel ist es, die "Selbstheilungskräfte" der Natur zu nutzen, um sie bei einer Katastrophe einsetzen zu können. Erste Erfolge im Labor gibt es bereits, doch können die Methoden auch im offenen Meer angewandt werden?

Gezielter Einsatz von Bakterien

Im Golf von Mexiko quillt aus Spalten im Meeresboden Erdöl hervor, das zäh wird und sich als Asphalt absetzt. Ein Asphaltvulkan entsteht. Bartwürmer, Muscheln und Krebse bevölkern diesen Asphalt sowie jede Menge Bakterien, die vom Erdöl leben und es abbauen. Um sich zu vermehren, brauchen sie Mineralsalze. Doch die sind im Meerwasser Mangelware. Was, wenn man nun das Wasser mit Mineralsalzen düngte und sich die Bakterien wunschgemäß vermehren ließen? Könnte man so die Ölpest im Golf von Mexiko bekämpfen?

Die Idee ist verführerisch, birgt jedoch eine Gefahr: Dünger sinkt ab und fördert die Vermehrung "erdölfressender" Bakterien in der Tiefe. Doch die Bakterien verbrauchen Sauerstoff. Der ohnehin schon herrschende Sauerstoffmangel in weiten Bereichen der Tiefsee würde noch verstärkt. Es könnten Bereiche entstehen, in denen kein Leben mehr möglich ist, sogenannte Todeszonen. Eine großflächige Düngung birgt daher ein zu hohes Risiko und kommt deshalb nicht infrage.

Tröpfchen für Tröpfchen

Bei der Katastrophe im Golf von Mexiko setzte der Ölkonzern BP unter anderem Chemikalien ein, die das Öl in kleine Tröpfchen zerteilen, um damit den natürlichen Abbauprozess zu unterstützen. Doch auch das förderte den Sauerstoffmangel in der Tiefe, befürchten Wissenschaftler. Ein internationales Forscherteam verfolgt eine andere Strategie: Dabei kommt ein Bindemittel zu Einsatz, ein spezieller Kunststoff, der das Erdöl bindet und es an der Wasseroberfläche hält. Nur in unmittelbarer Nähe des Bindemittels wird ein Mineraldünger eingesetzt. Bakterien beginnen, die Öltröpfchen abzubauen. Dank des Düngers vermehren sie sich rasch. Die Mikroorganismen verbrauchen zwar auch Sauerstoff, doch der wird nahe der Wasseroberfläche durch Sauerstoff aus der Luft ersetzt.

Erste Versuche im Labor sind vielversprechend, doch noch bereitet der gezielte Einsatz des Düngers Schwierigkeiten. Außerdem müsste man im Golf von Mexiko enorme Mengen bindenden Kunststoff und Dünger ausbringen. Es wäre ein gigantisches Freilandexperiment mit ungewissem Ausgang. Ohne technische Hilfe wird der Abbau Jahrzehnte, in der Tiefe Jahrhunderte dauern, schätzen Forscher.

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