Feuer aus der Tiefe

Im Griff der Höllenmaschine

Betrachtet man unseren Planeten aus dem Weltall, so erscheint er ruhig und friedlich. Doch der Schein trügt. Fast jede Sekunde wird unser Planet von Erschütterungen heimgesucht. Täglich ereignen sich weltweit durchschnittlich bis zu 50 größere Erdbeben und zwölf verheerende Vulkanausbrüche. Doch ohne das Feuer aus der Tiefe wäre auf unserem Planeten womöglich nie die Vielfalt des Lebens entstanden.

Harald Lesch begibt sich auf eine Reise in das Innere der Erde bis zum glühenden Mittelpunkt, dem Erdkern in fast 6000 Kilometern Tiefe. Er erforscht das Rätsel der zügellosen Kräfte, die unter uns walten und die Erdkruste immer wieder zum Bersten bringen. Eine tickende Zeitbombe.

Urkräfte zerren an moderner Technik

Erdkugel mit Erdplatten
Die Kontinentalplatten sind in ständiger Bewegung.

Im pazifischen Ozean vor Taiwan verläuft die Trasse des weltweit längsten Nachrichtenkabels: 39.000 Kilometer Leitungswege, die Ostasien mit Europa verbinden. Bei einem Seebeben im Jahr 2006 wurde ein Glasfaserkabel durchtrennt. Der Datenverkehr in Teilen Asiens wurde massiv gestört – eine wirtschaftliche Katastrophe mit weltweiten Auswirkungen.

Niemand weiß, wann die nächste Katastrophe naht, denn die Gefahr von Seebeben ist gerade hier besonders hoch. Drei Erdplatten treffen in dieser Region aufeinander: die Pazifische, die Philippinische und die Eurasische. Entlang der Spalten wirken im Meeresboden enorme Kräfte. Erdplatten tauchen ab, gleiten aneinander vorbei, verhaken sich, um sich ruckartig wieder voneinander zu lösen. Selbst wenn es nicht überall zu spüren ist: Die Oberfläche unseres Planeten ist in ständiger Bewegung. Erdbeben, Vulkaneruptionen und Tsunamis sind die zerstörerischen Boten der Kräfte aus der Tiefe.

Fenster in die Tiefe

Lavasee Nyriagongo
Der Lavasee des Nyriagongo - eine Herausforderung für die Vulkanologen.

Wenn die Erde sich öffnet und glühende Lava ausspeit, haben Forscher eine Chance, den Vorgängen in der Tiefe einen Schritt näher zu kommen. Das geschmolzene Gestein und die aufsteigenden Gase verraten etwas über die Beschaffenheit des Erdinneren, von wo immer wieder neue Minerale nach oben gefördert werden.

In der Demokratischen Republik Kongo liegt einer der gefährlichsten Vulkane der Welt, der Mount Nyriagongo. In seinem Krater kocht ein riesiger Lavasee. Für Wissenschaftler ein geeignetes Forschungsobjekt, um an Lavaproben zu gelangen, an das flüssige Gestein aus der Tiefe. Die Wissenschaftler riskieren Kopf und Kragen bei ihrer Expedition zum brodelnden Kratersee des Nyriagongo. Sie erhoffen sich aus der Analyse der Lava, neue Erkenntnisse über das Innere der Erde zu gewinnen.

Geheimnis des Lebens

Versuch mit Karetschildkröte
Wie kann sich die Karetschildkröte orientieren?

Der Kern unseres Planeten schützt das Leben auf der Erde wie von Geisterhand: Das glühende Zentrum der Erde, der Erdkern, treibt alle sichtbaren und unsichtbaren Prozesse auf unserem Planeten an. Der Erdkern besteht aus einem inneren festen Kern, umschlossen von  einem äußeren flüssigen Schicht. Angetrieben von Hitzeunterschieden und der Rotation der Erde, verwirbeln dort Wellen aus heißen Metallen. Dadurch entstehen elektrische Ströme und mit ihnen das Magnetfeld der Erde. Das Erdmagnetfeld ist ein gigantischer Schild, der unseren blauen Planeten vor den geladenen Teilchen des sogenannten Sonnenwinds schützt.

Das Erdmagnetfeld beeinflusst manche Lebewesen auf erstaunliche Weise. Es dient beispielsweise der unechten Karettschildkröte als Wegweiser zur Orientierung auf langen Reisen. Sie macht sich als Jungtier von der amerikanischen Ostküste aus auf eine weite Reise durch den Nordatlantik. Erst viele Jahre und Tausende Kilometer später kehrt sie an den Strand zurück, an dem sie geschlüpft war. Ein rätselhaftes Phänomen, dem Forscher auf die Spur kommen wollen.

Maschine des Lebens

Taucher
Island verfügt über eine fasinierende Unterwasserlandschaft.

Island ist die größte Vulkaninsel der Welt. 30 aktive Vulkane heizen den Untergrund auf. Es gibt nur wenige Orte auf unserem Planeten, an denen man dem Innern der Erde so nah ist. Die Hitze unter dem Inselstaat birgt ein gigantisches Potential für seine Einwohner: 70 Prozent ihres Energiebedarfs decken sie mit der Wärmequelle unter ihren Füßen. Der gesamte Strom wird durch Wasserkraft und Erdwärme produziert.

Die besondere Lage ist der Schlüssel: Die Insel ist Teil des mittelatlantischen Rückens, der hier aus dem Ozean ragt. In mehreren tausend Meter Tiefe erstreckt sich eine faszinierende Tiefseelandschaft mit Feldern von hydrothermalen Quellen,  sogenannten „Schwarzen Rauchern“. Die Ablagerungen um die Rauchschlote sind reich an metallischen Erzen. Begehrte Rohstoffe, deren Abbau allerdings in der Tiefsee außerordentlich aufwändig ist. Doch die Glut aus der Tiefe hat schon viele begehrte Stoffe dorthin befördert, wo sie leichter zugänglich sind. Vulkane fördern uns Minerale und Stoffe, die wir zum Leben brauchen in erreichbare Nähe.

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