Genuss ohne Reue

Zucker: geliebt, gehasst und ersetzt

Zucker stand nicht immer auf unserem Speiseplan. Könige und Fürsten des Mittelalters bewahrten ihn noch als kostbare Delikatesse in verschlossenen Silberdöschen. Heute ist Zucker ein Grundnahrungsmittel, das im Überfluss vorhanden ist und auch im Überfluss verzehrt wird. Jeder Deutsche nimmt durchschnittlich 34 Kilogramm Zucker im Jahr zu sich.

Verschiedne Zuckersorten Quelle: ZDF

Dabei macht er nicht nur die Zähne kaputt, sondern auch dick, süchtig und krank. Warum liebt der Mensch trotzdem Süßes? Es gibt verschiedene Geschmackszonen auf der Zunge, darunter salzig, bitter, sauer und süß. Der Geschmackssinn "süß" am Zungenrand diente unseren Vorfahren eigentlich dazu, Früchte zu testen, ob sie reif und damit genießbar sind.

Ersatzstoffe für Zucker

Doch was passiert im Körper, wenn wir zum Beispiel mit Zucker gesüßte Getränke zu uns nehmen? Die Zuckermoleküle gelangen in die Blutbahn. In der Bauchspeicheldrüse wird daraufhin das Hormon Insulin gebildet. Das Insulin dockt an Körperzellen an und fungiert als eine Art Schlupfloch für die Zuckermoleküle. Daraufhin wird in der Zelle Energie freigesetzt.

Das Problem dabei ist, dass Zucker viele Kalorien enthält. Bei übermäßigem Konsum machen sie dick. Häufig nehmen wir mehr Zucker als nötig und damit mehr Kalorien als nötig zu uns. So beginnt die Suche nach Ersatzstoffen. Schließlich wollen wir nach Herzenslust den süßen Geschmack auskosten.

Fruchtzucker contra Zucker

Fruchtzucker dagegen hat ein gutes Image. Er scheint gesünder zu sein und damit weniger dick zu machen. Aber ist er wirklich eine bessere Alternative? Ein Test mit Mäusen soll diese Frage klären. Ernährungsexperten füttern eine Gruppe von Mäusen mit einer Zuckerlösung, während eine andere Gruppe eine Lösung mit Fruchtzucker bekommt. Das überraschende Ergebnis des Versuchs ist, dass die Mäuse, die die Fruchtzuckerlösung bekommen haben, dicker werden. Die Mäuse, die mit normalem Zucker gefüttert wurden, dagegen normal bleiben.

Maus Text 2 Quelle: ZDF

Die Forscher vermuten, dass die Fruchtzuckermäuse ihren Energieverbrauch reduziert haben Der Stoffwechsel wird so beeinflusst, dass sich vermehrt Fett ins Gewebe der Tiere eingelagert. Die Frage, ob dieser Versuch auf den Menschen zu übertragen ist, ist noch offen. Fest steht aber, Fruchtzucker löst kein Sättigungsgefühl aus und hat dazu auch noch dieselbe Kalorienanzahl wie normaler Zucker.

Die Wirkung von Süßstoff

Ein weiterer Forschungsansatz, kalorienreichen Zucker zu ersetzen, sind künstlich erzeugte Ersatzstoffe wie beispielsweise Süßstoff. Doch kann Süßstoff die Lösung sein? Immerhin enthält Süßstoff im Vergleich zu Fruchtzucker keine Kalorien. Forscher der Universität Wisconsin in den USA haben Ratten mit Joghurt gefüttert. Die eine Gruppe erhielt Joghurt mit Süßstoff, die Vergleichsgruppe Joghurt mit Zucker. Obwohl Süßstoff keine Kalorien enthält, wurden die süßstofffressenden Ratten dicker. Bisher ist nicht eindeutig erforscht, ob auch Menschen durch Süßstoff zunehmen.

Klingt unlogisch, doch betrachtet man die Reaktion unseres Körpers auf die Zufuhr von Süßstoff, wird es verständlich: Süßstoff gelangt ebenso wie Zucker in die Blutbahn. Allerdings sorgt Süßstoff nicht dafür, dass die Bauspeicheldrüse Insulin produziert. Die Süßstoffmoleküle können somit nicht in die Zellen gelangen und setzen keine Energie frei. Süßstoff scheint also nicht der geeignete Ersatzstoff für Zucker zu sein. Aber der Mensch liebt Süßes und ist immer weiter auf der Suche nach dem süßen Genuss - möglichst ohne Nebenwirkungen.

Wunderpflanze auf dem Vormarsch

Stevia Text 2 Quelle: ZDF


Eine Pflanze könnte der Ersatz für Zucker werden: Stevia. In Japan und anderen Nicht-EU-Ländern findet diese unscheinbare Pflanze aus Südamerika schon seit Jahren eine breite Verwendung. Stevia kommt im Gegensatz zum Süßstoff nicht aus dem Labor, sondern aus der Natur. Stevia ist bis zu 300 Mal süßer als herkömmlicher Zucker und enthält im Vergleich kaum Kalorien.

Weltweit gibt es viele Produkte, die mit Stevia gesüßt werden. In Deutschland ist Stevia bereits in Reformhäusern und Kosmetikartikeln zu finden. Als Süßstoff ist es in Deutschland und der EU noch nicht zugelassen, da Stevia unter die Novel-Food-Verordnung fällt und erst geprüft werden muss, ob Stevia für den Konsumenten unbedenklich ist. Vielleicht aber zerplatzt am Ende auch dieser Traum vom Genuss vollkommen ohne Reue.

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