Glücksfall Erde

Wie unser Trabant die Erde beeinflusst

Er verdankt seine Entstehung einer Katastrophe, und doch hat er entscheidend zur Entwicklung des Lebens auf der Erde beigetragen: Ohne den Mond gäbe es auf unserem Planeten ein Klimachaos. Die Entwicklung höherer Lebensformen wäre wahrscheinlich nicht möglich gewesen.

Erde und Mond (Animation) Quelle: ZDF

Verglichen mit anderen Monden in unserem Sonnensystem ist unser Trabant im Verhältnis zu seinem Planeten, der Erde, riesengroß und ihr außerdem sehr nah - ein Glücksfall im Universum. Denn der Mond beeinflusst unseren Planeten in einem Ausmaß, das uns kaum bewusst ist. Ohne ihn wäre die Vielfalt des Lebens, wie wir sie heute vorfinden, nicht denkbar.

Bomben aus dem All

Seine Entstehungsgeschichte war von Katastrophen geprägt. Davon zeugen Millionen Einschlagskrater auf seiner Oberfläche. Auch die Erde wurde häufig von kosmischen Geschossen getroffen. Dass man es ihr kaum mehr ansieht, liegt daran, dass sich ihre Oberfläche durch Verschiebungen in der Erdkruste und Verwitterung ständig umgestaltet hat. Sonst sähe sie wohl ähnlich pockennarbig aus wie der Mond.

Vor 4,5 Milliarden Jahren, als die Erde gerade entstanden war, schlugen immer wieder Meteoriten auf ihr ein. Magma aus dem Erdinneren quoll an die Oberfläche. Die häufigen Einschläge der Geschosse aus dem All sorgten für ein stetiges Anwachsen der Erdmasse. Vor ungefähr 3,8 Milliarden Jahren ließ das Bombardement nach. Heute sind auf der Erde nur etwa 160 Einschlagskrater zu finden.

Meteoritenkrater Arizona Quelle: ZDF

Geburt als Katastrophe

Ein gewaltiger Einschlag vor 4,5 Milliarden Jahren hatte besonders weitreichende Folgen: Ein marsgroßer Himmelskörper auf Kollisionskurs traf den Vorläufer der Erde wie ein Streifschuss. Dabei wurde eine gewaltige Menge Material aus dem Erdmantel herausgeschlagen und zusammen mit Trümmern des Einschlagkörpers ins All geschleudert. Wäre der Körper in einem anderen Winkel oder frontal aufgeprallt, hätte er die Erde wahrscheinlich völlig zerfetzt.

Vermutlich bildeten die Trümmer einen Staubring um die Erde. In ihm stießen Bruchstücke zusammen und verschmolzen zu immer größeren Brocken. Daraus bildete sich innerhalb erstaunlich kurzer Zeit der Mond - so die gängigste Theorie der Wissenschaftler zur Geburt des Mondes. Belege dafür lieferten unter anderem die Apollo-Missionen zwischen 1969 und 1972: Untersuchungen an Gesteinsproben ergaben große chemische Ähnlichkeiten zwischen Mondgestein und irdischem Gestein.

Voraussetzungen für Leben

Vor etwa 2,4 Milliarden Jahren begann sich auf der Erde eine Atmosphäre zu entwickeln, die der heutigen ähnelt. Der Planet besitzt genug Masse und Anziehungskraft, um sie zu halten. Dank ihr kann das Leben später das Land erobern - geschützt vor schädlicher Strahlung und kleinen "Bomben" aus dem All, die als Sternschnuppen verglühen.


Die Frage, ob sich auch auf dem Mars Leben entwickelt haben könnte, lässt Forschern keine Ruhe. Vermutlich besaß unser Nachbarplanet einmal eine dichte Atmosphäre, als seine Vulkane noch Gase ausstießen. Doch sie entwich weitgehend ins All. Im Marsboden haben Roboter inzwischen Wassereis entdeckt. Eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung von Leben ist jedoch flüssiges Wasser. Ob es in der Vergangenheit je flüssiges Wasser auf dem Mars gab, ist bis heute nicht mit Sicherheit zu sagen.

Wie das Wasser auf die Erde kam

Wasser in flüssiger Form ist das Lebenselixier unseres Planeten. Über seine Herkunft sind sich die Wissenschaftler nicht völlig einig. Man weiß, dass Vulkane auf der jungen Erde große Mengen an Lava, Gasen und Wasserdampf freisetzten. Der Wasserdampf reicherte sich in der Atmosphäre an, stieg nach oben und kondensierte. Wolken bildeten sich, die abregneten. Erster Regen fiel auf den noch heißen Untergrund, verdampfte wieder und bildete neue Wolken. Wissenschaftler haben berechnet, dass es rund 40.000 Jahre lang geschüttet haben muss.

Die meisten Forscher glauben jedoch, dass der Wasserdampf aus den Vulkanen nicht ausreichte, um die Ozeane zu füllen. Wahrscheinlicher sei es, dass Wasser aus dem All auf die Erde gebracht wurde, zum Beispiel von Kometen, die aus Staub und Wassereis bestehen. Wissenschaftler vermuten, dass sie für etwa zehn Prozent des irdischen Wassers verantwortlich sind. Der Rest soll - so eine Theorie - von riesigen Planetenvorläufern stammen, die in der Frühzeit der Erde auf ihr einschlugen. Als sich das Wasser allmählich in den Senken auf der Erdoberfläche sammelte, entstand ein Urozean.

Stabilisierung der Erdachse

Der Mond zieht diese Wassermassen an, bewegt sie über die noch heiße Oberfläche und verursacht Ebbe und Flut. Er ist entscheidend daran beteiligt, dass die Erde allmählich lebensfreundlicher wurde, und ohne seinen Einfluss hätte sich die heutige Artenvielfalt kaum entwickelt. Denn die Anziehungskraft des Mondes dämpft die Schwankungen der Erdachse - so wie ein Ausleger das Schwanken eines Schiffes mildert - und stabilisiert sie so.

Durch die beständige Neigung der Erdachse wird - je nach Position der Erde auf ihrem Weg um die Sonne während eines Jahres - einmal die Nordhalbkugel stärker von der Sonne beschienen, einmal die Südhalbkugel. So entstehen in regelmäßiger Abfolge Winter und Sommer auf den beiden Hälften der Erdkugel. Ohne Mond könnte die Erdachse ins Taumeln geraten - mit dramatischen Folgen: Die Sonneneinstrahlung würde extrem schwanken. In Computersimulationen zeigten sich enorme Auswirkungen auf das Klima. Dort, wo sich heute die Tropen ausbreiten, stellten sich polare Temperaturen ein. Wüsten würden im Schnee versinken, an den Polen dagegen könnte es bis zu 80 Grad heiß werden.

Langsamer Abschied

Und noch eine entscheidende Wirkung hat der Mond: Kurz nach seiner Entstehung dauert ein Tag vermutlich nur acht Stunden. Durch seine Anziehungskraft bremst der Mond die Erdrotation ab. Seither werden die Tage stetig länger - heutzutage um 20 Millionstel Sekunden pro Jahr.

Doch die Bremswirkung zwingt den Mond gleichzeitig immer weiter von der Erde weg. Abstandsmessungen belegen, dass sich der Mond fast vier Zentimeter pro Jahr von unserem Planeten entfernt. In ungefähr einer Milliarde Jahre könnte sein Einfluss so schwach sein, dass die Erdachse zu taumeln beginnt. Und in einer noch ferneren Zukunft werden wir uns von unserem treuen Begleiter für immer verabschieden müssen.

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