Grenzen der modernen Kriminalistik

Persönlichkeitsschutz versus Gendatenbank

In der modernen Kriminalistik gilt der genetische Fingerabdruck als wirkungsvollstes Ermittlungswerkzeug. Neueste Erkenntnisse zeigen: Allein, dass eine Person in einem Raum anwesend war, kann durch mikroskopisch kleine Hautschuppen oder Speichelspuren nachgewiesen werden. Und die Forscher sehen noch mehr Möglichkeiten in dieser Methode. Doch wie sicher ist die DNA-Analyse überhaupt und wie weit darf sie gehen?

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine DNA-Spur zu einer anderen Person gehört, beträgt eins zu mehreren Millionen. Und dennoch ist es schon vorgekommen, dass aufgrund einer Gen-Analyse der Falsche verhaftet wurde. Ein Einbrecher raubte in der britischen Kleinstadt Bolton ein Wohnhaus aus und entkam. Die Ermittler fanden DNA-Spuren am Tatort. Beim Vergleich mit den Daten in der landesweiten Datenbank trafen sie auf ein passendes Profil. Der Betreffende war früher einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Die Polizei nahm ihn fest.

Ein seltener Zufall

Doch sie hatten den Falschen verhaftet. Wie konnte das passieren? Üblicherweise werden nur Bereiche der DNA untersucht, die nicht für bestimmte äußerliche Merkmale verantwortlich sind. In diesen Abschnitten unterscheiden sich Menschen besonders deutlich. Man verglich, wie damals üblich, sechs solcher Stellen und stieß in allen auf Übereinstimmungen. Ein seltener folgenschwerer Zufall. Wie sich jedoch herausstellte, leidet der Verdächtige an Parkinson und war offensichtlich zu dem Einbruch gar nicht fähig. Heute testen Experten mindestens zwölf Stellen, um das Fehlerrisiko möglichst gering zu halten. Ganz wird sich eine falsche Zuordnung jedoch nie ausschließen lassen.

Wie oft DNA-Analysen zu falschen Verdächtigungen führen, liegt im Dunkeln. Gleichzeitig wächst die Zahl gespeicherter genetischer Fingerabdrücke in Datenbanken. Schließlich hilft eine DNA-Spur vom Tatort nur, wenn es Vergleichsdaten gibt, das Profil des Täters bereits vorher erfasst wurde oder es bei Reihenuntersuchungen ermittelt wird. In Großbritannien reicht der bloße Verdacht auf eine Straftat, um in der Gen-Datenbank zu landen. In Deutschland brauchen Ermittler einen Gerichtsbeschluss für jede Probennahme. Dennoch wird diskutiert, wie der Einzelne vor zu viel Wissbegier geschützt werden kann.

Genetisches Phantombild


Unabhängig davon wollen Forscher noch viel mehr aus DNA-Spuren herauslesen, beispielsweise das Aussehen des Täters. Dabei nehmen sie nun jene Bereiche in den Fokus, die für diese Merkmale verantwortlich sind. Bestimmte Genkombinationen kodieren beispielsweise Haar-, Haut- oder Augenfarbe. Finden Ermittler diese Kombinationen, könnten sie eines Tages das Phantombild aus den Genen lesen.

Blaue Augen und rote Haare etwa können Forscher schon heute mit recht hoher Treffsicherheit aus einer Genprobe bestimmen. Doch in nur wenigen Ländern ist die neue Technik in Einzelfällen zur Verbrecherjagd erlaubt. Zu komplex sind die Genkombinationen, die das Aussehen eines Menschen bestimmen, zu groß die Unsicherheit. Und auch Umweltfaktoren können genetischen Anlagen zum Trotz, das Aussehen bestimmen. Die DNA-Analyse wird als Waffe der Ermittler immer schärfer. Sie einzusetzen verlangt jedoch immer größere Sorgfalt und Achtung vor dem Schutz der Persönlichkeit.

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