Große Jagd nach kleinen Tierchen

Kampf um die letzten Ressourcen

Die Ozeane sind die Heimat des Blauwals, des größten Tieres, das jemals auf Erden gelebt hat. Die bis zu 200 Tonnen schweren Kolosse brauchen Unmengen von Nahrung. Das größte Tier der Welt ernährt sich von ganz kleinen: den bis wenige Zentimeter langen Kleinkrebsen Krill. 43 Millionen Tonnen der nährstoffreichen Tierchen landen jährlich in Walbäuchen.

Ruderfußkrebse
Ruderfußkrebse Quelle: ZDF

Die Anatomie des Blauwals ist an diese ungewöhnliche Nahrungsaufnahme angepasst: Eine Art Kehlsack fasst bis zu 100 Tonnen Wasser. Daraus siebt der Wal gigantische Mengen an Plankton. Überall wo Krillschwärme auftreten, treffen sich auch viele andere Meerestiere zu regelrechten Fressorgien.

Krill statt Kaviar

Auch Meeresforscher haben die scheinbar so üppig vorhandene Ressource im Visier. Die Idee ist nicht neu: Seit 60 Jahren schon werden die Kleinkrebse kommerziell befischt. Die Ausbeute beläuft sich auf etwa 100.000 Tonnen pro Jahr. In den 1970er-Jahren galt Krill als "rotes Gold" und wurde als Retter aus der Fischerei-Krise gefeiert. Man wollte Krill sogar dem Menschen als Delikatesse schmackhaft machen, jedoch ohne großen Erfolg.

Förderband mit Krill
Förderband mit Krill Quelle: ZDF

Bis heute werden Krillprodukte hauptsächlich als Fischfutter genutzt. Doch die Aufbereitung ist aufwändig und teuer, denn die Krebschen enthalten giftiges Fluor und verderben schnell. Die Hoffnung, die kleinen Krebse könnten eine Alternative zu Fischmehl sein, erfüllte sich nicht, denn die Krillbestände gingen schneller zurück als gedacht. Eine kritische Entwicklung, denn Krill spielt eine Schlüsselrolle im marinen Gleichgewicht.

Unscheinbarer Hoffnungsträger

Ruderfußkrebse
Ruderfußkrebs Text 4 Quelle: ZDF


Die Suche nach neuen Meeresressourcen geht also weiter. Aktuell steht die Arktis im Fokus, und wieder soll die Rettung aus dem Mikrokosmos kommen. Der neue Hoffnungsträger ist das vielleicht am häufigsten vorkommende Tier auf der Erde: der winzige Ruderfußkrebs Calanus finmarchicus. Er enthält viele wertvolle Proteine und Omega-3-Fettsäuren und ist vielversprechender Kandidat für die Entwicklung neuer Medikamente. Skandinavische Forscher schätzen seine Biomasse allein in den Nordmeeren auf unglaubliche 400 Millionen Tonnen, das 20-fache aller dort vorkommenden Fische.

Die Minikrebse lassen sich aber nur mit sehr feinmaschigen Netzen fangen. Eine Ausbeutung im großen Stil funktioniert so nicht. Will man Tiere in dieser Größenordnung ernten, sind völlig neue technische Lösungen gefragt. Mit einem Trick will man den kostbaren Bio-Rohstoff aus den Meeren locken: mit Luftblasen. In den Luftblasen sehen die Ruderfüßler Feinde. Sie reagieren mit ihrem typischen Fluchtreflex. Blubbert der Luftstrom dagegen exakt dosiert, verfangen sich die Bläschen in den feinen Härchen der Krebse und tragen die Tiere zwangsläufig nach oben.

Fischen mit Luftblasen

An winzige Luftbläschen gekettet, sind die Ruderfüßler dem Auftrieb ausgeliefert. In eigens dafür umgerüsteten Fischerbooten, den "Bubble Trawlern", soll die neue Technik zum Einsatz kommen: Anstelle von Netzen wird ein feiner Vorhang aus Luftblasen durch das Wasser gezogen. Oben sollte sich die kostbare Fracht dann leicht einsammeln lassen.

Skandinavische Wissenschaftler schätzen: Ein einziges Prozent der Biomasse von Calanus finmarchicus in norwegischen Gewässern würde den gesamten Bedarf der Aquakultur Norwegens decken. Doch die Nutzung der nährstoffreichen Krebse ist noch umstritten. Während einige Forscher sie schon als großindustrielle Alternative zu Fischmehl wittern, warnen andere vor diesem massiven Eingriff in die Nahrungskette.

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