Vorsicht Natur!

Phänomene, die uns das Fürchten lehren

Wissen | Leschs Kosmos - Vorsicht Natur!

Harald Lesch mit einem ausfühlichen Kommenar zum Thema Naturphänomene.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.11.2018, 14:35

Glauben Sie an Wunder? An Erscheinungen, die im Bereich des Übersinnlichen liegen? Ereignisse, für die wir keine Erklärung finden, rätselhafte Erscheinungen und unheimliche Erlebnisse werden schnell in das Gebiet von Magie oder Mystik geschoben. Doch es gibt sie, Naturereignisse, die uns immer wieder staunen machen.

Harald Lesch begibt sich auf die Suche nach ungewöhnlichen Phänomenen und ihren Ursachen. Er geht der Frage nach, weshalb sich die Faszination und das Staunen selbst dann noch halten, wenn Naturwissenschaftler längst schon Erklärungen gefunden haben.

Mysteriöse Lichterscheinungen

Kugelblitz rollt über Stromleitung
Kugelblitze bestehen aus sehr heißem Gas.

Schon vor Jahrhunderten beschrieben Menschen feurige Bälle, die durch Häuser rollen. Die scheinbar schwerelos schwebenden Kugeln sollen sogar Mauern durchdringen und dann sekundenlang ihr Unwesen treiben, bevor sie spurlos verschwinden. Berichte von Kugelblitzen regen die Fantasie an: Ist dieses geheimnisvolle Phänomen nun Wirklichkeit, oder gehört es in das Reich der Legenden?
Erst vor wenigen Jahren gelang es Forschern Kugelblitze im Labor herzustellen und damit nachzuweisen, dass sie tatsächlich ein physikalisches Phänomen sind. In Berlin führten Physiker folgenden Versuch durch: Durch eine zwischen Wasser und einem isolierten Tropfen angelegte Spannung leitet die Luft knapp über der Wasseroberfläche plötzlich Strom. In kürzester Zeit fließt so viel Strom in den Tropfen, dass er schlagartig zu einer fußballgroßen Kugel verdampft. Zwar besteht sie nur etwa drei Zehntelsekunden, doch die Größe ähnelt tatsächlich den beschriebenen Kugelblitzen. So ähnlich stellt man sich die Entstehung auch in der Natur vor: Schlägt ein Blitz in eine Pfütze, könnte ein Tropfen zum Kugelblitz werden. Wie der dann viele Sekunden lang leuchten kann, bleibt allerdings ein Rätsel.

Wenn der Wellensittich hüpft

Wellensittiche in Labor
Können Wellensittiche Erdbeben "vorherfühlen"?

Menschen in Asien lesen seit jeher im Verhalten von Tieren. So erzählt die japanische Mythologie vom riesigen Wels Namazu, der am Meeresgrund lebt. Wenn er sich schüttelt, bebt die Erde. Und sobald sich kleinere Welse an der Wasseroberfläche sammeln, gilt es, sich für ein Erdbeben zu wappnen. Doch nehmen Tiere vor Naturkatastrophen wirklich etwas wahr, das unseren Sinnen verborgen bleibt? Und können wir diese speziellen Fähigkeiten nutzen? Wissenschaftler sind den Reaktionen verschiedener Tiere auf der Spur: Forscher der Universität Peking beobachten in China und Taiwan Wellensittiche. Mit Bewegungssensoren an der Sitzstange zählen sie, wie oft die Vögel auf und ab hüpfen. Seit Jahrzehnten bekommen sie so angeblich immer wieder Hinweise auf Erdbeben. Ihre Vermutung: Die Vögel können mit Sinneszellen an ihren Beinen Schallwellen im Infraschallbereich wahrnehmen.

1975 sollen die Zeichen der Tierwelt im chinesischen Haicheng mehr als 150.000 Menschen das Leben gerettet haben. Bei eisigen Temperaturen krochen angeblich massenhaft Schlangen aus ihren Löchern und erfroren auf dem verschneiten Boden. Die Behörden ließen die Stadt evakuieren. Einen Tag später zerstörte ein verheerendes Erdbeben unzählige Häuser. Und in Japan wollen Wissenschaftler Hunde als Frühwarnnetz etablieren. Die Vermutung der Forscher: Manche Hunde könnten womöglich die Veränderung des Erdmagnetfelds wahrnehmen, die einem Erdbeben vorausgeht.

Krötenromantik in den Abruzzen

Grafik: Wasserstoffperoxid strömt durch Erdspalten nach oben
Kröten flüchteten offenbar vor austretenden Gasen.

Die Biologin Rachel Grant erforscht in den Abruzzen das Paarungsverhalten von Kröten im Zusammenhang mit dem Mondzyklus. Eines Nachts, im April 2009, ist alles anders: Wo es gestern noch von Krötenpaaren wimmelte, herrscht völlige Stille. Sieben Tage später bebt die Erde. In der Region rund um die Stadt L’Aquila sterben über 300 Menschen, mehr als 67.000 werden obdachlos. Könnte das plötzliche Verschwinden der Kröten mit dem  Erdbeben zusammenhängen? Was könnte die Tiere dazu veranlasst haben, kurz vor dem Beben ihren Tümpel zu verlassen?

Wasserproben führen schließlich auf die richtige Spur: Vorbeben setzen tief liegende Gesteinsschichten unter enorme Spannung, sodass sich chemische Veränderungen bis an die Erdoberfläche ausbreiten. Hier reagieren Wasserteilchen mit dem veränderten Untergrund. Es entstehen reaktionsfreudige Moleküle, die sich wiederum zu Wasserstoffperoxid verbinden. Der Tümpel wird für die Kröten zur giftigen Brühe. Etwa zwei Wochen nach ihrem Verschwinden kehrten die Kröten zurück. Das Wasserstoffperoxid war wieder zu Sauerstoff und Wasser zerfallen. Ob und wie zuverlässig uns die Informationen, die die Kröten liefern, irgendwann bei der Vorhersage von Erdbeben helfen können, sollen zukünftige Forschungsprojekte zeigen.

Die Flucht in den Untergrund

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Millionen von Zikadenlaven - aber nur alle 17 Jahre.

Alles Leben auf unserem Planeten unterliegt Tag für Tag und Jahr für Jahr gleichbleibenden Rhythmen. In der Natur zeigen sich aber auch seltsame, für uns Menschen auf den ersten Blick unverständliche Rhythmen. Wieso treten zum Beispiel Zikaden im Nordosten Amerikas nur alle 17 Jahre auf – dann aber in schier beängstigenden Massen? Sie kommen über Nacht, kriechen urplötzlich aus der Erde, paaren sich, legen Eier und sterben. Aus den Eiern schlüpfen dann Larven, die im Boden verschwinden. Es war im Jahr 1962 so, 1979, 1996 und auch im Frühjahr dieses Jahres. Was synchronisiert Myriaden dieser Tiere?

Beispielsweise der Saft der Bäume, von dem sie sich während der Zeit im Untergrund ernähren. Aber auch andere Signale müssen zusammenwirken und Taktgeber für die Zikaden sein, vermuten Wissenschaftler. Schlussendlich geben Gene „den Befehl“, an die Erdoberfläche zu kriechen. Doch warum findet die Invasion nur alle 17 Jahre statt? Die 17 ist eine Primzahl, und das ist ein Überlebensvorteil. Denn die Zikaden müssen nur die Fressfeinde fürchten, die selbst auch einen 17-jährigen Zyklus haben, oder eben jedes Jahr auftreten. Vor ihren Feinden schützt sie dann die schiere Masse. Und weil Räuber mit einem anderen Lebenszyklus ihnen nur in noch viel größeren Abständen lästig werden, steht der Massenvermehrung nichts im Wege. Jedes Weibchen legt schon bald Hunderte Eier in den Baumrinden ab. Damit hat auch diese Zikadengeneration ihr Ziel erreicht. Nach insgesamt nur etwa sechs Wochen findet das Spektakel ein jähes Ende - die Zikaden sterben. Doch schon wenige Wochen später schlüpfen aus den Eiern Larven. Sie lassen sich von den Bäumen fallen- und graben sich in den Boden ein. Erst in 17 Jahren, 2030, wird man sie wiedersehen.

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