Hat Wasser ein Gedächtnis?

Homöopathie auf dem Prüfstand

Alternative Heilmethoden haben schon seit Langem Konjunktur – unabhängig davon, ob aus naturwissenschaftlicher Sicht tatsächlich etwas dran ist an ihren Heilsversprechen. Wissenschaftler überprüfen Versuche, die die Wirkung homöopathischer Präparate belegen sollen. Einen Nachweis können sie nicht entdecken.

Selbstheilungskräfte lassen sich mobilisieren und deren Wirkungen physiologisch nachweisen. Vielleicht liegt hier ein noch nicht ausgeschöpftes vielversprechendes Potenzial für medizinische Therapien.

Grafik: Blutzellen mit Allergenen
Ein Versuch mit blau gefärbten Zellen soll die Wirkung beweisen.

Hahnemanns Lehre

1988 macht der renommierte französische Wissenschaftler Jacque Benveniste mit einem Experiment Schlagzeilen. Er ist Allergiespezialist und untersucht Allergene, die an Blutzellen andocken. Kommt es zu einer Allergie, lassen sich die Zellen nicht mehr blau färben. Je weniger blaue Zellen also in den Proben, desto stärker ist die allergische Reaktion. Nun wird ein Allergen verdünnt – in der Homöopathie würde man sagen, es wird potenziert. Die Lösung ist letztlich reines Wasser.

Diese Lösung geben die Forscher auf die Blutzellen und beobachten deren Reaktion. Sie zählen nur wenige blau gefärbte Zellen. Haben die Zellen demnach auf einen Stoff reagiert, der in der Lösung gar nicht mehr vorhanden war? Für die Anhänger der Homöopathie ist klar: Das ist der gesuchte Nachweis für Hahnemanns Lehre

Objektivität ist gefragt

Die Arbeit wird in der Wissenschaftszeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Der Chefredakteur lehnt jedoch in einer beigefügten Erklärung jede Verantwortung für den Inhalt ab. Er will die Experimente überprüfen, reist nach Frankreich und dokumentiert die Versuche per Video. Sein Team entdeckt einen kapitalen Fehler: Bei der Studie konnten die Wissenschaftler zu leicht nachvollziehen, welche Proben sie gerade auswerteten. Damit ist ein wesentlicher Grundsatz jeder wissenschaftlichen Studie verletzt. Die Objektivität bei der Beurteilung der Proben war nicht gesichert.

Die Beobachter verschlüsseln die Proben deshalb neu. Nur auf einem Papier, das sie an die Decke des Labors kleben, steht nun, welche Probe mit der Verdünnung behandelt und welche unbehandelt ist. Daraufhin ergibt sich ein ganz anderes Bild: Eine Wirkung der potenzierten Substanz auf die Blutzellen ist nicht länger erkennbar. Die Forscher hatten sich zuvor, womöglich unbewusst, beim Zählen von ihrem Wissen beeinflussen lassen.

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Können Eigenschaften beim Verdünnen an das Lösungsmittel übertragen werden?

Der Wirkung auf der Spur

Aber könnte sich die Wirkung homöopathischer Mittel womöglich anders erklären lassen? Schließlich haben Umfragen zufolge 53 Prozent der Deutschen schon solche Präparate eingenommen. Viele schwören auf die heilsamen Effekte. Die französische Studie mit Blutzellen hat sich zwar als Flop erwiesen, doch jetzt folgen zahlreiche Untersuchungen mit Probanden, um der angeblichen Heilkraft der Homöopathie doch noch auf die Spur zu kommen.


Die meisten Untersuchungen laufen nach demselben Muster ab: Eine Gruppe von Freiwilligen bekommt ein homöopathisches Medikament. Eine zweite Gruppe erhält Zuckerkügelchen, sogenannte Placebos. Kein Proband weiß, zu welcher der beiden Gruppen er gehört. Fasst man alle wissenschaftlich anerkannten Studien zusammen, so ergibt sich: Egal, ob die Probanden homöopathische Präparate oder nur Zucker erhalten haben, statistisch gemittelt ist die Wirkung jeweils gleich.

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