Hirngespinste

Wenn uns die Sinne trügen

Wissen | Leschs Kosmos - Hirngespinste

Harald Lesch mit einem Kommentar zum Thema der Sendung "Hirngespinste - Wenn uns die Sinne trügen".

Beitragslänge:
11 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.10.2018, 10:40

Fünf Sinne hat der Mensch, um sich und seine Welt wahrzunehmen. Fünf Tore zur Wirklichkeit, über die wir Eindrücke und Reize aus der Umwelt aufnehmen. Doch lassen sich unsere Sinne manchmal auch täuschen, oder können sie vielleicht sogar mehr, als wir denken? Wenn Trugbilder und Hormone uns falsche Realitäten vorgaukeln, was können wir unserem Gehirn überhaupt noch glauben?

Auf der Suche nach den Phänomenen in unserem Kopf begibt sich Professor Harald Lesch in dieser Folge von Abenteuer Forschung bis an die Grenzen unserer Wahrnehmung und darüber hinaus – und findet erstaunliche wissenschaftliche Antworten auf Fragen, die vermeintlich ins Reich der Fantasie gehören.

Gibt es einen sechsten Sinn?

Agenten mit parapsychischen Fähigkeiten waren bei der CIA gefragt.
Geheimdienste versuchten über Fernwahrnehmung an Informationen zu kommen.

Zur Zeit des Kalten Krieges rief der amerikanische Geheimdienst CIA das Projekt „Star Gate“ ins Leben und arbeitete dafür systematisch mit Sehern zusammen. Sogar der Bühnenmagier Uri Geller wirkte bei der Erforschung von Telepathie und Telekinese mit und half bei Einsätzen wie beispielsweise der Geiselnahme von Entebbe. Ziel war die Erforschung der so genannten „Fernwahrnehmung“. Besonders befähigte Agenten sollten auf parapsychologischem Weg Informationen von entfernten Orten abrufen und damit Spionage vom Schreibtisch aus möglich machen.

Mehr als 20 Jahre lang observierten sie auf diese Weise Ziele in aller Welt. Vor allem im Kalten Krieg wollten die Supermächte keine noch so abwegige Option links liegen lassen. Es gab Erfolge, aber auch viele Fehlschläge. Seit 1995 ist „Star Gate“ aufgelöst. Wissenschaftlich einwandfrei nachgewiesen hat man PSI-Kräfte nie. Aber ist vielleicht doch was dran am legendären sechsten Sinn? Wissenschaftler sind Telepathie und Co. auf der Spur.

Verändert der Mond seine Größe?

Um den Mond, unseren Gefährten am Himmel, ranken sich unzählige Mythen und Legenden. Manchmal erscheint er besonders groß am Horizont, beinahe zum Greifen nah. Die so genannte Mondtäuschung versuchten bereits die alten Griechen zu erklären. Der Philosoph und Naturforscher Aristoteles ging davon aus, dass die Atmosphäre wie eine Art Lupe wirke, was sich besonders dann zeige, wenn der Mond nahe über dem Horizont steht. Eine Deutung, die sich bis heute hartnäckig hält. Sie ist jedoch falsch. Betrachtet man den Mond in verschiedenen Positionen am Himmel und misst den Durchmesser, so zeigt sich: Er ist immer gleich groß, denn der Beobachtungswinkel bleibt gleich. Aristoteles’ Erklärungsversuch löst das Rätsel also nicht.

Öffnungswinkel des Mondes (Animation)
Unser Gehirn lässt sich bei der Betrachtung des Mondes täuschen.

Auch Leonardo da Vinci befasste sich mit dem Phänomen. Da Vinci ist immerhin der Erste, der den Effekt nicht rein physikalisch zu erklären versuchte. Aber erst viel später wird man herausfinden, dass die Psychologie dabei eine wichtige Rolle spielt. Unser Gehirn schätzt Größen und Entfernungen auf der Grundlage zuvor gemachter Erfahrungen ein. Dabei lässt es sich leicht hinters Licht führen. Wir unterliegen bei der Betrachtung des Mondes einer Fehleinschätzung. In der Nähe des Horizonts sind meist Bäume oder Häuser, deren Abmessungen wir kennen. Automatisch ordnet das Gehirn sie dann – fälschlicherweise – als Bezugsgrößen dem Mond zu. Er wirkt in der Folge größer und damit näher, als er in Wahrheit ist. Auch wenn wir heute wissen, warum der Mond manchmal so nah scheint, also könne man mit nur einem großen Schritt hinübersteigen – seine Mystik und die damit verbundene Wirkung auf den Menschen wird er wohl niemals verlieren.

Ein Zwilling wird zum Riesen

Tatsächlich hat die Mondtäuschung etwas mit unserer Sinneswahrnehmung zu tun. Denn die Größe, in der wir ein Objekt wahrnehmen, wird bestimmt durch das Abschätzen der Entfernung zu diesem Objekt. Manchmal täuscht uns unser Gehirn dabei gewaltig. Ein verblüffendes Experiment zeigt das: Zwei Mädchen – sie sind Zwillinge, daher gleich groß – werfen sich einen Ball zu. Aus unserer Perspektive, also der der Kamera, erscheint jedoch einer der Zwillinge deutlich größer als der andere!

Der Grund ist die Umgebung: Das Experiment spielt in einem ganz und gar ungewöhnlichen Raum, in dem zwei Wände einen extrem spitzen Winkel bilden. Weil es einen solchen Raum in unserer Erfahrung nicht gibt, konstruiert unser Gehirn daraus einen gewohnt rechtwinkligen Raum. Es übernimmt die aus dem Alltag bekannten Entfernungen und Proportionen, wie etwa die Größe der Mädchen in Bezug zur Fenstergröße, und konstruiert ein dazu passendes Bild. Derselbe Interpretationsfehler des Gehirns verursacht die Mondtäuschung, denn am Horizont dienen Häuser als Anhaltspunkte. Wir schätzen dann den Abstand zum Mond geringer ein, als wenn er hoch am Himmel steht. Das heißt, unser Gehirn errechnet aus der „falschen“ Entfernung ein größeres Bild vom Mond.

Warum uns Aliens entführen können

Oft belächelt, bemitleidet oder einfach als Spinner abgetan – Menschen, die von Entführungen durch Aliens erzählen, haben es nicht leicht. Gefesselt an einen Tisch, wollen sie in helles Licht geblickt und außerirdische Gestalten wahrgenommen haben. Manch ein Entführungsopfer berichtet davon, es habe im UFO seinen Körper verlassen und sich selbst von außen gesehen. Könnte das durch die Macht der Aliens ermöglicht worden sein?

Graphik: Out-of-Body
Out-of-Body-Erfahrungen: Die Forscher sind diesem Phänomen auf der Spur.

Auch die irdische Wissenschaft kennt dieses Phänomen. Es wird als Out-of-Body-Erfahrung bezeichnet und findet allein in unserem Gehirn statt. Informationen über mögliche Ursachen für Out-of-Body-Erlebnisse liefern auch Kampfjetpiloten. Ebenfalls von hellem Licht berichten klinisch Tote, die wieder reanimiert werden konnten. Viele erzählen von einem strahlenden Tunnel und einem Blick ins Jenseits. Sogar für diese Phänomene gibt es wissenschaftliche Erklärungen. Mit Ufos und Aliens haben die allerdings weniger zu tun. Was bringt unsere Sinne dann dazu,
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