Hormone als Wunderdroge

Die Boten des Lebens und der Jugend

Hormone, die Botenstoffe des Körpers, erfüllen eine Vielzahl an Aufgaben. Sie beeinflussen uns wesentlich stärker, als wir denken. Sie steuern beispielsweise verschiedene Stoffwechselprozesse, bestimmen unser Geschlecht und sorgen bei jungen Menschen für ein jugendliches Aussehen: schönes Haar, straffe Haut, muskulöser Körper.

Doch im Laufe unseres Lebens lässt die Produktion von Hormonen nach. Was beim Mann über Jahre kontinuierlich verläuft, passiert bei der Frau relativ plötzlich: Die Hormonproduktion, vor allem der Geschlechtshormone, sinkt während der Wechseljahre rapide. Mit der weiblichen Fruchtbarkeit geht es zu Ende.

Zurück zur Jugend

Der Mangel an diesen Botenstoffen, den Hormonen, kann zu verschiedenen Alterskrankheiten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose oder Demenz führen. "Altersgene", also Gene, die für Alterskrankheiten mitverantwortlich sind, entfalten nun ihre Wirkung. Lässt sich dieser Prozess aufhalten?

Was wäre, wenn man die Hormonkonzentration künstlich hoch hielte, die Bedingungen aus der Jugend praktisch wiederherstellte? Könnte die Gabe von Hormonen die Wirkung der "Altersgene" unterdrücken und das Entstehen von Alterskrankheiten hinauszögern?

Riskanter Eingriff


"Hormon-Ersatztherapien" können bei Frauen tatsächlich unangenehme Beschwerden der Wechseljahre mildern. Manche Hormone gelten gar als eine Art Wunderdroge gegen das Alter. DHEA beispielsweise, eine Vorstufe von Testosteron und Östrogen, soll sich günstig auf Stimmungen und Sexualität auswirken und dazu Fett reduzieren, heißt es. In Deutschland ist DHEA ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. In den USA gelten die Präparate als Nahrungsergänzungsmittel und sind als vermeintliches Anti-Aging-Mittel frei verkäuflich. Dabei ist der unkontrollierte Eingriff in unser Hormonsystem riskant, und eine verjüngende Wirkung von DHEA ließ sich bisher mit keiner Studie belegen.

Fazit ist, dass die Gabe von einzelnen Hormonen mindert eventuell einzelne Beschwerden, kann aber die Wirkung von Alterskrankheiten und somit die Wirkung von Genen nicht unterdrücken. Der fein abgestimmte Hormonhaushalt des Körpers ist hochkomplex und nicht als "Pillen" ersetzbar. Ein Eingriff ist deshalb immer riskant und nur unter ärztlicher Kontrolle vorzunehmen.

Hoffnung auf den Jungbrunnen

Eines der Lieblingsobjekte der Gen-Forscher ist die Fruchtfliege Drosophila. Sie weckt nun neue Hoffnung auf die Enthüllung eines lebensverlängernden Mechanismus. Die Forscher selektierten Fliegeneier von Weibchen, die sich erst spät paarten. Die Nachkommen wählten sie wieder und wieder nach demselben Kriterium aus.

Mehrere Generationen später beobachteten sie, dass diese Tiere dreimal so lang lebten wie ihre Artgenossen. Offensichtlich war es ihnen gelungen, Altersgene durch die Selektion von Generation zu Generation auszuschalten oder zumindest deren Wirkung zu verzögern. Erstaunlicherweise hatte die Auswahl auch fittere Tiere hervorgebracht. Weisen die Drosophila-Forscher damit einen Weg zum längeren Leben? Theoretisch könnte dasselbe Prinzip auch beim Menschen funktionieren: Frauen und Männer dürften über Generationen hinweg erst spät Nachwuchs zeugen. Aber eine Warnung an all, die sich davon sofort Vorteile versprechen: Erst ein Duzend Generationen später könnte sich ein erster nachweisbarer Effekt einstellen. So hatte sich aber wohl niemand den Traum vom ewigen Leben vorgestellt.

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