Im Auge des Sturms

Vom lauen Lüftchen zum vernichtenden Hurrikan

Im August 2011 wälzt sich Hurrikan "Irene auf die Ostküste der USA zu. In New York wird der Notstand ausgerufen. 370.000 Bewohner sollen evakuiert werden. Öffentliche Verkehrsmittel werden eingestellt, Flüge gestrichen, die Strassen sind Menschenleer. Eine Millionenmetropole befindet sich im Ausnahmezustand. Dann plötzlich Entwarnung: New York bleibt vom Schlimmsten verschont. Irene schwächt sich ab zu einem Tropensturm.

Satellitenaufnahme: Hurrikan Irene
Satellitenaufnahme: Hurrikan Irene Quelle: ,Getty Images

Solange wir denken können, versuchen wir, Wind und Wetter zu verstehen. Aus einem lauen Lüftchen entwickelt sich plötzlich ein Sturm oder auch umgekehrt. Aber warum? Was beeinflusst die Stärke des Windes? Forscher suchen fieberhaft nach Antworten, denn die Kraft der Winde ist zerstörerisch. Auch Hurrikan "Irene" hinterließ eine Spur der Verwüstung: zerstörte Brücken und Häuser. 50 Menschen starben.

Eine Herkulesaufgabe

Niemand hatte die Entwicklung von Hurrikan "Irene" exakt vorhersagen können. Erst im Nachhinein entschlüsseln Forscher die Umstände, die für die Abschwächung des Sturms verantwortlich waren. Ein Grund: Ein Höhentrog hatte sich vom Festland dem Unwetter entgegengeschoben. Die Folge war eine Windscherung im Hurrikan. Die aufsteigenden Winde wurden abgelenkt und der Sturm verlor an Kraft. Glück gehabt. Diesmal.

Satellitenbild: Hurrikan Irene
Satellitenbild: Hurrikan Irene

Forscher stehen vor einer Herkulesaufgabe: Sie wollen alle Variablen entschlüsseln, die Weg und Kraft eines Hurrikans bestimmen. So viel ist klar. Durch verdunstendes Meerwasser wird Energie frei. Die Wolken erwärmen sich und steigen nach oben. Dabei ziehen sie immer mehr Luft mit sich. Die Druckunterschiede lassen den Wirbel bis zu 300 Stundenkilometer schnell rotieren.

Chemikalien für eine sanfte Briese

Bereits im Jahr 1962 wagten amerikanische Forscher das Projekt "Stormfury". Ein gefährliches Experiment mit dem Ziel, den Wind zu zähmen. Die Mission: Forscher fliegen mitten in das Auge des Sturms und sprühen eine Chemikalie in die Wolken. So wollen sie die gefährlichen Winde, die direkt um das Auge rotieren, abschwächen.

Grafik: Wasser lagert sich an Silberiodidteilchen und gefriert
Silberiodidteilchen Hurrikan Quelle: ,BBC

Die Idee dahinter: Wassertropfen sollen sich an Silberiodidteilchen anlagern und zu Eis gefrieren. Dadurch wird Energie frei. Diese Kraft ändert die Struktur des Hurrikans und nimmt den inneren Winden ihre Stärke. So die Theorie. In der Praxis scheiterte das Experiment. Ein Effekt war nicht zweifelsfrei nachzuweisen. Auch auf natürliche Weise hätte der Sturm sich abschwächen können.

Wie entstehen Hurrikans?

Heute, knapp 50 Jahre später, profitieren wir dennoch von den Erkenntnissen des Projekts Stormfury, die uns die Natur eines Hurrikans näher bringen. Hurrikans entstehen meist in der Passatwindzone vor Afrika. Der Atlantik ist hier warm genug, dass er kontinuierlich Energie abgibt. So kann sich ein harmloser Wirbel in einen Sturm verwandeln. Die Passatwinde treiben den Hurrikan dann an die amerikanische Küste. Auf dem langen Weg saugt sich der Sturm mit Wasserdampf voll.

Wie gefährlich er wird, hängt von unzähligen Faktoren ab, auch von der Temperatur des Meerwassers. Welchen Einfluss die globale Erwärmung dabei in Zukunft haben wird, darüber streiten die Experten. Denn schon kleinste Effekte können dramatische Auswirkungen haben. Selbst der Flügelschlag eines Schmetterlings kann Wirkung zeigen. Die Folgen entziehen sich jeder Berechnung. Doch je mehr wir wissen, desto gezielter könnten wir eines Tages eingreifen.

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