Die Impf-Lüge

Wie die Natur uns austrickst

Wissen | Leschs Kosmos - Die Impf-Lüge

Warum sind Impfungen wichtig? Harald Lesch mit einem kurzen Kommentar über die Impfmüdigkeit der Deutschen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.06.2019, 00:00

Impfungen sind eine der größten Errungenschaften unserer Medizin. Sie haben im 19. und 20. Jahrhundert in Europa Krankheiten wie die Pocken oder die Kinderlähmung ausgerottet beziehungsweise weitestgehend zurückgedrängt. Dennoch: Die Zahl der Ungeimpften in Deutschland wächst. Viele schätzen das Impfrisiko höher ein als das Infektionsrisiko. Die Impfbefürworter sind fassungslos über die viel zu niedrigen Impfquoten, ihre Gegner warnen vor den Nebenwirkungen. Was ist denn nun die Wahrheit?

Harald Lesch begibt sich mit dieser Sendung von „Leschs Kosmos“ mitten in eine heiße Diskussion. Er geht auf die Suche nach den größten Gefahrenpotenzialen von Impfungen, folgt der Spur der Fledermaus, taucht ab in den Urwald Tasmaniens und stößt dabei auf ein teuflisches Tier und auf eine der größten Fragen der medizinischen Forschung: Lässt sich Krebs heilen? Und: Welche Rolle könnte dabei eine Impfung spielen?

Masern: das Comeback einer alten Plage

Baby wird geimpft
An Masern zu erkranken kann für Kinder unter zwei Jahren sehr riskant sein.

Skandinavien, Nord- und Südamerika, Australien, China, Russland und 13 afrikanische Länder gelten durch flächendeckende Impfungen gegen Masern als sicher, nicht so in Deutschland. Obwohl die Impfstoffe frei verfügbar sind, lassen Eltern ihre Kinder oft nicht impfen. Im letzten Jahr erkrankten Deutschland knapp 1800 Menschen.

Viele Menschen zählen Masern zu den harmlosen Kinderkrankheiten. Welch ein Irrtum. Masern können ungeahnte Spätfolgen haben. Bis zu zehn Jahre nach der Infektion kann bei Kindern eine ungewöhnliche Gehirnerkrankung auftreten – eine Gehirnentzündung. Erste Anzeichen sind Gleichgewichtsstörungen. Innerhalb von Monaten können die Erkrankten nicht mehr laufen, nicht mehr sprechen. Die heimtückische Krankheit heißt subakute sklerosierende Panenzephalitis, kurz SSPE. Bis heute ist keine Heilung in Sicht. SSPE führt unaufhaltsam zur Auflösung des Gehirns und zum Tod.

Gefahr in der Kita

Babys und Kleinkinder können noch keine  ausreichende Abwehr aufbauen, die sie gegen Masern immun machen würde.  Die ständige Impfkommission empfielt beiMasern zwei Impfungen in den ersten 24 Lebensmonaten. Wenn unter Zweijährige schon Kindertagesstätten besuchen, sind sie besonders gefährdet und darauf angewiesen, dass die älteren Kinder durch Impfung vor der Krankheit geschützt sind. Die Impfstatistik bei Masern gibt jedoch zu denken. Kein deutsches Bundesland erreicht die Vorgabe der Weltgesundheitsorganisation WHO, wonach 95 Prozent der Zweijährigen zweimal geimpft sein sollten. In den westlichen Regionen liegt die Impfrate bei durchschnittlich 74 Prozent, bei den östlichen Regionen sogar unter 70 Prozent.

Die Pocken-Story

Noch im 18. Jahrhundert waren die Pocken die größte Plage der Welt. Millionen Tote sind der Krankheit zum Opfer gefallen. Ende der 1960er Jahre sagte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Pocken den Kampf an. In einer beispiellosen Anstrengung ist es Medizinern gelungen, die Pocken durch Impfungen weltweit zu bekämpfen. 1979 erklärte die WHO die Pocken für ausgerottet.

Doch der Kampf gegen Krankheitskeime endet nicht. Die Natur ist eine nie versiegende Quelle neuer Seuchen. Selbst die Pocken sind in einer neuen Variante wieder auf dem Vormarsch. Ganz zu schweigen von einer Seuche, die mit ihrer Todesrate von bis zu 90 Prozent weltweit immer wieder Angst und Schrecken verbreitet: Ebola. Gibt es wirklich keine Chance im Kampf gegen die Krankheit?

Viren und Krebs

Eine der gefährlichsten Krebserkrankungen bei Frauen ist der Gebärmutterhalskrebs. Die Entdeckung des Auslösers dieser Krebsart überraschte die wissenschaftliche Welt. Vor rund 30 Jahren entdeckte der deutsche Wissenschaftler Harald zur Hausen den Zusammenhang von Gebärmutterhalskrebs und Viren – genauer dem Humanen Papillomavirus HPV. Das Virus kann gesunde Zellen in Krebszellen verwandeln. Eine bahnbrechende Entdeckung, für die der Forscher den Nobelpreis erhielt und der die Menschheit den ersten Impfstoff gegen Krebs verdankt. Heute kennt man schon über 100 HPV-Arten. Zwei davon sind als Ursache für Gebärmutterhalskrebs identifiziert.

Das Papillomavirus wird durch Geschlechtsverkehr übertragen. Werden junge Mädchen vor ihrem ersten Intimkontakt geimpft, so ist ihr Risiko, an dieser Krebsart zu erkranken, um über 70 Prozent reduziert. In Großbritannien erhalten seit 2006 fast alle Mädchen diese Impfung. Meistens in großen Impfprogrammen an Schulen. 175 Millionen Impfungen wurden schon weltweit durchgeführt; für ernste Nebenwirkungen gibt es bisher keine Anzeichen. In Australien und Groß Britanien haben die Impfprogramme der letzten acht Jahre schon über 50 Prozent der jungen Mädchen erreicht. Im „impfmüden“ Deutschland sind bisher gerade mal 37 Prozent der 15-jährigen Mädchen geimpft. Dass Mediziner als Ursache für eine Krebsart ein Virus dingfest machen konnten, eröffnete der Krebsforschung neue Wege. Heute gehen manche Forscher sogar davon aus, dass jede fünfte Krebserkrankung durch Viren ausgelöst wird. Die Suche nach den Auslösern geht weiter.

Krebs in seiner teuflischsten Form

Forscher mt tasmanischen Teufel
Wird der Tasmanische Teufel die Krebsforschung revolutionieren?

In Tasmanien, am anderen Ende der Welt, gibt es ein Tier, das die Krebsforschung revolutionieren könnte. Der Tasmanische Teufel. Ein Raubtier, aber doch ein Beuteltier wie das Känguruh. Er ist vom Aussterben bedroht. Der Grund für das Sterben ist ein Gesichtskrebs. Das Einzigartige dabei ist, dass der Krebs ansteckend ist. Und genau diese Tragik macht den Tasmanischen Teufel so spannend für die Forscher. Eigentlich kann Krebs nicht zwischen Individuen „springen“. Und Viren sind hier nicht im Spiel. Die Krebszellen selbst können durch Bisse von einem Tier auf das nächste übersiedeln.

Die Krebszellen schmuggeln sich unbemerkt in den Körper. Ihnen fehlt ein Etikett, das sie als fremd markiert. So erkennt sie die Immunabwehr nicht und sie können sich ungehindert im neuen Tier vermehren. Das ist Krebs in seiner teuflischsten Form. Rettung für die wenigen gesunden Tiere soll nun ausgerechnet von den kranken Teufeln kommen. Die Forscher wollen über eine Impfung mit Hormonen die Krebszellen so verändern, dass das Immunsystem sie wiedererkennen kann. Wenn es gelingt, könnte eine solche Impfung die gesunden Tiere vor Ansteckung schützen. Und sie könnte sogar den bereits erkrankten Tieren helfen, den Krebs zu besiegen. Ein Hoffnungsschimmer für den Tasmanischen Teufel.

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