Inventur der Rohstoffe

Recycling im großen Stil

Nicht nur die begrenzten Reserven des kostbaren Rohstoffs Erdöl zwingen die Industriegesellschaften über kurz oder lang nach Alternativen zu suchen. Auch Engpässe bei Metallen geraten zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Bestände werden knapper, die Preise steigen. So wird Recycling zu einem lohnenden Geschäft.

Ein LKW voll mit alten Handys wird geleert. Quelle: ZDF

In Japan wird bereits ein großer Teil entsorgter Produkte in wiederverwertbare Materialien verwandelt. In vielen anderen Ländern dagegen bleibt Schrott noch ungenutzt liegen. In China, Südafrika und Indien sind deshalb Projekte angelaufen, die Recycling wirtschaftlich vorantreiben sollen. An der Westküste Indiens beispielsweise sind riesige Schrottplätze entstanden. Hier werden jährlich mehr als hundert Kreuzfahrtschiffe und Tanker verwertet. Der Schrottplatz wird zum wertvollen Rohstofflager.

Recycling ohne Qualitätsverlust

Stahlfabrik in China, Quelle: ABC


Beispiel Stahl: Weltweit kommt etwa ein Drittel des verwendeten Stahls aus eingeschmolzenem Schrott. Kein anderes Material wird so oft wiederverwertet, denn Stahl lässt sich ohne Qualitätsverlust recyceln. In einer Schrottschmelze in der Nähe von Schanghai entsteht aus Stahlschrott neuer hochwertiger Stahl. Würde er aus frischem Erz gewonnen, müsste man mehr als doppelt so viel Energie dafür aufwänden.

Und Stahl wird im Reich der Mitte dringend gebraucht: Nicht zuletzt wegen der boomenden Bauindustrie verschlingt China inzwischen schon ein Drittel der weltweiten Produktion. Tendenz steigend. Zwar ist China schon heute der weltweit größte Stahlproduzent, dennoch kann das Land seinen Eigenbedarf nicht decken und ist auf Importe angewiesen. Um vom Weltmarkt unabhängig zu werden, unternimmt die chinesische Regierung große Anstrengungen, die Recyclingquote weiter zu erhöhen.

Elektronikschrott als Goldgrube

Aber ist Recycling auch eine Option für andere knapp werdende Metalle. Manch seltene Metalle findet man inzwischen am ehesten in ausgedienten elektronischen Geräten. Eine Tonne PC-Schrott enthält bisweilen mehr Gold als 17 Tonnen goldhaltiges Gestein. Und jährlich fallen weltweit bis zu 50 Millionen Tonnen Elektronikschrott an - mehr als genug. Allein in Europa werden pro Jahr zig Millionen Handys weggeworfen.

Im Gegensatz zu Stahl sind die seltenen Metalle allerdings nur sehr schwer aus dem Schrott herauszulösen. Sie sind oft nur in so geringen Mengen enthalten, dass es sich kaum lohnt, sie zurückzugewinnen. Oder es fehlt noch die geeignete Technik. Aber das wird sich bald ändern: Denn für einige Metalle wird der Schrott in absehbarer Zukunft die ergiebigste Quelle sein. Indium zum Beispiel, das für LCD-Bildschirme verarbeitet wird, hat eine statistische Reichweite von nur zehn Jahren.

Alternativen sind gefragt


Recycling kann die statische Reichweite zwar verlängern, aber der Rohstoff bleibt trotz allem endlich. Deshalb suchen Forscher unter Hochdruck nach Alternativen. Eine mögliche Lösung für manche Anwendungen sind OLEDs, organische, Licht emittierende Dioden. Diese lassen sich hauchdünn auf Glas oder Folien drucken. OLED-Displays wären weniger als einen halben Millimeter dick. Große Elektronikkonzerne setzen für die nächsten Gerätegenerationen auf diese Bildschirmtechnik. Der Fernseher der Zukunft könnte dann eine flexible Folie als energie- und materialsparende Alternative zum heutigen Flachbildschirm sein.

Forscher mit Folie Quelle: ,Fraunhofer Institut

Aber die Forschung geht noch einen Schritt weiter: Von der neu entwickelten Folie soll auch die Solartechnik profitieren. Denn mithilfe von OLEDs lässt sich das Sonnenlicht viel effektiver nutzen als bisher. Das Material könnte ganz einfach auf Fassaden geklebt und so jedes Gebäude in ein kleines Sonnenenergiekraftwerk verwandelt werden. Und es braucht solch innovative Entwicklungen, um drohende Versorgungsengpässe in Zukunft zu entschärfen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet