Kampf ums Wasser

Lebensquelle Jordan

Das Tote Meer trocknet allmählich aus. Sein Wasserspiegel fällt pro Jahr um über einen Meter. Seit den 1960er-Jahren ist die Seeoberfläche um ein Viertel geschrumpft. Forscher befürchten, dass in 50 Jahren von dem einzigartigen Ökosystem nur noch ein trauriger Rest übrig sein könnte. Die Hauptursache für den rapiden Rückgang liegt daran, dass immer weniger Wasser ins Tote Meer fließt. Sein größter Zufluss, der Jordan, kommt nur noch als Rinnsal an.

Grafik: Wasserleitungen vom See Genezareth.
Grafik: Wasserleitungen vom See Genezareth. Quelle: ZDF

Die Frage der Wasserverteilung ist einer der ständigen Konfliktherde im Nahen Osten. Sie spielte auch beim Sechs-Tage-Krieg 1967 eine Rolle: Israelische Truppen erobern die strategisch wichtigen Golanhöhen. Dadurch gewinnt Israel nicht zuletzt die Kontrolle über die Quellflüsse des Jordans und vereitelt Syriens Plan, diese umzuleiten. Heute hat ein Palästinenser im Durchschnitt nur 57 Liter Wasser am Tag zur Verfügung, ein Israeli dagegen rund 270 Liter, ein Jordanier etwa 80 Liter.

Verlorenes Wasser

Israel liegt in einer der wasserärmsten Gegenden der Welt. Durch beständiges Bevölkerungswachstum hat sich der landwirtschaftliche Sektor in den letzten 20 Jahren zusätzlich intensiviert. Circa 55 Prozent des Wassers verbraucht Israel in der Landwirtschaft. Ein Teil der Agrarprodukte werden exportiert und damit letztlich große Mengen Wasser. Um zum Beispiel ein Kilogramm Avocados zu produzieren, werden 950 Liter Wasser benötigt. Mit jedem exportierten Kilogramm Avocados werden somit praktisch 950 Liter virtuelles Wasser mit ausgeführt.

Aber nicht nur Israel geht dieses Wasser verloren, denn der Jordan ist die Lebensader der Anrainerstaaten. Seine Quellflüsse entspringen in den Golanhöhen. Der Jordan durchfließt den See Genezareth und wird dann südlich davon durch seinen größten Zufluss, den Jarmuk, gespeist. Doch auch dieser führt immer weniger Wasser, da Jordanien einen Teil seines Süßwasserbedarfs damit sichert. Nach einem weiteren Zufluss, dem Jabbok, etwa auf halber Strecke zwischen See Genezareth und Totem Meer, mündet der Jordan schließlich ins Tote Meer.

Eine Frage der Verteilung

Wasserverteilung Quelle: ZDF


Israel und Jordanien haben im Rahmen des bilateralen Friedensvertrages von 1994 die Wasserfrage detailliert geregelt. Der südliche Abschnitt des Jordan bildet zum großen Teil die Grenze zwischen den beiden Ländern. Im Verlauf zapft Israel circa 80 Prozent und Jordanien etwa zehn Prozent des Wassers ab. Doch für Jordaniens Hauptstadt Amman ist das bei weitem nicht genug: Leitungswasser fließt nur stundenweise, im Sommer müssen Tankwagen ganze Stadtteile mit Frischwasser versorgen, und die Bewohner versuchen, sich mit Vorratstanks auf den Dächern auszuhelfen.

40 Prozent des in Amman benötigten Wassers stammt aus dem Jarmuk und aus dem See Genezareth, der vom Jordan gespeist wird. Eine weitaus größere Wassermenge entnimmt Israel aus dem See Genezareth. Ungefähr 500 Millionen Kubikmeter pro Jahr werden durch ein Kanal- und Leitungssystem in die Küstenregion und bis in die Wüste Negev umgeleitet. Israels Wasserbedarf ist enorm. Zum einen regnet es weniger und zum anderen steigt der Bedarf durch beständiges Bevölkerungswachstum weiter an.

Besiedelung der Wüste

Mit der wachsenden Bevölkerung wird auch der Lebensraum knapper, denn die Hälfte Israels ist Wüste. Heute leben 91 Prozent der 7,3 Millionen Einwohner in Städten. Israels Ziel ist es deshalb, die Wüste Negev nutzbar zu machen und bis zu 900.000 Menschen dort anzusiedeln. Noch unter Ministerpräsident Ariel Scharon wurde dafür der Entwicklungsplan "Negev 2015" verabschiedet. Umfangreiche Forschungen sollen dabei helfen dieses Ziel zu erreichen.

In Versuchsplantagen testen Wissenschaftler Nutzpflanzen, die Hitze und Trockenheit trotzen, wie Dattelpalmen oder Olivenbäume. Sie vertragen auch salzhaltiges fossiles Wasser, das es in der Negev-Wüste mancherorts gibt. Damit sie gute Erträge liefern, muss man es aber mit Süßwasser verdünnen, etwa mit Jordanwasser. Die Forscher arbeiten auch an einer Verfeinerung der Bewässerungsmethoden. Bei der sogenannten "Tröpfchenbewässerung" wird das Wasser nah an den Wurzeln abgegeben, die es rasch aufnehmen. So lässt sich die Verdunstung verringern. Sensoren messen, wie die Früchte wachsen. Sind sie groß genug, wird die Wasserzufuhr gedrosselt. Doch ein sparsamer Umgang mit Wasser wird bei dem prognostizierten Bevölkerungswachstum allein nicht ausreichen.

Trinkwasser aus dem Mittelmeer

Israel will Süßwasser zunehmend aus dem Mittelmeer gewinnen. Die Entsalzungsanlage in Ashkelon deckt etwa 13 Prozent des Trinkwasserbedarfs. Hier wird das Meerwasser zunächst von Sand, Schmutz, Algen und Kleinstlebewesen gesäubert. Das Salzwasser durchfließt eine spezielle Reinigungsanlage. In den Röhren befindet sich eine Kunststoffmembran, die als feiner Filter wirkt.

Das Salzwasser wird unter hohem Druck durch die Membran gepresst. Sie hält Salze unerwünschte Stoffe zurück. Das Ergebnis ist reines Wasser. Übrig bleibt eine stark salzhaltige Lösung, die ins Mittelmeer entsorgt wird. Damit die hochkonzentrierte Salzlösung nicht die Meeresbewohner schädigt, wird sie mit Brauchwasser verdünnt. Diese Methode der Meerwasserentsalzung verbraucht viel Energie. Sonnenstrom könnte künftig eine Lösung bieten.

Weiter mit: Wüstenvision Desertec

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